Populisten entern Europawahl

Nigel Farages neue Partei liegt in Umfragen vorn. Das sorgt Michael Beck von Ellwanger und Geiger zufolge für Argwohn ob des Augangs der Europawahlen Ende Mai.

Die vom Brexit-Initiator Nigel Farage neu gegründete „Brexit-Partei“ liegt in Großbritannien bei Umfragen mit 34 Prozent deutlich in Führung. Dies wird argwöhnisch beobachtet, erhofft man sich doch von der in Großbritannien absurderweise stattfindenden Europawahl ein deutliches Bekenntnis zu Europa. Man könnte bei genauerem Hinsehen nun meinen, dass dies bedeuten würde, dass 66 Prozent der befragten Wähler in Großbritannien nicht so deutlich für einen Brexit sind, dass sie dem Populisten Farage ihre Stimme geben würden. Farage, der zwar aus der EU austreten möchte, aber seit drei Jahren seine Abgeordneten-Diät von der verhassten EU-Administration gerne entgegennimmt, düpiert zumindest die etablierten Parteien, die aktuell in den Umfragen abgeschlagen hinter seiner neu gegründeten Partei hinterherhinken. Da diese weiterhin nicht in der Lage scheinen, auch nur annähernd einen Kompromiss in der verfahrenen Brexit-Lage auszuarbeiten, dürfte die Unsicherheit bis Ende Oktober anhalten und wiederum Lösungen in letzter Minute notwendig machen.

Wirtschaftswachstum in Deutschland über Erwartungen

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland lag im ersten Quartal vermutlich dennoch über den Erwartungen (+0,4 Prozent). Die neuerliche Eskalation im Handelsstreit der USA mit China und die Befürchtung, dass dasselbe mit Europa geschieht, trübt die Konjunkturerwartung jedoch merklich ein. Das zeigt der deutlicher als erwartet gesunkene ZEW-Konjunkturindex (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung). In Japan hat der Handelsstreit schon kräftigere Spuren hinterlassen und sogar schon für Unterbrechungen von Lieferketten gesorgt. In der Folge wird erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um –0,20 Prozent geschrumpft sein könnte. Ein großer, glänzender Deal Donald Trumps im Handelsstreit mit China dürfte wohl nicht mehr erreichbar sein. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass die gesamte Thematik in viele kleine Problemfelder unterteilt werden wird und so Schritt für Schritt Lösungen gesucht werden können. Dies kann aber unter Umständen Jahre dauern.

Trumps Schweigen beunruhigt Marktteilnehmer

Inzwischen sind die Marktteilnehmer sogar schon so weit, dass das bloße Ausbleiben von Trump-Tweets oder scharfen Tönen für Beruhigungstendenzen an den Finanzmärkten sorgt. Diese scheinen der US-Administration doch noch etwas am Herzen zu liegen, denn sowohl durch konziliantere Töne im Handelsstreit als auch in der Beteuerung, keinen Krieg mit Iran anzustreben, ist das Bemühen zu erkennen, die Strategie des maximalen Drucks zwar weiter zu verfolgen, aber den US- beziehungsweise „Welt-Karren“ doch nicht ganz an die Wand fahren zu wollen. Für die Finanzmärkte bedeutet dies ein Anhalten der Unsicherheitsphase und ein Wechselbad der Gefühle, je nach Wasserstandsmeldungen in den verschiedenen Krisenthemen. Das Aufwärtspotential der Aktienmärkte scheint vor diesem Hintergrund bis auf weiteres begrenzt.




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