Naher Osten besser als sein Ruf

JPMorgan hat damit angefangen, Staatsanleihen aus dem Nahen Osten in seinen Emerging-Market-Index aufzunehmen. Das hat Folgen für institutionelle Anleger und bereitet einigen Kopfschmerzen, schreibt Freddie Coldham von Stratton Street Capital.

JP Morgan hat Ende Januar damit begonnen, Staatsanleihen aus dem Nahen Osten in seinen JPMorgan-Emerging-Market-Government-Bond-Index aufzunehmen. Die finale Gewichtung wird 3,1 Prozent für Saudi-Arabien, 2,8 für Katar, 2,6 für die Vereinigten Arabischen Emirate, 2,3 für Bahrain und 0,7 für Kuwait betragen. Zusammen werden diese fünf Länder Ende September rund 11,8 Prozent des gesamten Index‘ ausmachen. Diese Allokation wird insbesondere Folgen für institutionelle Investoren haben, deren Portfolien der Benchmark folgen, denn sie werden ihre Anteile an Anleihen im Nahen Osten aufstocken müssen. Wir schätzen, dass dadurch eine zusätzliche Nachfrage nach Anleihen aus der Region in Höhe von über 30 Milliarden US-Dollar in den Monaten bis September entstehen kann.

Investoren haben moralische Bedenken

Manche Investoren haben moralische Bedenken, speziell mit Anlagen in Saudi-Arabien. Das Königreich am Golf steht – nicht zuletzt wegen des nach wie vor nicht aufgeklärten Mordes am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi und des anhaltenden Krieges im Jemen – am internationalen Pranger. Keine Frage: Saudi-Arabien hat einen schlechten Ruf, und ich denke, man sollte für das Risiko bezahlt werden, dort investiert zu sein. Wir haben unseren Anteil in Saudi-Arabien wegen des Mangels an Transparenz von über zehn auf fünf Prozent verringert.

Reiche Länder mit Mehrwert für Anleger

Als Saudi Aramco, ein Erdölkonzern im saudischen Staatsbesitz mit „A1”-Rating, in diesem Monat eine zwölf Milliarden US-Dollar schwere Anleihenemission (mit über fünf unterschiedlichen Laufzeiten) begab, war das Orderbuch nach Aussage von Brokern mit Anfragen für mehr als 100 Milliarden US-Dollar mehrfach überzeichnet – offensichtlich hat nicht jeder seinen Anteil an Saudi-Arabien verringert. Für die Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit war eine Spanne (Spread) von 125 Basispunkten vorhergesagt worden, was gerade zehn Basispunkte über dem Preis liegt, zu dem Staatsanleihen Saudi-Arabiens gehandelt werden. Am Ende wurde die Saudi-Aramco-Anleihe nur mit einem Spread von 105 Basispunkten bewertet, was enger als ursprünglich erwartet war und damit auch ein geringeres Zinsdifferenzial zu US-Treasuries hatte, als dies die saudischen Staatsanleihen auswiesen.

Was man über die Staaten des Golf-Kooperationsrates sagen kann, die jetzt in den JPMorgan-Index aufgenommen werden: All diese Länder sind sehr reiche Nationen, die für Anleger einigen Wert liefern. Wenn man sich die vermögenden Nationen auf dem Globus ansieht, stellt man fest, dass die Mehrheit im Nahen und Fernen Osten zu finden ist, wie unsere „Net Foreign Asset (NFA)“-Analyse belegt: Darin vergeben wir Ländern Sterne, mit sieben Sternen als Höchstnote; wir brauchen mindestens drei Sterne, um ein Land in unserem Portfolio aufnehmen zu können. Diese Beschränkung, die wir uns selbst auferlegt haben, geht weit über die Investmentrestriktionen unserer Investoren hinaus. Von diesen „sieben Sterne“-Ländern befinden sich vier im Nahen Osten, zwei in Europa und drei in Fernost.

Länder aus dem Nahen Osten emittieren Anleihen mit größeren Spreads und besseren Bonitäten

Das bringt manchen Anleger in eine Zwickmühle: Selbst, wenn man zwei Kredit-Rating-Stufen für das politische Risiko im Nahen Osten wegnimmt, liegt man immer noch zwei bis drei Kreditstufen über US-Staatsanleihen – denn Länder aus dem Nahen Osten begeben bekannterweise Anleihen mit größeren Spreads bei vergleichsweise guten Bonitäten. Die Renditen für Anlagen im Nahen Osten können daher viel höher sein, als man dies von irgendeinem westlichen Unternehmen oder Staat erwarten würde.

Seite zwei – Quasi-Staatsanleihen aus dem Nahen Osten




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