Pessismus gegenüber China ist unangebracht

In Chinas Politik tut sich was. Das könnte sehr weitreichende Folgen für alle Schwellenländer haben, mein Andrew Keirle, Portfoliomanager im Bereich Emerging Local Markets Debt Strategy bei T. Rowe Price.

Nachdem das Interesse der Anleger für Schwellenländer in der ersten Jahreshälfte zurückgegangen ist und die Angst rund um die türkische Finanzkrise wachse, ist die jüngste Verschiebung Chinas in Richtung politischer Stimuli als eine positive Entwicklung zu werten. Die politischen Entscheidungsträger in China reagieren auf die Bedenken hinsichtlich des Wachstums und signalisieren eine Lockerung auf monetärer, fiskalischer und regulatorischer Ebene. Dennoch ist es wichtig, diesem Schritt der Politiker, ihre zurückhaltende Haltung beim politischen Eingreifen zu überwinden, nicht zu viel Bedeutung zu schenken. In den letzten zehn Jahren war die chinesische Politik von Perioden der Kreditverknappung geprägt, die von Impulsen zur Unterstützung des Wachstums unterbrochen wurden – mit Lockerungszyklen in den Jahren 2009, 2012 und 2016.

Die gegenwärtigen Maßnahmen stellten vielleicht den Beginn eines neuen Zykluses dar, doch dabei ist nicht zu erwarten, dass der Simulus das Niveau nach der Finanzkrise erreichen wird. Auch die Auswirkungen auf die Rohstoffpreise dürften nicht so positiv ausfallen wie in den Jahren 2009 und 2016. Was wir jetzt beobachten, ist ein Bemühen, das BIP um 0,3 – 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen, nicht etwa, um das Wachstum auf das vorherige Niveau zurückzuführen, sondern um dieses um das Ziel von 6,5 Prozent herum zu stabilisieren.

Welche Maßnahmen wurden von geldpolitischer Seite ergriffen?

Auf der geldpolitischen Seite hat sich die Zentralbank in den letzten Wochen dazu bewegt, die Mindestreservenquote („RRR“) zu senken, um die Liquidität anzukurbeln. Obwohl es wenig neue fiskalische Stimuli gebe, werden lokale Regierungen zunehmend ermutigt, wieder Kredite aufzunehmen, um Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Das ist eine klare Verlagerung in der Prioritätensetzung: Die Ausgaben für Infrastruktur sollen so auf etwa 10 Prozent des BIP hochgetrieben werden. Die Wohnungspolitik wurde jedoch nicht gelockert. Wir glauben, dass ein breiterer Pessimismus im Hinblick auf die Schwellenländer aufgrund des schwachen Wachstums in China übertrieben ist.

Ein Großteil dieses negativen Sentiments ist in der Tat auf die Besorgnis über die entwickelten Märkte zurückzuführen: die besorgniserregende Divergenz in der Wachstums- und Geldpolitik zwischen den USA und dem Rest der Welt und die zunehmende Kriegslaune der USA gegenüber ihren Handelspartnern.

Welche Bedeutung hat der Handelskrieg zwischen der USA und China?

Die potenzielle Eskalation eines Handelskriegs zwischen der USA und China ist natürlich wichtig. Im Moment sind die ersten Zölle in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar zwar relativ unbedeutend, sollte jedoch die USA ihre Drohung weiter verfolgen, die Zölle auf 200 Milliarden US-Dollar anzuheben, könnten die Kosten steigen. Wir schätzen, dass ein solcher Schritt das chinesische BIP um 0,3 – 0,5 Prozentpunkte reduzieren würde. Dann wäre es möglich, dass China seine Wachstumsziele nicht erreicht und das Vertrauen in das Geschäftsumfeld erschüttert wird.

Der Schritt der chinesischen Entscheidungsträger in Richtung der Wachstumsphasen scheint Teil ihres Plans zu sein, sich auf härtere Tarifrunden einzustellen und zu signalisieren, dass sie in der Lage sind, den Drohungen der USA standzuhalten. Aber dies muss relativiert werden. Die westlichen Medien fokussieren sich stark auf die chinesische Politik als Reaktion dessen, was in der restlichen Welt passiert. Angesichts der chinesischen Kapitaleinfuhr- und -ausfuhrbeschränkungen stellt sich die Situation jedoch komplexer dar.

Welche politischen Maßnahmen ergreife die Regierung?

Die politische Straffung, die bis vor kurzem stattgefunden hat, ist hauptsächlich von chinesischen innenpolitischen Erwägungen angetrieben. Dies hat zu einigen bemerkenswerten Erfolgen geführt, einschließlich des Rückgangs der Schattenkredite in China außerhalb des formellen Bankensektors – ein Schritt, den viele Beobachter vor wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten haben. Der jüngste Stimulus soll nun unserer Einschätzung nach zu einem großen Teil als Reaktion auf die Auswirkungen einer Überkorrektur im Inland gesehen werden.

Für Anleger war das erste Halbjahr dieses Jahres auf dem chinesischen Kreditmarkt eine Flucht hin zu Qualität – Onshore-Geld, das aus einigen der riskanteren Anleihen von Unternehmen und Kommunen in Richtung Zentralregierung und erstklassige Unternehmensanleihen rotierte. Da die geldpolitischen Entscheidungsträger nun Anreize setzen, signalisieren sie den lokalen Anlegern ihre Zustimmung, mehr Risiko zu übernehmen – nicht wahllos, sondern mit dem Ziel, dass stabile Unternehmen mit niedrigem Rating nicht von Krediten abgeschnitten werden. Unserer Ansicht nach sollte sich der Trend zu CBG- und AAA-Anleihen, die besser abschneiden als Anleihen mit niedrigerem Rating, daher abschwächen, da die Unruhe an den Schwellenmärkten nachlässt.

Was bedeutet dies für die Währung?

Auf der Währungsseite solle die Kombination aus einer Lockerung der chinesischen Geldpolitik und der Straffung der Federal Reserve den Renminbi insgesamt abschwächen – trotz der gegenläufigen Wirkung der Konjunkturmaßnahmen. Die Auferlegung der Zölle trage ebenfalls zu diesem Druck bei. Dieser Druck wird wahrscheinlich von der People’s Bank of China kontrolliert, um eine ungeordnete Abwertung oder einen spekulativen Druck auf den Renminbi einzudämmen.

Ein letzter, aber wichtiger Punkt: Die Auswirkungen dessen, was sich in China für externe Investoren abspiele, seien wahrscheinlich in anderen Märkten wichtiger, insbesondere in einem Großteil des restlichen Asiens, wo China eine wichtige Rolle für Nachfrage- und Exportmärkte spiele. Die chinesischen Entscheidungsträger signalisieren, dass es eine Untergrenze dafür gibt, wie weit das Wachstum fallen kann. Hierdurch liefern sie eine positive Angabe für die Anleger in Schwellenländer, die bislang wenig Anlass zu Optimismus hatten.




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