Stabiler mit Dividenden

Die Risiken in der Eurozone sind in den letzten Monaten gesunken. Doch Investoren sollten trotzdem nicht nur auf Staatsanleihen setzen. Markus Zeiss, Dividenden-Experte der LBBW Asset Management und Fondsmanager des LBBW Dividenden Strategie Euroland, über die Möglichkeiten in der Eurozone.

Viele Anleger können bislang zufrieden sein mit ihren Aktieninvestments in der Eurozone. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stieg der Euro Stoxx 50 um 5,49 Prozent und der Deutsche Aktienindex Dax gewann 8,14 Prozent hinzu. Noch besser performten deutsche Titel aus der zweiten Reihe: Der MDax schaffte im ersten Halbjahr ein Plus von 10,11 Prozent. Die Chancen stehen gut, dass sich der Aufwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzt. Dafür spricht, dass sich die politischen Rahmenbedingungen gegenüber dem Jahresanfang deutlich verbessert haben. Die Eurokrise ist weitgehend überwunden, und mit dem Ausgang der Wahlen in den Niederlanden und vor allem in Frankreich haben die Investoren mehr Sicherheit erhalten. Nach dem Sieg von Emmanuel Macron haben sich zudem die makroökonomischen Perspektiven der französischen Volkswirtschaft deutlich verbessert. Dank der komfortablen Mehrheit Macrons in der Nationalversammlung kann er die notwendige Reformen anschieben, um das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union zu stimulieren. Dabei besteht durchaus Hoffnung, dass sich die Dynamik dieses Prozesses positiv auf Spanien und eventuell auch Italien auswirkt, wo im kommenden Jahr Wahlen anstehen. Mit den ersten Erfolgen, die Macron bis dahin einfährt, könnte sich jedenfalls auch jenseits der Alpen die Stimmung für Reformen ändern.

Ein zweiter Punkt, der für weiter steigende Aktienkurse spricht, ist, dass die meisten Firmen in der Eurozone mittlerweile gut aufgestellt sind. Viele Unternehmen haben sich in den zurückliegenden Monaten umstrukturiert und Kosten gesenkt. Zum ersten Mal seit 2009 revidieren Ökonomen daher ihre Schätzungen für das Wachstum in der Eurozone nach oben. Im Schnitt gehen die Volkswirte der LBBW davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Eurozone im laufenden Jahr um 1,98 Prozent wachsen wird. Die positiven Prognosen werden dabei durch gute Fundamentaldaten gestützt. Bei „harten“ Konjunkturdaten wie etwa den Beschäftigungszahlen, aber auch bei den „weichen“ Stimmungsindikatoren wie etwa dem Einkaufsmanagerindex oder dem Ifo- Geschäftsklimaindex zeigt der Trend nach oben.

Hohe Gewinndynamik bei europäischen Unternehmen

Für Aktienanleger von besonderer Bedeutung ist, dass die Gewinndynamik europäischer Unternehmen derzeit höher ist als irgendwo sonst auf der Welt. So schätzen Analysten, dass die Unternehmensgewinne im Eurostoxx 50 im laufenden Jahr um 14,3 Prozent zulegen werden. Bei den Titeln im S&P 500 werden es 10,27 Prozent sein. Daher hatten europäisch orientierte Aktienfonds zuletzt deutliche Zuflüsse. Last but not least beflügelt der anstehende Brexit zusätzliche Hoffnungen für die Eurozone. In dessen Folge werden viele Unternehmen dem Vereinigten Königreich und seiner Metropole London den Rücken kehren und in die Eurozone umsiedeln, was dort das Wachstum zusätzlich ankurbeln dürfte.

Gleichwohl besteht auch an den Börsen in der Eurozone das Risiko von Kursrückschl.gen. So verunsichern die protektionistischen Vorhaben und politischen Alleingänge Donald Trumps Investoren immer wieder. Die Euphorie nach der Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten ist verflogen, der Höhenflug der US-Börsen hat sich abgeflacht. Es ist immer fraglicher, ob Trump seine zahlreichen Ankündigungen und Wahlversprechungen umsetzen kann. Ein Sommergewitter an den Märkten ist daher nicht auszuschließen. Bleibt das aus, könnte im Herbst die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer ersten Zinserhöhung für einen Dämpfer am Aktienmarkt sorgen. Allerdings haben sich viele Marktakteure nach den jüngsten Äußerungen von EZBChef Mario Draghi bereits darauf eingestellt.




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