Sorglose Anleger

Die USA und China veröffentlichen immer neue Listen mit Strafzöllen. Doch egal, ob der Handelskrieg weiter eskalieren wird oder nicht – die Anleger scheint die Situation kaum zu beeindrucken.

Sollten Anleger den Handelskrieg allmählich als gegeben ansehen, mit dem sie fortan leben müssen? Oder verschließen sie sich vehement der durchaus reellen Möglichkeit, dass es zu einer Eskalation kommen könnte? Diese Fragen drängen sich in jedem Fall durch das selbstgefällige Verhalten der Aktienmärkte in der vergangenen Woche auf. Am Montag erholten sich die wichtigsten Indizes vor allem in Asien deutlich, obwohl kurz vor dem Wochenende von den USA und China offiziell gegenseitige Zölle auf Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar verhängt wurden. Vielleicht rechneten manche Anleger damit, dass die offizielle Verhängung der US-Zölle eine chinesische Überreaktion oder neue Ankündigungen von Donald Trump auslöst.

Strafzölle ohne langfristige Auswirkungen

Am Mittwoch wurde diese Dynamik jedoch gebremst, da eine neue Liste veröffentlicht wurde, derzufolge chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar ab September möglicherweise mit 10 Prozent verzollt werden. Die Veröffentlichung der Liste war nicht überraschend, da Donald Trump seinen Handelsbeauftragten mehrmals darum ersucht hatte. Es wird dazu eine zweimonatige öffentliche Anhörung geben, sodass Zeit für Verhandlungen bleibt. Dazu kommen die positiven Äußerungen des US-Präsidenten auf dem Nato-Gipfel, obwohl ihre wahre Wirkung auf die Wirtschaft noch unklar ist. Außerdem gibt es Gerüchte, dass China und die USA wieder miteinander verhandeln könnten. Beide Länder halten eine konstruktive Einigung weiter für möglich. Zu guter Letzt spielen auch die Unternehmensergebnisse in den USA eine Rolle. Sie könnten vor allem bei Technologietiteln besser ausfallen als erwartet. Daher legten die Märkte rasch wieder zu.

Weitere Entwicklung kaum vorhersehbar

Auch wenn die weitere Entwicklung im Handelskrieg und Donald Trumps Aussagen kaum vorhersehbar sind, dürfte die Berichtssaison der Unternehmen in den nächsten Wochen der wichtigste Marktkatalysator sein. Sie begannen in den USA am Mittwoch mit PepsiCo, am Freitag folgten die großen Banken. Die Technologiewerte werden folgen.

Sie sind die großen Gewinner des ersten Halbjahres und werden genau beobachtet. Sind die Ergebnisse zufriedenstellend, wird die Zuversicht gestärkt, die der Markt in der vergangenen Woche gezeigt hat. Es könnte einige Gewinnmitnahmen geben, die die aktuelle Erholungsdynamik bei Aktien allerdings nicht infrage stellen werden. Sind die Ergebnisse hingegen enttäuschend, werden die Folgen wegen der Bewertungen und der massiven Konzentration von Anlagen in diesen Werten gravierend sein. Egal, wie das Ergebnis ausfällt, einen Vorteil gibt es: Wir werden uns wieder auf die Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren können.




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