Obligationen aus Lateinamerika

Staatsanleihen, die nicht die sichere Alternative sind, werden meist von Schwellenländern emittiert – etwa aus Lateinamerika. Sie fordern von Anlegern Mut, Opportunismus und Flexibilität.

Um in Schwellenländeranleihen zu investieren, brauchen Anleger einen flexiblen und opportunistischen Ansatz und den Willen, sich gegen Markttrends zu positionieren. Sie müssen selektiv vorgehen, spezifische Risiken eingehen und langfristig orientiert sein, um Chancen bei Anleihen zu nutzen, welche von Schwellenländern wie Venezuela begeben werden.

Schwellenländeranleihen galten lange Zeit als eine Spezialisten vorbehaltene Anlageklasse, aber in den letzten Jahren ist das verwaltete Vermögen stark gewachsen. Dennoch gewichten die meisten Anleger diese Anlageklasse in ihren Portfolios unter. Seit einigen Monaten müssen sich Investoren mit niedrigen und sogar negativen Renditen auf europäische Staatsanleihen zufriedengeben. Doch das Rentenmarktsegment der Schwellenländeranleihen hat sich erfreulich entwickelt.

Schwellenländeranleihen nur 12% des Segments

Schwellenländeranleihen sind heute eine eigene Anlageklasse. Sie bieten potenziell attraktive Renditen, sowohl relativ aus auch absolut betrachtet, und gute Möglichkeiten, ein Portfolio zu diversifizieren. Das Segment macht aktuell nur zwölf Prozent des globalen Rentenmarkts aus. Dieser Anteil dürfte aber größer werden, da Schwellenländer inzwischen rund die Hälfte zum weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) beisteuern. Schwellenländeranleihen können auf Hart- oder Lokalwährung lauten und werden als Staatsanleihen, Quasi-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen angeboten. Dank der steigenden Zahl von Emittenten und Anlegern hat sich der Markt in den letzten Jahren diversifiziert. Doch auch wenn sich die Mittelzuflüsse 2016 erholt haben, sind Schwellenländer in den Anleiheportfolios großer internationaler Investoren noch untergewichtet.

Die Anlageklasse wird durch langfristige Trends unterstützt. Die Fundamentaldaten von Schwellenländern sind mittlerweile wesentlich solider als in der Vergangenheit: So haben sie ihre Schuldenquoten im Allgemeinen unter Kontrolle und auch ihre Devisenreserven nehmen stetig zu. Das Bevölkerungswachstum und der Aufstieg einer Mittelschicht sind weitere wichtige unterstützende Faktoren. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsräumen und Ländern, und es bestehen Risikofaktoren, die gesteuert werden müssen. Eine selektives Vorgehen ist deshalb unerlässlich.

Lateinamerika vor Trendwende?

Seit 2014 achtet Edmond de Rothschild insbesondere auf das China-Risiko, welches vom Markt unterschätzt wird, und das Portfolio ist seitdem zum Teil gegen dieses systemische Risiko abgesichert. Von China geht nach wie vor die größte makroökonomische Gefahr aus. Trotz vereinzelter ermutigender Meldungen zur Wirtschaft hat das Land mit vielen Ungleichgewichten zu kämpfen. Die Schuldenquote beläuft sich auf circa 250 Prozent. Der von offizieller Seite genannte Anteil Notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen ist weit von der Realität entfernt, und der Immobilienmarkt zeigt Überhitzungserscheinungen. Angesichts dieser Risiken hat Edmond de Rothschild seine Absicherungsmaßnahmen aufrechterhalten. Um die Chancen wahrzunehmen, muss man Themen, Länder und Unternehmen mit einem asymmetrischen Chance-Risiko-Verhältnis untersuchen, statt regional zu selektieren. In Lateinamerika hat es auf Länder- und Unternehmensebene in den letzten Jahren etliche Beispiele für eine Trendwende gegeben.

Edmond de Rothschild sucht nach Anleihen, welche die eingegangenen Risiken durch Renditen kompensieren. Die Bepreisung von Risiken ist im Falle einiger Emittenten mit Investment- Grade-Rating unattraktiv. Dazu gehören osteuropäische Länder, Peru, Chile oder Thailand. Zudem sind diese Länder anfälliger für einen weiteren Zinsanstieg in den USA.




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