„Wachstum zu einem angemessenen Preis“

Im zweiten Teil des Interviews mit Global Investor sprach Burak Öztunç, Fondsmanager bei TEB Asset Management/ BNP Paribas, über das Jahr 2018 und mögliche Trends.

Welche Trends sehen Sie für den türkischen Markt im Jahr 2018?

Die US-Steuerreform wird ein entscheidender Katalysator für den amerikanischen Aktienmarkt sein, der bereits eine starke Wirtschaftstätigkeit aufweist. Der zusammengesetzte PMI der Eurozone stieg im November auf 57,5 – der höchste Wert seit über 6,5 Jahren – was auf eine starke Wirtschaftsaktivität zum Jahresende hinwies. Auch wenn der erhöhte Leitzins der Federal Reserve und die sinkenden Anleihekäufe der EZB aus Sicht der aufstrebenden Märkte eher negativ zu sein scheinen, sind wir unserer Meinung nach erst am Anfang oder maximal in der Mitte des Zyklus, und die positive Stimmung aufgrund der starken Wirtschaftsaktivität sollte den globalen Aktienmärkten zugutekommen – sofern es nicht zu einem plötzlichen Anstieg der Inflation kommt. Wir gehen davon aus, dass die Bilanzstraffung selbst nicht zu Problemen für die globalen Risikomärkte führt, solange das Wachstum sich fortsetzt. Selbst fragile Länder, einschließlich der Türkei, könnten vom globalen Wachstum profitieren, wenn auch aller Voraussicht nach mit einer höheren Volatilität. Das geschätzte, nach Sektoren bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Türkei für das Jahr 2018 beträgt 13,3 und weist auf einen deutlichen Abschlag (31 % im Vergleich zum Vorjahresschnitt von 25 %) gegenüber den anderen fragilen Ländern hin. Mit anderen Worten: Das Risiko-Ertragsverhältnis steigt, zumindest in der ersten Jahreshälfte.

… in der zweiten Jahreshälfte?

Im zweiten Halbjahr 2018 könnte sich dies jedoch ändern, denn 2019 stehen drei Wahlen an und die politische Situation wird sich langsam aufheizen. Der einmalige, positive Spillover-Effekt der Kreditvergabe wird langsam nachlassen und auch das Wachstum könnte an Schwung verlieren. Dies allein könnte schon zu einer frühen Wahl führen, was dem Aktienmarkt üblicherweise gar nicht guttut.

Welche externen Faktoren sehen Sie als maßgebliche Impulse?

Wenn sich die chinesische Konjunktur stärker als erwartet verlangsamen würde, wäre dies ein weiteres ernst zu nehmendes Risiko, das sich auf die aufstrebenden Märkte weltweit auswirken könnte. Dennoch hängt dies unserer Ansicht nach von den chinesischen Regulierungsbehörden ab, da diese für gewöhnlich dazu in der Lage sind, ihre Wirtschaft wieder anzukurbeln, wenn die großen Volkswirtschaften der Welt wieder anziehen. Ein langsameres, aber ausgeglichenes Wachstum der chinesischen Wirtschaft kann insgesamt sogar positiv aufgefasst werden, und der sinkende Druck im Bereich Commodities könnte sich zugunsten der herstellenden Schwellenländer einschließlich der Türkei auswirken.

Wie lautet ist ihre strategische Herangehensweise?

Wir gehen davon aus, dass das erste Halbjahr 2018 höchstwahrscheinlich gut zu unserer Devise passen wird: Wachstum zu einem angemessenen Preis. Während die Wirtschaft weltweit einen Gang zulegt und das Wachstum des türkischen Binnenmarktes aufgrund des Spillover-Effekts der Kreditvergabe seinen Schwung behält, möchten wir uns bei einigen Größen des Inlandsverbrauchs gezielt positionieren. Das zweite Quartal des Jahres ist Dividendensaison: In der ersten Hälfte übertreffen die Zahler hoher Dividenden tendenziell den Markt. Dennoch wird unsere Priorität auf jeden Fall auf der Fähigkeit zur Generierung eines freien Cashflows liegen.

Was gibt es besonders zu beachten im Hinblick auf die Marktsituation?

Eine Besonderheit der Borsa Istanbul (BIST) ist die mit 27 % sehr starke Gewichtung des Bankensektors. Es ist also von wesentlicher Bedeutung, für diesen Sektor die richtige Entscheidung zu treffen. Trotz des hervorragenden EPS-Wachstums und der sehr günstigen Bedingungen des Mitnahmeeffekts des Kreditgarantiefonds der Regierung im Jahr 2017, schnitt der Sektor insgesamt schlechter als der Markt ab. Der Bankensektor-Index an der BIST beträgt lediglich 16 % in USD, wohingegen der BIST 100 mit 31 % eine solide positive Rendite erzielte. Wir gehen davon aus, dass die Banken diesen Trend teilweise umkehren könnten, da dieser deutliche Abschlag – nicht nur im Vergleich zu den bislang verzeichneten Abschlägen im Inland, sondern auch Vergleich zu denen anderer aufstrebender Märkte – kaum vernachlässigt werden kann. Ihre zukünftigen Erträge für die nächsten 12 Monate handeln die Banken mit einem KGV von 4,9 – ein mit 60 % beträchtlicher Abschlag gegenüber anderen aufstrebenden Märkten. Zum Vergleich: Im Mai 2013, kurz vor dem Taper Tantrum, handelten sie noch mit einem Aufschlag.

Vielen Dank, Herr Öztunç!

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews




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