Putin – seine Machtbasis bleibt gefestigt

Am 18. März wählt Russland einen neuen Präsidenten – auch Wladimir Putin ist wieder auf der Kandidatenliste. Überraschungen werden zwar kaum erwartet. Worauf Ökonomen und Analysten jedoch achten werden, erklärt Markus Schneider, Economist – Eastern Europe and Middle East, beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Ein klarer Sieg Wladimir Putins in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vom 18. März wird als derart selbstverständlich angesehen, dass schon eine etwaige Stichwahl wohl als Sensation wahrgenommen würde. Angesichts der unterdrückten und gespaltenen Opposition wird laut jüngsten Meinungsumfragen angenommen, dass der Amtsinhaber rund 65 Prozent der Stimmen erhalten wird. Zugleich liegen die Kandidaten der Opposition weit zurück: Die beiden noch stärksten Kontrahenten Wladimir Schirinowski und Pawel Grudinin genießen jeweils nur etwas mehr als 5 bis 7 Prozent Unterstützung. Alexei Nawalny, der wohl prominenteste russische Oppositionelle, wurde von den Wahlen ausgeschlossen.

Trotz eines so gut wie sicheren Sieges wird Präsident Putin die Wahlbeteiligung genau im Auge behalten, insbesondere angesichts der Kritik an der Niederschlagung der Opposition und der steigenden Apathie der Wähler. Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012 lag die Wahlbeteiligung bei rund 65 Prozent. Im Kreml würde eine signifikant niedrigere Zahl sicherlich für Unbehagen sorgen.

Aus Anlegersicht wird erwartet, dass die Präsidentschaftswahlen und die allgemeine Innenpolitik kurzfristig betrachtet geringe oder gar keine Auswirkungen auf den Markt haben werden. Geopolitische Entwicklungen und mögliche Ölpreisschwankungen werden im Laufe des Jahres 2018 hingegen weiterhin eine viel wichtigere Rolle spielen. Insbesondere die US-Kongresswahlen im November und die Aussicht auf eine demokratische Senatsmehrheit – und mithin der Spielraum für härtere Sanktionen gegen Russland – werden von größerem Interesse sein.

Obwohl es aus Marktsicht wichtig ist, würden unserer Meinung nach weder weitere Sanktionen noch ein erneuter Einbruch des Ölpreises die Machtbasis von Präsident Putin erheblich beeinträchtigen. Erstere würden Putin nur erlauben, die anhaltend hohe Antipathie der Bevölkerung gegenüber dem Westen auszunutzen, und dank der Wechselkurs- und Steuerreformen in den vergangenen Jahren dürfte Russland in der Lage sein, eine Periode niedrigerer Ölpreise relativ gut zu überstehen.

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wird sich die Aufmerksamkeit natürlich darauf richten, ob dies angesichts der Begrenzung auf zwei Amtsperioden die letzte Amtszeit von Präsident Putin sein wird. Da die innenpolitische Opposition im aktuellen Stadium wahrscheinlich keine wirkliche Alternative anbieten können wird, wird der Fokus auf der Identifizierung von Mitgliedern seines engeren Kreises liegen, die möglicherweise als Nachfolger Putins und potenzieller Kandidat für die Wahlen von 2024 in Frage kommen. Ein solcher potenzieller Nachfolger ist zum Beispiel Igor Setschin von Rosneft.




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