Neue Patrioten

Junge Asiaten wenden sich den heimischen Marken zu. Das hat nicht nur Folgen für westliche Produzenten, sondern auch für Investoren. Eoin Donegan, Fondsexperte bei der GAMAX Management AG, schreibt über den neuen Konsum-Patriotismus der Asiaten; und welche Konsequenzen für Investoren daraus erwachsen.

Bevölkerungsstark und ehrgeizig: In Zukunft sind nicht mehr die westlichen Konsumenten Treiber der Weltwirtschaft, sondern rund eine Milliarde junger Asiaten, die in den Mittelstand aufsteigen und enormes Absatzpotenzial bieten. Allein in China leben rund 415 Millionen Millennials – junge Konsumenten, die in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren geboren sind. Dies ist mehr als die Zahl der Erwerbstätigen in Westeuropa und den USA zusammen. Ähnlich verhält es sich in Indien: Circa 65 bis 70 Prozent der 1,2 Milliarden Inder sind unter 35 Jahre alt. Doch nicht nur der Anteil der jungen Menschen an der Bevölkerung steigt, auch ihre Kaufkraft wächst rasant. Bis 2022 werden in Indien Schätzungen zufolge elf Millionen Haushalte zur Mittelschicht gehören, in China sogar 80 Millionen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 gab es in Deutschland insgesamt knapp 41 Millionen Haushalte.

Der Westen ist nicht mehr das Maß aller Dinge

Bisher gilt der Westen bei der jungen Zielgruppe als Vorbild in puncto Konsum, westliche Marken stehen hoch im Kurs und fungieren als Statussymbole. Zurzeit ist jedoch ein Wandel im Verbraucherverhalten zu beobachten und junge Asiaten entscheiden sich immer öfter auch für Marken heimischer Firmen. Der Markt für westliche Produkte wird zwar nicht einbrechen, dafür ist die Faszination für den westlichen Lebensstil immer noch zu groß, doch amerikanische und europäische Unternehmen bekommen zunehmend Gegenwind. Denn asiatische Unternehmen haben zwei klare Heimvorteile: Zum einen können sie ihre Zielgruppe in puncto kulturelle Besonderheiten, Kaufverhalten und Ansprüche deutlich besser einschätzen. Zum anderen profitieren viele Firmen, insbesondere in China, von der eher protektionistischen Haltung und umfangreichen Investitionsprogrammen ihrer Regierungen.

Für Anleger ist der Wandel asiatischer Konsumpräferenzen jedoch eine Chance, denn einige Unternehmen aus verschiedenen vielversprechenden Sektoren sind bereits an der Börse gelistet oder streben langfristig den Sprung aufs Parkett an.

Am deutlichsten zeigt sich die wachsende Nachfrage nach asiatischen Marken im Smartphone-Sektor. Laut Statista entfielen 2016 auf die Länder in der Asien-Pazifik-Region rund 52 Prozent des globalen Smartphone-Absatzes. 2010 waren es dagegen gerade einmal 29 Prozent. Die beiden weltweit größten Smartphone-Märkte – Indien und China – werden dabei von Playern aus Fernost dominiert. Nach einer Studie von Counterpoint Research entfielen in China im zweiten Quartal 2017 nur rund acht Prozent der Absätze auf Apple, während chinesische Anbieter wie Huawei, OPPO oder Vivo einen Marktanteil von 69 Prozent hatten. Auch in puncto Markenimage holen die einheimischen Unternehmen im Reich der Mitte auf: Das Beratungsunternehmen RTG befragte junge Chinesen zu ihren Lieblingsmarken und fand heraus, dass Apple zwar die beliebteste Marke der Generation Y ist, bei der jüngeren Generation Z (geboren nach 1995) belegte jedoch Handygigant Xiaomi den ersten Platz.

Auf dem indischen Markt hatte laut IDC India im ersten Quartal 2017 mit einem Marktanteil von knapp über 28 Prozent das koreanische Samsung die Nase vorn, gefolgt von den Chinesen Xiaomi, Vivo, Lenovo und OPPO, die zusammen ein Wachstum von rund 143 Prozent verzeichneten und ihren Marktanteil damit auf etwas über 51 Prozent steigerten.




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