Schweizer Aktien: Schwellenländer als Wachstumstreiber

Schweizer Unternehmen aus dem Small- & Mid-Cap (SMID)-Segment wachsen parallel zu Schwellenländer. Dadurch ergeben sich attraktive Anlagechancen, meinen Eleanor Taylor Jolidon und Martin Moeller, Co-Heads Swiss & Global Equity, Union Bancaire Privée.

Der SPI Extra, welcher das Schweizer Small- & Mid-Cap (SMID)-Segment abbildet, steht dem breiteren Schweizer Aktienmarkt was die internationale Ausrichtung der Indexmitglieder angeht in nichts nach. Wie die Grossunternehmen erwirtschaften auch die SMIDs einen Grossteil ihrer Umsätze im Ausland.

Da in diesem Segment der Anteil an Industrieunternehmen hoch ist, überrascht es nicht, dass Schweizer SMIDs von der aktuellen weltweiten Wachstumserholung profitieren. Dazu wird oft unterschätzt, wie stark auch diese Unternehmen in den Schwellenländern engagiert sind. Mehr als 30% der Endprodukte, zu denen Schweizer Unternehmen beitragen, werden in den Schwellenländern abgesetzt.

Aufgrund ihrer führenden Position in oftmals erfolgsentscheidenden Nischentechnologien dürften Schweizer SMID-Unternehmen zu den Nutznießern einer höheren Nachfrage nach Industriegütern in großen Endmärkten wie China zählen. Konzentrierte sich die Nachfrage hier bisher auf den Aufbau grundlegender Infrastruktur, was dem in der Schweiz eher schwach vertretenen Rohstoffsektor zugutekam, ist nun eine Verlagerung auf wertschöpfungsstärkere Industriebereiche zu beobachten. Diese Entwicklung schlägt sich allmählich in den Erwartungen und Auftragseingängen von Schweizer SMIDs nieder. Ein interessantes Beispiel hierfür ist die chinesische Initiative zur Unterstützung einer inländischen Halbleiterbranche. Berichten zufolge werden entsprechende Fabriken gebaut und an das Straßennetz angebunden. Der von uns auf kurze Sicht prognostizierte Auftragsschub im Maschinenbau dürfte sich positiv auf Zulieferer für diesen Sektor, etwa die VAT Group, Comet oder Inficon, auswirken.

Auch die steigende Konsumentennachfrage in Schwellenländern verheißt Gutes für Schweizer SMIDs. Das andauernde Bestreben nach Produkten mit höheren Sicherheitsstandards, insbesondere im Lebensmittel- und Pharmasektor, eröffnet neue Absatzkanäle für die Vertriebsaktivitäten des Schweizer Konzerns DKSH aber auch für Lebensmittel- und Pharmaunternehmen wie Hochdorf profitieren von dieser Entwicklung. So rechnet Hochdorf mit hohem Wachstum für ihr qualitativ hochwertiges Babymilchpulver in China.

Schweizer SMID-Unternehmen haben in der Vergangenheit regelmäßig ihre Anpassungsfähigkeit hinsichtlich einer Verlagerung von Produktionsstandorten unter Beweis gestellt. Zwar ist die Schweizer Textilindustrie heute nicht mehr entlang des Rheinufers angesiedelt, ihre internationale Führungsposition verteidigen die Schweizer Textilmaschinenbauer jedoch weiterhin und sind am Aufschwung dieser Branche in China und in der Türkei maßgeblich beteiligt. Erst in den letzten Tagen konnte sich Oerlikon zwei Großaufträge aus China sichern. Der Technologiekonzern ist ein gutes Beispiel für ein Schweizer Unternehmen, das an anderen Märkten als heimisch angesehen wird. Zurückzuführen ist dies auf den hohen Integrationsgrad des Unternehmens und seine Fähigkeit, sich an lokale Gegebenheiten anzupassen. Rieter, ein weiterer führender Hersteller von Textilmaschinen, berichtet von einer spürbaren Belebung des Türkei-Geschäfts aufgrund lockererer Kreditvergabebedingungen in dem Land.

Diese Beispiele belegen die gute Ausgangslage von Schweizer SMIDs, um in vollem Umfang von den sich weltweit bietenden Wachstumschancen profitieren zu können. Im Rahmen unserer All-Cap-Strategien tendieren wir insgesamt zu einer Übergewichtung von Unternehmen aus diesem Segment. Außerdem haben wir einen Fonds im Angebot, der ausschließlich in Schweizer SMIDs anlegt. Unsere Schweizer und globalen Aktienfonds investieren in Unternehmen, deren Cash Flow Return On Investment (CFROI)-Profil sich verbessert – und genau das ist momentan bei Schweizer SMIDs der Fall. Sie litten länger unter den Nachwehen der Finanzkrise, möglicherweise aufgrund der Erwartungshaltung, dass es aufgrund des starken Schweizer Franken für diese Unternehmen schwieriger werden würde, ihre CFROIs zu halten oder gar zu verbessern. Tatsächlich haben sie diese Herausforderung jedoch schneller und innovativer gemeistert als einige größere Mitbewerber. Dank des in den letzten 18 Monaten zu beobachtenden Aufwärtstrends konnten SMIDs den Bewertungsaufschlag gegenüber Large Cap-Unternehmen zurückgewinnen. Diese Entwicklung reflektiert die Verbesserung der CFROIs der SMIDs, während im Large Cap-Segment gleichzeitig der gegenteilige Trend zu beobachten ist.

Erstmals seit der Finanzkrise ist eine Belebung des nachfragebasierten (bzw. auf Umsatzwachstum beruhenden) Ertragswachstums festzustellen, besonders in Europa und in den Schwellenländern. Dass sich der Aktienmarkt 2018 ähnlich gut entwickelt wie 2017, als der SPI Extra ein Plus von sage und schreibe 27% verzeichnen konnte, könnte zu hoch gegriffen sein. Ein Gewinnwachstum im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich plus eine Dividendenrendite von rund 2,5% halten wir jedoch durchaus für realistisch. Daraus würde sich für den SPI Extra 2018 eine potenzielle Wertentwicklung von 15-20% ergeben.




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