Staatsanleihen vom Golf: Was spricht dafür

Die niedrigen Ölpreise zwingen die Golfstaaten zu sozialen, politischen und wirtschaftlichen Reformen. Hu Leo, Schwellenlandexperte und Portfoliomanager bei NN Investment Partners, gibt einen kurzen Einblick zum aktuellen Stand der regionalen Akteure.

Bei der Analyse von Staatsanleihen sind viele Parameter relevant, beispielsweise die Nettovermögensposition, das Management der Währungsreserven, die Reformbereitschaft, fiskalische Puffer, die potenzielle wirtschaftliche Diversifikation und die Nachfolgeplanung. Betrachtet man diese Faktoren, gibt es unserer Ansicht nach erhebliche Anlagechancen in der Golfregion, zumal die Anfangsphase der Strukturreformen erste positive Ergebnisse zeigt. Allerdings sind wir aktuell dennoch nur verhalten konstruktiv, da der schwierigste Teil der Reformen, die Umsetzung von sozial schwierigen Reformen auf lokaler Ebene, noch getestet werden muss.

Saudi-Arabien: Das visionäre Königreich

Infolge des Ölpreiseinbruchs seit Mitte 2014 verzeichnete Saudi-Arabien 2015 und 2016 ein Haushaltsdefizit in Höhe von 15 Prozent bzw. 13 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Was die Sache noch verschlimmert, ist, dass der Krieg im Jemen sehr kostspielig ist und die Regierung vermutlich zusätzlich belasten wird. Während unseres Besuchs in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, zeigte sich jedoch, dass die Regierung bereits sehr umfassende Pläne angestoßen hat, um sowohl die kurzfristigen als auch die strukturellen Wirtschaftsprobleme in den Griff zu bekommen. Das Königreich hat zwei große Pläne: die Vision 2030 und das Nationale Transformationsprogramm 2020 (NTP 2020). Die Vision 2030 adressiert im Wesentlichen die strukturellen Probleme, sodass das Land in Zukunft nicht mehr von Schwierigkeiten im Rohstoffbereich abhängig ist. Diese Initiative wird von umfangreichen Reformen im Privatsektor flankiert. NTP 2020 wurde im Juni 2016 in Verbindung mit der Vision 2030 ins Leben gerufen und legt die Ziele dar, die bereits bis 2020 erreicht werden sollen, vor allem ein ausgeglichener Haushalt. Ein in der Geschichte des Landes beispielloser Vorgang ist es, dass alle Reformen öffentlich angekündigt wurden und alle Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden. Was noch wichtiger ist: Der zweite Thronfolger Mohammed bin Salman al-Saud, der Sohn von König Salman, trägt die direkte Verantwortung für diese Pläne, was deutlich macht, dass sie oberste Priorität haben. Wir halten die vorgeschlagenen Reformen aufgrund der eingeschränkten Wirtschaftsstruktur und der sozialen Brisanz für mutig und ambitioniert. Es wäre bereits eine klare Erfolgsgeschichte, wenn nur die Hälfte der geplanten Reformen umgesetzt würde.

Bahrain: Das freundlichste Umfeld für Unternehmer

Bahrain belegt unter den fünf Golfstaaten, die wir besucht haben, den höchsten Rang im Ease of Doing Business Ranking 2017 der Weltbank und zählt zu den Ländern, die die Vorschriften für Unternehmen am meisten verbessert haben. Aber nicht nur die geschäftliche Seite schneidet gut ab: Bahrain wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zudem als Land mit einem „sehr hohen Index menschlicher Entwicklung“ eingestuft. Während unseres Besuchs in Bahrain erlebten wir eine anständige Infrastruktur und ein liberales Geschäftsumfeld. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil Bahrains ist sein leichter und schneller Zugang zu anderen Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien, der größten Volkswirtschaft der Region. Zudem sind die Geschäftskosten relativ niedrig, z.B. die Mieten für Büros und Industrieland, während die Arbeitskräfte im Vergleich zu den anderen Golfstaaten sehr gut ausgebildet sind. Allerdings hat Bahrain wegen seines begrenzten Öl- und Gasreichtums den höchsten Breakeven-Ölpreis der gesamten Golfregion (schätzungsweise 107 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2015). Daher ist es ermutigend, zu sehen, dass die Regierung bereits verschiedene Reformmaßnahmen ergriffen hat, darunter Subventionskürzungen für Fleisch, Wasser und Strom, die Liberalisierung der Kraftstoffpreise und Steuererhöhungen auf Alkohol und Tabak. Zudem haben Bauvorhaben, die vom Golf-Entwicklungsfonds (Gulf Development Fund, GDF) mit 10 Mrd. US-Dollar finanziert werden, den Investitionsdruck auf die Regierung verringert und auch einen Konjunktureinbruch verhindert. Die zuletzt bewilligten Zuschüsse, z.B. für die Erweiterung des Flughafens und den Ausbau des Energiesektors, machen deutlich, dass der Golfkooperationsrat Bahrain weiterhin Mittel zukommen lässt.




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