Von der Reform zum Populismus

Auch in Mexiko werden die Bürger zu den Wahlurnen gerufen. Tim Alt, Fixed Income Portfoliomanager bei Aviva Investors, erläutert, welche Rolle der Populismus in Mexiko für Investoren spielen könnte.

Der politische Ausblick in Mexiko ist vor den Parlamentswahlen im Juli unsicher. Das Land verfügt über ein „One-Shot“-Wahlsystem. Dies bedeutet, dass ein Präsident mit relativ geringer Unterstützung gewählt werden kann. Unabhängige Kandidaten dürfen zum ersten Mal kandidieren. Mehr als 80 Personen haben versucht, Unterstützung zu finden, um ihre Namen auf dem Präsidentenstimmzettel unterzubringen.

In dem neuen, pluralistischen politischen Umfeld wird auch über kommunale Ämter und den Kongress abgestimmt. Dies dürfte einen Richtungswechsel nach der Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto einleuten. Als Peña Nieto und seine Partei der institutionalisierten Revolution (PRI) im Juli 2012 ihr Amt antraten, wurden seine Versprechen, Wirtschaftsreformen durchzuführen und Maßnahmen gegen Korruption zu ergreifen, von Wählern und Märkten gleichermaßen begrüßt. Der MSCI Mexico Index stieg zwischen dem 2. Juli 2012 und dem 31. März des folgenden Jahres um 19,6 Prozent und entwickelte sich damit deutlich besser als der breitere Emerging-Markets-Index.

Aber das Versäumnis der PRI, ihre Versprechen zur Korruptionsbekämpfung einzuhalten, hat der Popularität der Regierung geschadet. Dies wurde nicht zuletzt im Odebrecht-Skandal deutlich: Mexikanische Beamte sollen angeblich Bestechungsgelder des brasilianischen Mischkonzerns im Tausch gegen Verträge einkassiert haben.

Lateinamerika kann auf eine lange Geschichte der Korruption zurückblicken und das scheint der alles überlagernde Faktor zu sein, der die Wähler derzeit beeinflusst.

Die schwindende Legitimität der PRI könnte in diesem Jahr Raum für einen populistischen Anführer geben. Der aktuelle Spitzenkandidat ist Andres Manuel López Obrador (bekannt als Amlo), Vorsitzender der Partei MORENA. Obwohl der Kongress im Falle eines Amlo-Gewinns eine hemmende Kraft sein könnte, könnte seine scheinbar rückwärtsgewandte Haltung im Energie- und Bildungsbereich die Märkte verunsichern. Wenn MORENA die Wahl gewinnt, stehen für Investitionsfragen einige große, politische Fragezeichen im Raum.

Amlo nimmt für sich selbst eine „nationalistische Haltung“ in Anspruch. Die Partei hat sich verpflichtet, Verträge zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie frei von Korruption und im besten Interesse Mexikos sind. Die Pläne, Investitionen in Infrastruktur und Sozialausgaben anzukurbeln, könnten inflationär wirken, und die Aussicht auf einen Gewinn für MORENA spiegelt sich bereits an den Finanzmärkten wider: Die Credit-Spreads sind gewachsen und der Peso schwächelt.

Unterdessen hat die Senkung des US-Unternehmenssteuersatzes die mexikanische Wirtschaft untergraben. Zudem ist die Zukunft des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) fraglich. Wir hoffen, dass die NAFTA-Verhandlungen mit einem guten Ergebnis noch vor den Wahlen abgeschlossen werden. Andernfalls besteht ein zusätzliches Risiko – denn die Wahlkampfrhetorik scheint zu suggerieren, dass keine Seite wirklich mit der NAFTA einverstanden ist.




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