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Trumponomics auf Eis

Die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten weckte die Erwartung, dass er die Wirtschaft grundlegend erneuern würde. Doch die ersten 100 Tage seiner Amtszeit waren überwiegend von Aktivismus geprägt. Eine ähnliche Hektik legen auch die Notenbanken an den Tag.

Beide Gemengelagen lassen eigentlich ein Reflationsszenario erwarten, also ein Umfeld mit steigenden Preisen und günstigen Konjunkturaussichten. Inzwischen hat jedoch die neue US-Regierung viel von ihrem ursprünglichen Schwung verloren und der Ölpreis hat sich unerwartet verbilligt. Damit sind sowohl “Trumponomics” als auch Inflation vorerst auf Eis gelegt.

Deregulierung kommt voran

Noch vor sechs Monaten stimmten uns Donald Trumps Ideen eines ehrgeizigen Konjunkturprogramms für die US-Wirtschaft zuversichtlich. Die neue US-Regierung hat jedoch in dieser Hinsicht wenig erreicht. So sind weder bei den Steuersenkungen noch bei dem geplanten Infrastrukturprogramm Fortschritte zu erkennen. Fairerweise muss man jedoch zugeben, dass die US-Regierung bei der Deregulierung deutlich vorangekommen ist. So kann sich neben den Bereichen Energie, Bauwesen und Versorgung demnächst auch der Bankensektor umfangreicher Deregulierungen erfreuen. Diese Maßnahmen und die Tatsache, dass Trump seinen handelsfeindlichen Äußerungen keine Taten folgen lässt, haben zwar zu einer anhaltend guten Stimmung unter den kleineren Unternehmen geführt. Trotzdem haben wir unsere Prognose für das Wachstum des BIP in den USA für 2017 von 2,5 auf 2,2 Prozent gesenkt.

Geringer Inflationsdruck hält an

Was die Inflationserwartung betrifft gehen wir davon aus, dass das derzeitige Umfeld einer synchronen globalen Erholung mit geringem Inflationsdruck bis zum Jahresende anhalten dürfte und dass die soliden Unternehmensgewinne sowie die lockere Geldpolitik der Notenbanken die Finanzmärkte weiter stützen werden. Zudem ist es beruhigend zu sehen, dass sich die Lage nach der Brexit-Entscheidung Großbritanniens entspannt hat und die gegen die Europäische Union gerichtete Welle des Populismus abgeebt ist. In diesem Zusammenhang haben wir infolge der anhaltenden globalen Erholung und des gesunkenen systemischen Risikos unsere BIP-Prognose 2017 für die Eurozone von 1,6 auf 1,8 Prozent erhöht.

Unerwartet schneller Anstieg des Leitzinses in den USA möglich

Eine unerwartete Konjunkturabkühlung könnte zweifellos die Unternehmensgewinne in einer Zeit belasten, in der sich die Aktienbewertungen auf einem historisch hohen Niveau befinden. Als mögliche Auslöser kommen Fehler der chinesischen Führung oder verschärfte Spannungen auf der koreanischen Halbinsel in Frage. Zudem könnte ein möglicher Ölpreisverfall auf unter 40 US-Dollar die Aussichten für die Emittenten aus dem Energiesektor verdüstern, was wiederum die breiten Anleihenmärkte in Mitleidenschaft ziehen dürfte. Aber auch eine Beschleunigung des Lohnwachstums in den Vereinigten Staaten könnte zu einem unerwartet schnellen Anstieg des US-Leitzinses und somit einer Marktkorrektur führen. Beide Szenarien sind jedoch bis zum Jahresende höchst unwahrscheinlich.




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