Macron-Sieg: Neue Impulse für EU-Integration?

Die Wahl Emanuel Macrons zum neuen französischen Präsidenten hat die Hoffnung auf neue Impulse für das europäische Projekt geweckt. Dies könnte eine grundlegende Veränderung für die Finanzmärkte bedeuten, meint Ahmed Behdenna, Senior Multi-Asset Strategist bei Aviva Investors.

Nach Jahren des pessimistischen Blicks auf die Zukunft der Eurozone scheinen die Aussichten des Währungsblocks in den vergangenen Wochen eine abrupte Wendung zum Besseren genommen zu haben. Die europäischen Volkswirtschaften begannen sich zur gleichen Zeit zu erholen, als sich die politischen Risiken im Kielwasser der niederländischen und französischen Wahlen auflösten. Der vielleicht wichtigste Aspekt ist jedoch, dass die EU, mit einer dreifach existenziellen Bedrohung von außerhalb konfrontiert, an der Schwelle der Reformen zu stehen scheint, die für ihr langfristiges Überleben entscheidend ist. Diese drei Bedrohungen sind Trumps Wahl zum US-Präsidenten, der Brexit und die aggressiven Aktionen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Osteuropa.

Auch in Deutschland, wo der Pessimismus über den Euro schon so lange existiert, wird die EU als Siegerin angesehen. Im Hinblick auf die Bundestagswahlen im September wetteifern Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr sozialdemokratischer Herausforderer Martin Schulz darum, als der jeweils beste Kandidat für die weitere Stärkung des EU-Blocks angesehen zu werden. Für Investoren wird eine funktionierende deutsch-französische Achse entscheidend für das europäische Projekt sein – insbesondere, um notwendige Reformen voranzutreiben. Doch während die europäischen Aktienmärkte und der Euro positiv reagierten, müssen die Finanzmärkte wohl noch die vollen Auswirkungen der jüngsten Ereignisse einpreisen.

Verteidigung steht an erster Stelle

Viele Investoren vertreten seit langem die Ansicht, dass die Eurozone nur dann Fortschritte bei einer engeren Integration machen kann, wenn sie durch eine Krise geht. Aber es gibt zwei wesentliche Unterschiede zwischen der aktuellen Situation und vorherigen Krisen, die jetzt Grund zum Optimismus bieten.

Erstens sprechen politische Entscheidungsträger zu einer Zeit über Reformen, in der die Volkswirtschaften des Kontinents vergleichsweise gut dastehen. Dies wird es für Entscheider wie Macron leichter machen, voraussichtlich umstrittene Vorschläge wie die Reform des französischen Arbeitsmarktes durchzusetzen. Zweitens ist die Krise diesmal weitgehend nicht selbst kreiert. Die Regierungen wurden durch die drei erwähnten externen Ereignisse zum Handeln gezwungen.

In einer zunehmend zerrissen erscheinenden Welt, geteilt und gefährlich wie seit Generationen nicht mehr, erhält der Abschluss der EU-Reformen eine zusätzliche Dringlichkeit. Macron und Merkel haben sich dazu verpflichtet, die Integration zu vertiefen und die Eurozone zu stärken. Der erste Test fand bei einem Treffen des deutsch-französischen Ministerrats am 13. Juli in Paris statt. Das Ziel war die Beziehung im Kern des Euro-Währungsgebiets zu beleben.

Sicherheit und Verteidigung standen ganz oben auf der Agenda. Für die Menschen in Europa war es schon immer offensichtlich, dass es bei der EU um viel mehr als nur die Wirtschaft geht. In erster Linie geht es um die Sicherheit. Obwohl Berlin und Paris weit von einer Einigung entfernt sind, wie eine effektivere Verteidigung aufzubauen ist und wie weit und unter welchen Umständen im Ausland einzugreifen ist, erwarten wir, dass die beiden Nationen nach der Bundestagswahl schnell in die Verteidigungskooperation übergehen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt