Mexiko bietet attraktiven Immobilienmarkt

Am Jahrestag des großen Erdbebens von 1985 bebte in Mexiko 2017 erneut die Erde. Der Vergleich der Ereignisse zeigt die Fortschritte des Landes und die Chancen, die der Immobilienmarkt bietet. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Armendáriz (UCL) und Dr. Alejandro Reynoso (Cambridge Judge Business School).

Die Auswirkungen von Naturkatastrophen liegen seit fünf Jahren im Fokus von Ökonomen. „Wenn etwas zerstört wurde, baut man nicht zwangsläufig noch einmal das Gleiche, man nutzt möglicherweise neue Technik, man ist effizienter“, sagt Mark Skidmore (Wirtschaftsprofessor der Michigan State University) zur Thematik.

Vergleicht man Mexikos letztes Erdbeben im September mit dem schweren Beben von 1985, bei dem etwa 10.000 Menschen umkamen, veranschaulicht das Skidmores Aussage. Vor 32 Jahren gab es in Mexiko noch keine florierende Privatwirtschaft.

Hohe Handels- und Kapitalmarktbarrieren schnitten den Zugang zu neuen Technologien ab. In der Konsequenz verschlimmerte das Erdbeben die Finanzkrise, in der Mexiko spätestens seit 1982 steckte. Es dauerte Jahrzehnte, die materiellen Schäden zu beseitigen, da die mexikanische Regierung mit der Modernisierung der Wirtschaft zu kämpfen hatte. Zudem litt sie unter ihrer importsubstituierenden Industrialisierung, einer geschlossenen, nach innen gewandten Entwicklungsstrategie.

Auferstanden aus Ruinen

Der Gegensatz ist bemerkenswert: Als das Erdbeben am 19. September 2017 Mexiko erschütterte, traf die Katastrophe auf ein modernes Land. Mexiko ist heute eine offene Volkswirtschaft mit einem ausgewogenen Verhältnis aus nationalen und internationalen Unternehmern und einem soliden Bestand an Humankapital, wie Vermögens- und insbesondere Immobilienverwaltern sowie einer etwas älteren Bevölkerung als noch vor 32 Jahren. Die Generation der Baby Boomer und jungen Absolventen bildet gemeinsam die neue Mittelschicht. Diese ist besser gebildet, unternehmerisch und politisch engagierter. Auch die Möglichkeiten im Immobiliengeschäft sind heute besser als 1985. Sie ermöglichen es dem Mexiko des 21. Jahrhunderts, die Verwüstung zum kreativem Wiederaufbau zu nutzen. Es gibt mindestens vier große Triebfedern dieser Entwicklung.

Die vier Triebfedern für das Immobiliengeschäft

Erstens betritt eine große Zahl von jungen und gebildeten Menschen den Arbeitsmarkt. Dadurch steigt die Nachfrage nach Wohnungen und Dienstleistungsgebäuden, wie Privatschulen, Kinos und Unterhaltungsparks, immens. Die Demografie einer älteren Gesellschaft wird hier zum Vorteil, da durch die Vergrößerung der Arbeitnehmerschaft auch die Kaufkraft steigt. Zweitens wächst die Mittelschicht immer weiter. Sie ist urbaner, produktiver, und kaufkräftiger als ihre Vorgänger Ende des 20. Jahrhunderts. Auch sie steigert die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt.

Drittens verändert sich Mexikos urbane Struktur. War Mexico City noch vor Kurzem das einzige Zentrum des Landes, bilden sich nun immer mehr mittlere und große Städte, die ihre Stärke auf regionalen und internationalen Handel, Produktion und Tourismus gründen. Das wiederum treibt viele Projekte voran und wirkt sich auf den Immobilienmarkt aus. Es werden Fabrikgebäude für lokale Produktion und Export benötigt, Geschäftsgebäude, Hotelanlagen und Pflegeheime in dünn besiedelten Gebieten. Dieser Trend mildert die Größennachteile beziehungsweise das Gefälle, das Ballungszentren verursacht haben. Die Entwicklung urbaner Terrains ist dort besonders dynamisch, wo sich weitab der Hauptstadt strategisch günstige Orte für Handel, Tourismus und Produktion befinden, beispielsweise in Monterrey, Puebla und Cancun. Dort sind auch die Konstruktionskosten geringer als in Mexico City. Die Dezentralisierung kurbelt die Wirtschaft ländlicher Gebiete an.

Viertens verschiebt sich das urbane Bauwesen dank der protektionistischen Politik der Trump-Regierung weg von der amerikanisch-mexikanischen Grenze hin zu Küstenregionen nahe Südamerika und der Pazifikküste. Die Bevölkerung fühlt sich dort sicherer als in Städten an der amerikanischen Grenze und die Lebenshaltungskosten sind niedriger. In diesen Regionen werden unter Einsatz modernster Technologie viele Immobilien entstehen, von der besonders die Privatwirtschaft profitieren wird. Dieser „Trump-Effekt“ könnte paradoxerweise einen positiven Effekt auf Mexikos Immobilienmarkt und seine Urbanisierung haben.

Trend zur Urbanisierung

Diese vier Aspekte haben beeindruckende Auswirkungen. Bis 2030 soll die mexikanische Bevölkerung Prognosen zufolge um 11,4 Millionen Menschen wachsen, in Städten werden 18,8 Millionen zusätzliche Einwohner leben. Es wird 16 Millionen Haushalte mehr geben; es wird prognostiziert, dass 60 Städte bis dahin mehr als 100.000 Einwohner haben, acht werden die Grenze zur Million überschreiten. Im gleichen Zeitraum werden 46.000 neue Shoppingcenter entstehen mit einer Fläche von über 30 Millionen Quadratmetern. Darüber hinaus wird es etwa 500 neue Industriegebiete geben mit einer Fläche von mehr als 165 Millionen Quadratmetern, davon entfallen zehn Millionen Quadratmeter auf Büroflächen. Im gleichen Zeitraum sollen zudem zwölf Millionen neue Eigenheime entstehen.

Die Transformation Mexikos in den vergangenen drei Jahrzehnten und die beschriebenen vier Punkte erklären die unterschiedlichen Reaktionen auf die eingangs erwähnten Naturkatastrophen. Wo Mexiko zuvor eine Politik der Zurückgezogenheit verfolgte und Importe substituierte, holt es diese Defizite heute auf. Das Land fokussiert sich auf den Export von Gütern und den Bau von Immobilien sowohl für den privaten als auch für den wirtschaftlichen Bereich. Früher waren Bauvorhaben langwierig und unnötig teuer. Heute ist der Bau wirtschaftlicher Zentren effizienter und diversifizierter. Sie bieten sowohl nationalen als auch internationalen Investoren ansprechende Möglichkeiten im Immobiliensektor. //




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