Südkorea – Ein Land im Wandel

Emil Wolter, Portfoliomanager Emerging Markets bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, ist der Ansicht, dass sich Anleger anlässlich der Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea nicht nur für die potenziellen Medaillenkandidaten interessieren dürften, sondern auch für die Chancen am koreanischen Kapitalmarkt.

Mit der Eröffnung der XXIII. Olympischen Winterspiele am vergangenen Freitag im südkoreanischen Pyeongchang rückt die koreanische Halbinsel für die nächsten zwei Wochen erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Diesmal jedoch nicht wegen außenpolitischen Differenzen zwischen Nord und Süd, sondern als Schauplatz friedlicher Sportwettkämpfe um die heiß begehrten Medaillen. Doch auch für Anleger, die nach acht Jahren globalen Aufschwungs zunehmend vor der Herausforderung stehen, unterbewertete Titel zu finden, dürfte in Südkorea so mancher Weltklassetitel zu finden sein.

Von allen Ländern des Asien-Pazifik-Raumes ist Südkorea einer der wohl interessantesten Märkte für Investoren. Während die einen das Land noch den Emerging Markets zuordnen, ist es für die anderen bereits eine hochentwickelte Industrienation, die vor allem in den Sektoren Technologie und Automobilproduktion glänzt. Dies zeigt auch die Statistik der Weltbank, die für Südkorea für 2016 eine Pro-Kopf-Wirtschaftsleitung von 25.000 US-Dollar ausweist und nicht weit hinter Spanien liegt, das auf 31.000 US-Dollar kommt. Damit ist Südkorea die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Der Weg dahin war jedoch nicht leicht für das kleine Land, das nach Ende des Bürgerkriegs 1953 vollkommen am Boden lag. In den 1960er Jahren mit einem Pro-Kopf-BIP von 67 US-Dollar noch eines der ärmsten Länder der Welt, konnte sich Südkorea seit Ende der Militärdiktatur im Jahr 1987 dank einer konsequenten Reformpolitik und einer Fokussierung auf eine exportorientierte Industrie, innerhalb von nur 30 Jahren zu einer führenden Wirtschaftsnation von globaler Bedeutung entwickeln.

Während dieser vergleichsweise sehr kurzen Periode hat die südkoreanische Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht. Doch dabei kam es immer wieder auch zu Krisen und Rückschlägen, die aber den weiteren Fortschritt letztlich beschleunigt haben. In der jüngsten Krise des Landes etwa wurde im Jahr 2016 die frühere Präsidentin Park Geun-hye verhaftet, angeklagt und schließlich wegen Bestechung, Nötigung zur Vermeidung von Strafverfolgung sowie wegen Unterschlagung verurteilt. Zudem waren neben ihr auch andere Minister aus ihrem Kabinett betroffen.

Demgegenüber hat die Bevölkerung dem neuen Ministerpräsidenten Moon Jae-in ein weitreichendes Mandat für den politischen Wandel verliehen. Er begann seine Amtszeit mit der Verpflichtung, die Anti-Korruptions-Kampagne fortzusetzen, gefolgt von einer Vielzahl politischer Maßnahmen, die darauf abzielen, sein Versprechen einer „sauberen, transparenten und gerechteren Gesellschaft“ einzuhalten. Diese Maßnahmen zielen aber auch auf die Wirtschaft des Landes ab.

Denn prägend für die südkoreanische Wirtschaft sind nach wie vor die sogenannten Chaebols; größere Familienunternehmen, die meist aus verschiedenen Sparten bestehen und als Mischkonzerne auch großen Einfluss auf die Politik nehmen. Der teilweise fragwürdige Umgang mit Minderheitsaktionären, Überkreuzbeteiligungen und Aktiengattungen mit Mehrfachwahlrecht sowie die unglückliche Verknüpfung mit der Politik, wirkten auf viele ausländische Investoren bisher abschreckend. Aber wir beobachten zunehmend, dass diese Verflechtungen allmählich aufbrechen und das Land auch im Bereich der Corporate Governance bereits spürbare Fortschritte gemacht hat.

Für Investoren könnten die Reformen längerfristig positiv sein, wenn sie die großen Konzerne zu Verbesserungen ihrer Corporate Governance zwingen. Positive Signale sind etwa von Südkoreas größtem Unternehmen, Samsung Electronics, zu vernehmen. So sollen rund zehn Prozent der eigenen Aktien aus dem Verkehr gezogen werden. Darüber hinaus hat sich der Konzern verpflichtet, seine Dividende in den kommenden drei Jahren zu verdoppeln und damit einen Interessensausgleich zwischen der kontrollierenden Lee-Familie und den Minderheitsaktionären herbeizuführen. Wenn die Mitsprachemöglichkeiten der Aktionäre erweitert und Anreize für höhere Investitionen und Dividendenzahlungen geschaffen werden, könnten die Shareholder Returns und damit die Bewertungen im Laufe der Zeit steigen.

Südkorea hat in den vergangen 60 Jahren bemerkenswerte Veränderungen vollzogen und ist dabei seine Standards weiter anzuheben. Dies kann sich kurzfristig unterschiedlich auf die Gesamtleistung einzelner Unternehmen auswirken, sollte aber für die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten des Landes von Vorteil sein. Diese Politik kann letztlich die Basis für einen breiteren Wohlstand schaffen, sowie ein soziales Umfeld, das kreativen Fortschritt unterstützt und fördert. Das wäre dringend notwendig, wenn Korea dem ehrgeizigen Nachbarn China mit Blick auf Effizienz und Innovation weiterhin einen Schritt voraus bleiben will.

Wenn die Reformen konsequent vorangetrieben werden, der Innovationsmotor in Takt bleibt und die Governance der Unternehmen Fortschritte macht, so sind die Aussichten für gezielte Investments in koreanische Qualitätswachstumsaktien blendend. Für Anleger, die die Reformpolitik der südkoreanischen Wirtschaft und Unternehmen beobachten, ergeben sich somit große Chancen an einem bisher noch niedrig bewerteten Markt gute Renditen zu erzielen. Comgest gehört zu diesen Anlegern.




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