Neue Chancen in einem neuen Marktumfeld

Jan Boudewijns, Leiter Schwellenländer-Aktien beim europäischen Asset Manager Candriam, setzt sich in seiner Marktanalyse damit auseinander, ob erfolgreiche Schwellenländer-Investments nur ein vorübergehender Trend ist, und wie es nun weitergeht.

Lange Zeit waren Schwellenländer-Aktien, gemessen am MSCI Emerging Markets Index, schwächer als Titel aus den Industrieländern, vor allem als Aktien aus den USA. Seit 2016 sind Emerging-Markets-Aktien aber beeindruckend stark gestiegen. Anfang 2018 hatte man noch gehofft, dass diese Erholung einige Jahre anhält. Konjunktur und Unternehmensdaten hatten sich schließlich verbessert. Im April wendete sich das Blatt aber überraschend, und seitdem entwickeln sich die Emerging Markets wieder unterdurchschnittlich.

Schwellenländer-Aktien: Neue Chancen in einem neuen Marktumfeld

Nach einigen Jahren mit einer sehr guten Performance traten im zweiten Quartal Probleme auf und stoppten die Emerging-Market-Rallye. Ein nicht mehr synchrones Weltwirtschaftswachstum bei einer nach wie vor starken US-Konjunktur sowie die Politik der Trump-Administration (Steuersenkungen in den USA, Sanktionen gegen Russland und den Iran, Konflikte mit den wichtigsten Handelspartnern) ließen steigende Zinsen, volatilere Ölpreise und eine Dollar-Aufwertung erwarten.

Daraufhin gerieten einige Emerging Markets, vor allem Länder mit einer schwächeren Leistungsbilanz, in den letzten Wochen unter Druck. Ihre Währungen werteten ab. 2018 finden in vielen Schwellenländern Wahlen statt, und schlechte politische Nachrichten aus der Türkei, Mexiko, Brasilien und weiteren Ländern haben für noch mehr Unsicherheit gesorgt. Auch die politischen Turbulenzen in Italien haben die Stimmung nicht verbessert, vor allem in Osteuropa. Zugleich haben sich aber größere Emerging Markets mit besseren Fundamentaldaten (wie China, Südkorea und Taiwan) weiter recht gut entwickelt. Dennoch überrascht es nicht, dass einige Investoren an den Emerging Markets als Assetklasse zweifeln. Auch wir sehen, dass diese Probleme für mehr Volatilität gesorgt haben und meinen, dass Länder-, Sektor- und Einzelwertauswahl wichtig bleiben. Doch mehrere Faktoren bestätigen uns in unserer recht positiven mittel- bis langfristigen Einschätzung:

  • Zurzeit sind die Schwellenländer-Aktien günstig bewertet und schon deshalb eine Chance für Investoren. Viele Industrieländer befinden sich in der Spätphase ihres aktuellen Konjunkturzyklus, während die Emerging Markets noch immer am Anfang stehen. Wirtschaft und Unternehmensgewinne wachsen stabil und stützen ihre Konjunktur
  • Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) dürfte das BIP-Wachstum der Emerging Markets 2018 bei fast 5,0 Prozent liegen, also fast doppelt so hoch wie in den Industrieländern. Wenig überraschend ist, dass vor allem China das Wachstum der Emerging Markets bestimmen wird. Das Land ist nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, sondern auch der größte Importeur von Waren aus anderen Schwellenländern
  • Auch wenn zurzeit oft an der fundamentalen Stärke der Emerging Markets gezweifelt wird, ist ihre durchschnittliche Verschuldung (in Prozent des BIP) nach wie vor tragfähig. In vielen Ländern geht die Schuldenstandsquote sogar zurück. Noch wichtiger ist aber das in der Regel recht geringe Inflationsrisiko, weil disruptive Technologieinnovationen den Lohnanstieg bremsen
    Stabiles Wachstum und günstige Bewertungen

Entscheidend für die Aktienerträge sind eine gute Konjunktur und hohe Unternehmensgewinne. Die Emerging Markets befinden sich am Anfang eines Marktzyklus. Ihre Aktienerträge profitieren von langfristigen demografischen Trends, der geringeren Verschuldung der Unternehmen sowie dem Außenhandel der Schwellenländer untereinander. Außerdem hat der US-Dollar zwar noch immer Auswirkungen auf die Emerging Markets, aber dank Schuldenabbau und sparsamen Investitionen ist die Dollarverschuldung börsennotierter Schwellenländerunternehmen seit der Krise 2013 zurückgegangen.

Nach Angaben von MSCI dürften die Gewinne und Umsätze von Emerging-Market-Unternehmen bis weit ins Jahr 2019 hinein stärker wachsen als die ihrer Pendants aus den Industrieländern. Candriam geht davon aus, dass der größte Teil dieses Wachstums auf Unternehmen aus Asien (vor allem China und Südkorea) entfällt und auf die Sektoren IT, Grundstoffe und Energie.

Ein weiteres Argument für Emerging-Market-Aktien sind die sowohl im Vergangenheitsvergleich als auch gegenüber den Industrieländern günstigen Bewertungen (gemessen am CAPE, dem konjunkturbereinigten KGV).

Marktineffizienzen nutzen und Risiken im Auge behalten

Einige Jahre lang haben nicht die Chancen, sondern die Risiken von Emerging-Market-Aktien die Schlagzeilen und Anlegerstimmung bestimmt. Nach dem Wendepunkt im Jahr 2016 haben sich die Aussichten für die Schwellenländer aber klar verbessert.

Ungeachtet dessen sollten Investoren aber die Risiken weiterhin genau im Auge behalten. Und: Um Mehrertrag zu erzielen, kommt es auf die Einzelwertauswahl an. Noch immer gibt es Risiken. Zu ihnen zählen die Notenbankpolitik und politische Risiken wie Zölle und andere Handelshemmnisse. Candriam beobachtet die weltweiten und länderspezifischen Konjunkturtrends, aufsichtsrechtliche Reformen und politischen Entwicklungen sehr genau und wählt die Einzelwerte sehr sorgfältig aus. Immer wichtiger wird eine fundamentale Aktienauswahl mit der Möglichkeit, Marktineffizienzen zu nutzen. Candriam ist überzeugt, dass Investoren vor allem mit einem Themenansatz Erfolg haben können, der in wettbewerbsfähige Qualitätsunternehmen mit der Aussicht auf stabiles, hohes und nachhaltiges organisches Wachstum investiert.




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