Schluss mit Mythen über Schwellenländer

Investoren haben häufig Vorurteile gegenüber Schwellenländern, die diese gar nicht verdient haben. Vor allem Schwellenländeranleihen können eine gute Invesitition sein, wenn man gewisse Dinge beachtet.

Auf die Schwellenmärkte (Emerging Markets, EM) entfallen rund 40 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dennoch sind Schuldtitel dieser Länder in den meisten maßgeblichen Rentenmarktindizes mit weniger als zehn Prozent vertreten. Zahlreiche Anleger nehmen gezielt Allokationen in EM-Anleihen vor, um ihre Rentenportfolios ausgewogener zu gestalten. Dabei sind viele in solchen Papieren nach wie vor bewusst unterrepräsentiert. Verschiedene verbreitete Fehlauffassungen sind die Ursache für die Entscheidung, Schwellenmärkte in festverzinslichen Portfolios im Verhältnis weiter unterzugewichten.

EM-Anleihen sind eine relativ kleine, homogene Anlageklasse…

Mit den Volkswirtschaften der Schwellenländer haben sich in den vergangenen 20 Jahren auch ihre Kapitalmärkte entwickelt und sind gewachsen. Die EM-Kapitalmärkte haben mittlerweile ein Volumen von mehr als 19 Billionen US-Dollar erreicht, aufgeteilt auf die folgenden drei maßgeblichen Marktsegmente: auf harte Währungen lautende Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Lokalwährungsanleihen. Für ausländische Investoren ist der Markt für auf harte Währungen (überwiegend US-Dollar) lautende Titel der älteste. Er bietet Anlegern als Entschädigung für Länderrisiken attraktive Renditen. Die Anleger sind zwar keinem Währungsrisiko ausgesetzt, wohl aber dem US-Zinsrisiko, denn die durchschnittliche Duration auf diesem Markt beträgt knapp sieben Jahre. Der Markt für EM-Unternehmensanleihen ist das wachstumsstärkste Segment des EM-Kapitalmarkts.

Das Länderrisiko wirkt sich auf die Wertentwicklung von EM-Unternehmensanleihen aus, doch Anlegern stehen verschiedene Möglichkeiten zur Differenzierung ihres Engagements offen. Auch EM-Unternehmensanleihen bergen für Anleger kein Währungsrisiko. Die US-Zinsen stellen ein Risiko für die Investoren dar, doch die Duration ist in diesem Sektor rund zwei Jahre kürzer als auf dem Markt für Staatsanleihen mit harten Währungen. Am größten ist der Markt für Lokalwährungsanleihen, obwohl ausländische Investoren zu diesem Segment in manchen Ländern nur begrenzt Zugang haben. Lokalwährungsanleihen bieten Rentenportfolios, die überwiegend auf eine Reservewährung lauten, interessante Renditechancen und Diversifizierungsvorteile. Der Nutzen ist aber gegen die mit dem Währungsengagement verbundenen Risiken abzuwägen.

…die stark mit den Rohstoffpreisen korreliert…

Durch die volkswirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer und die Expansion ihrer Fremdkapitalmärkte steht Anlegern mittlerweile ein viel breiteres Spektrum an Diversifizierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Aus Länderperspektive sind nicht alle Schwellenmärkte rohstoffabhängig: Viele sind per Saldo sogar Rohstoffimporteure. Hinzu kommt, dass mit dem Markt für EM-Unternehmensanleihen auch die Diversifikation unter den Sektoren zugenommen hat. Asset Manager können dadurch beispielsweise Meinungen bilden, die sich auf Einschätzungen zum Inlandskonsum beziehen statt auf einen gesamtwirtschaftlichen Trend wie die Direktionalität der Rohstoffpreise.

…und volatiler ist als festverzinsliche Wertpapiere in Developed Markets.

Die allgemeine Ansicht ist, dass die höheren Renditen im Rentenuniversum der Schwellenmärkte für höhere Volatilität entschädigen. Das mag noch vor ein paar Jahren der Fall gewesen sein, doch die EM-Kapitalmärkte sind reifer geworden, was nicht nur mehr Möglichkeiten zur Strukturierung von Anlagen eröffnet hat, um unterschiedliche Risikoniveaus abzudecken, sondern auch marktübergreifend zu rückläufiger Volatilität geführt hat. In den vergangenen fünf Jahren zeigten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern mit Investment Grade Ratings geringere Volatilität als Unternehmensanleihen aus Industriestaaten mit gleicher Bonität. Bei hochverzinslichen EM-Unternehmensanleihen war die Schwankungsbreite nur geringfügig höher als bei vergleichbaren Titeln aus Industrieländern.




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