Schwellenländer gehen an die Urnen

Eine Reihe von Wahlen in den Schwellenländern könnte für Anleger im Jahr 2018 zu unerwünschter Unsicherheit führen. Russland macht den Anfang. Ein Kommentar von William Ballard, Head of Emerging Market Equities bei Aviva Investors.

Während in den letzten zwei Jahren politische Risiken im Westen im Fokus standen, rücken nun die Schwellenländer wieder ins Rampenlicht. In siebenundzwanzig Schwellen- oder Frontier-Märkten stehen 2018 Wahlen an und die Ergebnisse könnten große Auswirkungen auf die Anleger haben. Der Sieg eines reformistischen Spitzenpolitikers lässt die Aktienmärkte oft in die Höhe schnellen, während ein populistischer Triumph den gegenteiligen Effekt haben kann.

Nicht alle der zahlreichen Kommunal- und Nationalwahlen in diesem Jahr werden Schlagzeilen machen, aber die Stimmen in Ländern mit etablierten Kapitalmärkten werden genau unter die Lupe genommen. Von besonderem Interesse sind die Wahlen in den drei größten Schwellenländern Russland, Brasilien und Mexiko.

Jede dieser Volkswirtschaften profitiert vom Aufschwung des globalen Wachstums. Insbesondere die rohstoffgetriebenen Aktienmärkte Brasiliens und Russlands haben sich von konjunkturellen Tiefstständen deutlich erholt. Auch in diesen Ländern sind Rekordzuflüsse in Anleihen zu verzeichnen, da Investoren versuchen, in einem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld relative Wertsteigerungschancen zu nutzen.

Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass politische Entwicklungen kurzfristig zu mehr Volatilität führen können. Neue Dynamiken bringen Unsicherheit in den politischen Prozess: Russlands Wladimir Putin nutzt angeblich Cyberpropaganda-Techniken, um seine Position zu festigen. In Lateinamerika treiben junge, von Korruption frustrierte Wähler den Aufstieg völlig neuer Kandidaten voran – einige von ihnen sind marktfreundlich, andere nicht.

Welche Ergebnisse sind also von den bevorstehenden Wahlen in Russland, Mexiko und Brasilien zu erwarten? Und wie werden sich die Wahlfolgen auf die Investments in den Schwellenländern auswirken?

Russland: Putins Fortschritt?

Als erstes steht die Präsidentschaftswahl in Russland am 18. März 2018 an, bei der Putin voraussichtlich seine vierte Amtszeit gewinnen wird. Alternativen sind dünn gesät; selbst die glamouröse Fernseh-Persönlichkeit Ksenia Sobchak, die in einigen Medien als Protestkandidatin gefeiert wird, ist Putins Patentochter.

Putin liegt in den Umfragen souverän in Führung und kann auf ein ausgeklügeltes Netz von Cyberpropaganda zurückgreifen. Die russische Regierung wurde von westlichen Regierungen scharf wegen angeblicher Einmischung in ihre Angelegenheiten kritisiert – insbesondere während der US-Präsidentschaftswahlen 2016, als russische „Bots“ angeblich Pro-Trump-Botschaften über soziale Medien verbreiteten. Trotz wachsender Unzufriedenheit bei jungen Wählern über korrupte Regierungsvertreter, wird Putin auf entsprechende Technologien zurückgreifen, um die öffentliche Meinung in seiner Heimat zu beeinflussen.

Das heißt aber nicht, dass der Status quo im Vorfeld der Wahl völlig unverändert bleibt. Die russische Austeritätspolitik der jüngsten Zeit hat sich negativ auf einige Lebensqualitätskennzahlen ausgewirkt. In Anbetracht potenzieller Unruhen unter den Wählern im Vorfeld der Wahlen scheint Putin behutsamer vorzugehen.

Ein leichter fiskalischer Stimulus ist denkbar, sodass Putin seine Unterstützungsbasis wieder stärkt. Es ist fraglich, ob dies absolut notwendig ist. Offensichtlich ist aber, dass Putin lieber mit einem klaren Sieg gewinnen würde. Ein solcher Impuls wäre kurzfristig positiv für die Wirtschaft und könnte auch den inländischen Konsum und die Investitionen ankurbeln. Die eigentliche Frage ist jedoch, ob solche Staatsausgaben langfristig tragfähig sind.




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