Weltmeister beim Wachstum!

Australiens Wirtschaft wächst seit mehr als zwei Jahrzehnten, ohne eine Rezession erlebt zu haben. Was macht die Konjunktur in Down Under so robust?

Seit 27 Jahren wächst Australiens Wirtschaft mit durchschnittlich drei Prozent pro Jahr, seit der Finanzkrise mit gut zweieinhalb Prozent. Für dieses und das kommende Jahr kann man ähnliche Zahlen erwarten. Australiens größte Investmentbank, Macquarie Bank, geht von einem Wachstum zwischen 2,8 bis drei Prozent in diesem Zeitraum aus. Für den Aufschwung gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen ist da die Nähe zum asiatischen Wachstumsmarkt sowie Australiens Position als Rohstoff-Lieferant für die Urbanisierung Chinas und anderer Länder im Fernen Osten. 28 Prozent aller Exporte gehen nach China, insgesamt etwa 70 Prozent nach Asien. Eisenerz und Kohle spielen hier eine wichtige Rolle, da beide benötigt werden, um Stahl herzustellen. Auch Flüssiggas wird wichtiger. Bei allen drei Rohstoffen ist Australien Weltmarktführer im Export.

Qualifizierte Einwanderung zahlt sich aus

Zum anderen ist Bildung bedeutend – vor allem der Besuch australischer Universitäten durch asiatische Studenten. Zudem blüht die Tourismus-Branche. Ein vielleicht ungewöhnlich erscheinender Grund für das nachhaltige Wachstum Australiens ist das stetige Bevölkerungswachstum des Landes. Zur positiven Geburtenrate von 12.9 Kindern pro Tausend Einwohnern, das entspricht insgesamt 150.000 Kindern, kommt eine jährliche Zuwanderung von durchschnittlich 200.000 Menschen. So liegt das jährliche Bevölkerungswachstum schon seit vielen Jahren bei etwa 1,5 Prozent. Australien ist sehr wählerisch, wen es als neue Staatsbürger aufnimmt. Bestimmte Berufsgruppen werden ebenso bevorzugt wie Absolventen australischer Universitäten und Wirtschaftseinwanderer. Fast 50 Prozent aller Immigranten haben zuvor in Australien studiert. Dagegen ist das Land sehr restriktiv, wenn Flüchtlinge einwandern wollen. Man kann leicht nachvollziehen, dass Zuwanderung unter diesen Bedingungen das Wirtschaftswachstum fördert. Knapp 29 Prozent der Einwohner des Kontinents – rund sieben Millionen Menschen – wurden nicht in Australien geboren. Auch darin zeigt sich die konstant hohe Zuwanderungsrate.

Wie bereits erwähnt, ist der Bildungssektor ein wichtiger Teil der australischen Wirtschaft. Im Jahr 2017 gab es etwa 430.000 ausländische Studenten. Das sind etwa zehn Prozent mehr als 2016. Eine so hohe Zahl – vor allem im Vergleich zu den nur 24 Millionen Einwohnern – beeinflusst auch den Immobilienmarkt. Die Nachfrage asiatischer Studenten, beziehungsweise ihrer Eltern, nach Wohnraum trug in den letzten Jahren zu einem Boom im Appartement-Bau bei.

Australier sind wohlhabend

Grundsätzlich ist die australische Volkswirtschaft mit anderen westlichen Volkswirtschaften vergleichbar, denn der Konsum ist maßgeblich für das Bruttosozialprodukt (BIP). Auch das australische Bankensystem ist interessant für deutsche Anleger: Vier Großbanken dominieren den Markt. Es ist ein recht „gemütliches“ Oligopol, in dem sich leicht Geld verdienen lässt. Entsprechend gut sind die Großbanken aufgestellt. Das einzige Risiko ist die Abhängigkeit vom Immobilienmarkt. Fast jeder Australier träumt von den eigenen vier Wänden. Deswegen hat sich die Bevölkerung mittlerweile auf einem Rekordniveau verschuldet. Die Immigration der letzten Jahre, im historischen Vergleich niedrige Zinsen sowie das große Kaufinteresse vor allem chinesischer Auslandsinvestoren haben den Grundstücksmarkt in ungeahnte Höhen geführt. Trotz der hohen Verschuldung hat der Boom aber auch dazu geführt, dass die Australier sehr wohlhabend sind. Gemäß dem „World Health Report“ von Credit Suisse übertreffen nur Island und die Schweiz Australien mit seinen etwa 400.000 US-Dollar Vermögen pro Erwachsenem. Auch beim Bruttosozialprodukt von 55.000 US-Dollar pro Person per Ende 2016 liegt Australien nur hinter der Schweiz und fast 20 Prozent über Deutschland.




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