Warum die US-Steuerreform zu einem Paradigmenwechsel führen könnte

Die Präsidentschaftswahl in den USA hat die steuerlichen Rahmenbedingungen so tiefgreifend verändert, wie seit den 1980er Jahren nicht mehr: Da nun sowohl die Legislative als auch die Exekutive unter Kontrolle der Republikaner stehen, erscheint eine einschneidende Steuerreform inzwischen mehr als wahrscheinlich.

Die bisher vorgeschlagenen Änderungen hätten weitreichende Auswirkungen auf viele Länder und Branchen und würden die relative Wirtschaftsaktivität, die Rentabilität von Unternehmen, zukünftige Emissionstendenzen und die Nachfrage auf Branchenebene beeinflussen. Geplant sind unter anderem die Senkung der individuellen und Körperschaftssteuersätze, niedrige Steuern auf die Repatriierung von Gewinnen aus dem Ausland und die Einführung des steuerlichen Grenzausgleichs. Durch das mögliche Streichen der Steuervergünstigung auf Zinsen und die vollständige Abschreibung von Investitionen wird es Gewinner und Verlierer geben.

Sind erst einmal die Details bekannt, so wird es an den Märkten sicherlich extremen „Verstimmungen” kommen. Angesichts der gegenwärtigen Ungewissheit bieten sich in den nächsten zwölf Monaten viele Chancen, da die Marktteilnehmer sich auf die neusten Schlagzeilen fixieren, was zu deutlichen Verzerrungen bei den Bewertungen führen könnte.

Die vorgeschlagenen Änderungen der Körperschaftssteuer, die zu einer deutlichen Senkung der effektiven Steuersätze führen würden, sind für das Wirtschaftswachstum in den USA und für Unternehmen sehr günstig. Allerdings werden ihre Auswirkungen, je nach Branche und Wertpapier, unterschiedlich ausfallen: Je nachdem, zu welchen Veränderungen es kommen wird, werden CFOs ihr Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital und ihre geografische Verteilung an ausgewiesenen Erträgen genau prüfen. Die mögliche Streichung der Steuervergünstigung auf Zinsen könnte sich je nach Branche oder Unternehmen unterschiedlich auswirken, was sich wiederum auf Investitionen, Fusionen und Übernahmen und Unternehmensemissionen unterschiedlich auswirkt. Die steigenden Kosten von Fremdkapital könnten letztlich zu weniger Emissionen im Investment-Grade-Bereich führen. Dies wiederum verlängert den gegenwärtigen Kreditzyklus.

Die geplante Streichung des Sparerfreibetrags könnte sich in Kombination mit der möglichen vollständigen Abschreibung von Investitionen auf eine bestimmte Untergruppe von Emittenten sogar ungünstig auswirken, nämlich solche mit einem hohen Verhältnis von Zinsaufwand zu Investitionen. Das steuerpflichtige Einkommen dieser Gruppe könnte höher ausfallen. Allerdings weisen die meisten Emittenten am Hochzinsmarkt ein ausgewogenes Verhältnis von Zinsaufwand und Investitionen auf. Die inländischen Investitionen einiger großer Sektoren im Bank of America Merrill Lynch US High Yield Index, wie Energie und Telekommunikation, übertreffen sogar ihren Zinsaufwand. Analysen deuten darauf hin, dass nur etwa 10 bis 15 Prozent des High-Yield-Marktes betroffen wären.

Steuerlicher Grenzausgleich

Der steuerliche Grenzausgleich war Bestandteil des Steuerplans, der im Sommer 2016 vom republikanischen Repräsentantenhaus vorgestellt wurde. Nach diesem System wäre der Kauf ausländischer Waren und Dienstleistungen nicht absetzbar, das Einkommen durch Exporte wäre jedoch nicht steuerpflichtig. Dies würde den effektiven Steuersatz auf Einkommen durch Importe anheben und den Steuersatz auf Einkommen durch Exporte senken.

Die Öffentlichkeit widmet dem Konzept große Aufmerksamkeit. Kein Wunder, angesichts der tendenziell protektionistischen Haltung der US-Regierung und Tweets, die Unternehmen anklagen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern – überdies ist noch unklar, inwieweit der Plan von Präsident Trump unterstützt wird. Wird er umgesetzt, so könnte dies der erste Schritt zur Einführung einer territorialen Besteuerung in den USA sein, die für viele ihrer Handelspartner bereits Realität ist.

Der steuerliche Grenzausgleich wäre angelegt, um die fiskalischen Folgen der niedrigeren Körperschaftssteuer abzufangen. Theoretisch wären die Folgen im Hinblick auf den Handel neutral, da der Kostenvorteil bei Exporten (und der Nachteil bei Importen) durch eine Aufwertung des US-Dollars ausgeglichen würde, was die Zahlungsbilanz beeinflusst. In der Praxis könnte die Sache jedoch ganz anders aussehen und gravierende Auswirkungen haben: Unter Umständen kommt es bei den Steuersätzen weltweit zu einem Abwärts-Wettlauf.




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