„Markenbindung spielt tragende Rolle“

Im zweiten Teil des exklusiven Interviews für Global Investor online spricht Samir Mehta, Fondsmanager des JOHCM Asia Ex Japan Fund, über Anlagestrategien, Risiken und Markenbindung als Grundlage für profitable Investitionen.

Wie wählen Sie Unternehmen aus, die Sie Ihrem Portfolio hinzufügen?

Mehta: Wir beginnen mit der Vorauswahl, indem wir nahezu jede Firma betrachten, die an den Börsen in Asien gelistet ist. Dabei achten wir auf folgende Charakteristiken: eine hohe Kapitalrendite, sowie Ebit-Marge, oder freien Cashflow. In Asien sind mehr als 6.000 Unternehmen an der Börse gelistet, es ist also wichtig, die Auswahl zu begrenzen. Nach der Vorauswahl konzentrieren wir uns auf etwa 400 Firmen, deren Aussichten wir für vielversprechend halten. Als nächstes betrachten wir ihre Vergangenheit und ihre Strategien in Zeiten wirtschaftlicher Unruhe. Hat das Management Einsparungen vorgenommen, Arbeitskräfte entlassen, oder haben sie Geld investiert? Das gibt uns eine Ahnung davon, wie gut das Management eines Unternehmens mit Schwierigkeiten umgehen kann. Wir vereinbaren Treffen, auch mit den jeweiligen Konkurrenten, verschaffen uns einen Überblick über die Branche, um künftige Veränderungen absehen zu können. Zuletzt erstellen wir Finanzmodelle, um unsere potenziellen Käufe auswerten zu können. Am Ende jedes Jahres führe ich Analysen durch und sehe mir die Aktien eines bestimmten Markts an, die am besten abgeschnitten haben. Wenn ich sie nicht gekauft habe, frage ich mich nach dem Grund. Ich versuche aus meinen Fehlern zu lernen, um im nächsten Jahr bessere Ergebnisse zu erzielen.

Warum investieren Sie hauptsächlich in Konsumgüter und Informationstechnik?

Mehta: Die Volatilität von Gewinnmargen, Renditen und Cashflows ist hoch in Sektoren wie der Industrie, dem produzierenden Gewerbe, oder bei Rohstoffen. Wir bevorzugen stabile Unternehmen für den Kernbestand unseres Portfolios, daher tendieren wir zu Konsumgütern, Logistik, oder Spielen. In Bezug auf Konsumgüter spielt die Markenbindung eine tragende Rolle. Man könnte sagen, alles, was mit unseren Geschmacksknospen in Berührung kommt, brennt sich in das Gedächtnis ein. Sobald man sich an einen bestimmten Geschmack oder Geruch gewöhnt hat, bleibt man der produzierenden Marke treu, außer es gibt einen triftigen Grund zu wechseln. Wird man darüber hinaus von etwas abhängig, ist es umso schwieriger aufzugeben. Rauchen ist ein gutes Beispiel dafür. Trotz der schädlichen Auswirkungen akzeptieren viele Raucher ihre Abhängigkeit. Zugehörigkeit und Abhängigkeit sind demnach zwei Wege, Konsumenten an bestimmte Marken zu binden. Wiederkehrende Kunden sind die Basis für die Langlebigkeit gewisser Marken. Daraus ergibt sich schließlich ein profitables Geschäft für Geldanleger.

Könnten sich auf der Basis der Markenbindung neue Oligopole in diesen Sektoren herausbilden?

Mehta: Ja. In den letzten dreißig Jahren haben sich große Marken im Bereich der Konsumgüter und der Technologie gebildet. Microsoft hatte in der Vergangenheit nahezu ein weltweites Monopol. Doch Markenunternehmen haben gegen Konkurrenten wie Amazon zu kämpfen: Der Onlineversand erhöht die Verfügbarkeit günstiger Angebote. Auf der anderen Seite profitieren kleinere Unternehmen von dieser Entwicklung. Sie sind gut aufgestellt in kleineren Märkten und haben dazu noch die Chance, größere zu erschließen. Das Internet hilft also sowohl, bestehende Oligopole aufzubrechen, als auch neue zu schaffen. Facebook und Amazon sind quasi oligopolistische Konzerne. Zur Zeit ist eine Debatte in den USA und der EU zugange, die sich damit beschäftigt, ob Mono- und Oligopole die Preise nach oben treiben. Tatsächlich haben Facebook, Google, Amazon, oder Netflix eher dazu beigetragen, die Preise zu senken. Die Preispolitik eines Konzerns ist zur Feststellung eines Oligopols ungeeignet. Daher muss sich die Natur der Debatte grundlegend ändern. Wenn es jedoch einem Investor gelingt, ein solches Unternehmen frühzeitig zu entdecken, kann das eine äußerst lohnende Anlage sein.




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