Trumps Steuerreform: Was bedeutet das für Anleger?

Nach monatelangem Medienrummel präsentierte die Trump-Administration am 27. September endlich ein Konzept für eine umfassende Steuerreform. Um deren potenzielle Folgen für Anleger besser zu verstehen, gehen die Investmentexperten Lafferty und Wallis von Natixis Global Asset Management in diesem Zusammenhang auf diverse Aspekte ein – den jüngsten Aufwärtstrend bei US-Aktien, vor allem bei Small Cap-Titeln sowie denkbare Reform-Szenarios.

Seit der Wahl von Präsident Trump im November letzten Jahres haben sich die Märkte immer wieder mit der Möglichkeit einer umfassenden Steuerreform beschäftigt. Da sowohl beide Kammern des US-Kongresses als auch die Exekutive von den Republikanern dominiert werden, hatte der US-Aktienmarkt zwischen dem Wahlabend und Februar zunächst ebenso kräftig zugelegt wie die US-Zinsen und der US-Dollar. Da innerhalb der „Großen Alten Partei“ in der Folge jedoch über jedes Thema – vom Gesundheitswesen bis hin zu Einwanderungspolitik – Streit entbrannte, gingen die Zinsen schließlich wieder zurück und auch der US-Dollar wertete ab.

Trotz alldem haben die Aktienmärkte weltweit dank besserer Wirtschaftsdaten weiter ansteigen können. Ende September legten die Republikaner dann ihr sehnlich erwartetes „Konzept“ für eine Steuerreform vor, die weniger Einkommensteuerklassen sowie eine deutliche Reduzierung der Unternehmensbesteuern vorsieht – und die im Wesentlichen durch eine Verringerung bzw. Abschaffung individueller Steuernachlässe finanziert werden soll. Dies gab den Märkten einen neuerlichen Schub, der an die ersten Tage nach der Wahl im letzten November erinnerte.

Problem: 1 Bio. US-Dollar mehr Schulden

Unserer Meinung nach beurteilen die Märkte den Handlungsspielraum auf steuerlicher Ebene ein wenig naiv. Die meisten Investoren weltweit gehen fälschlicherweise davon aus, dass die so allgegenwärtige Mehrheit der Republikaner in Washington dazu geführt hat, dass die Phase des parlamentarischen Stillstands überwunden worden ist. Angesichts der tiefen Spaltung der republikanischen Partei ist jedoch fraglich, was überhaupt erreicht werden kann, wenn sich die vielen Lager innerhalb der Partei über teilweise belanglose Details streiten. Obwohl die meisten führenden Republikaner für Steuersenkungen plädieren, werden sie auf heftigen Widerstand einer immer größer werdenden Fraktion stoßen, die sich für Haushaltsdisziplin stark macht und einer Steuerreform, die einen Anstieg des Haushaltsdefizits nach sich zieht, wohl kaum zustimmen wird. Derzeit erwartet man nämlich, dass die geplante Steuerreform das Defizit auf Sicht von 10 Jahren um 1 Bio. US-Dollar nach oben treiben wird. Und selbst diese Rechnung ist noch optimistisch, geht sie doch aufgrund des Wegfalls der sogenannten „SALT“-Nachlässe bei staatlichen und kommunalen Steuern und Abgaben gleichzeitig von Mehreinnahmen in Höhe von 1 Bio. US-Dollar aus. Deshalb dürfte dieser Reformentwurf für die mehr als 20 republikanisch geführten Bundesstaaten mit hohem Steuerniveau (wie etwa Kalifornien, New York und New Jersey) von Anfang an zum Scheitern verurteilt sein. Angesichts einer hauchdünnen Mehrheit im Senat – und ohne Unterstützung von den Demokraten – muss eine wirklich grundlegende Steuerreform aber auch all diesen Gruppen innerhalb der republikanischen Partei zusagen. Der aktuelle Entwurf soll zwar lediglich eine Ausgangsbasis für Verhandlungen sein, erfüllt aber auch diese Anforderung so gut wie gar nicht. Aktuell sind diese steuerlichen Berechnungen nämlich noch nicht mit der politischen Realität abgestimmt: Denn man kann nicht gleichzeitig die Steuern senken, die Defizite konstant halten und liebgewonnene Steuernachlässe erhalten.

Drei Szenarios für eine mögliche Steuerreform

Aktuell halten wir drei Szenarios für denkbar: Zum einen ein vollständiges Scheitern der Steuerreform ohne wirklich grundlegende gesetzliche Änderungen – im Sinne von „abschaffen und ersetzen“ (45%). Zweitens eine lediglich marginale Steuerreform im Jahr 2018, die nur eine moderate Senkung der Steuersätze (sowohl der Einkommensteuer als auch der Unternehmensbesteuerung) und einige wenige ausgleichende Einnahmen mit sich bringt (45%). Und drittens eine enorm heftige Steuersenkung, die das Haushaltsdefizit in die Höhe treibt und von den Verfechtern der Haushaltsdisziplin letztlich hingenommen wird – aus Angst, mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen als Querulanten zu gelten (10%). Mit Blick auf meine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit der jeweiligen Szenarios wären Aktienanleger gut beraten, lieber auf die allmählich wieder anziehende Weltwirtschaft zu setzen als auf die Hoffnungen auf umfangreiche keynesianische Steuergeschenke.




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