Wie sich der Handelsstreit auf chinesische Aktien auswirkt

Welche Folgen hat der Handelsstreit für chinesische Werte? Einer Analyse von ASPOMA Asset Management zufolge ist das Risiko für chinas Wirtschaft geringer als man momentan annehmen könnte. Lesen hier Sie die Gründe für den Optimismus.

Das Gespenst des Handelskonflikts wandelt weiter durch die Märkte. Die Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump weitere Zölle auf chinesische Waren zu erheben, bewegten die chinesischen Regierung ebenfalls zu Gegenmaßnahmen. Am Dienstag, dem 18.09.2018, entschloss sich die US-Administration Strafzölle im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar gegen chinesische Importe zu verhängen. China reagierte prompt mit der Erhebung von Importzöllen im Wert von 60 Milliarden US-Dollar.

US-Präsident Trump zeigt sich allerdings wenig beeindruckt. Auf Twitter drohte er bereits mit weiteren Schritten:

Einige Beobachter sehen China allerdings keineswegs in der Defensive, denn die chinesische Regierung kontert mit wirtschaftspolitische Maßnahmen.

Wie wirkt sich der Handelskonflikt auf chinesische Aktien aus?

Seit Beginn dieses Jahres korrigierte der chinesische Aktienmarkt (MSCI China) um 14 Prozent und seit Anfang Juni sogar um etwa 20 Prozent. Nach Einschätzung des österreichischen Vermögensverwalters ASPOMA hat diese Entwicklung aber verschiedene Ursachen.

Als wichtigsten Faktor schätzen die Experten zwar den Handelskonflikt ein, doch sei dies nur ein Faktor. Ebenso belaste das „Fed Tightening“ und damit einhergehende steigende Zinsen in den USA die Schwellenländer.

Chinas Renminbi stehe zudem durch die Abwertung gegenüber dem US-Dollar seit Juni verstärkt unter Druck. Zusätzlich zeige sich das chinesische Wachstum deutlich verhaltener im Vergleich zum überdurchschnittlich starken Wachstum im vergangenen Jahr, so die Experten.

Abbildung 1: Emerging Markets und China seit Jahresbeginn
Emerging Markets und China seit Jahresbeginn
Quelle: Bloomberg, J.P. Morgan

„Aus fundamentaler Sicht ist diese Marktreaktion nicht gerechtfertigt“

Die Experten sehen das Problem bei einer gewissen Distanz des Marktes zu den Fundamentaldaten. Diese Beurteilungg deckt sich auch mit den Einschätzungen von Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management S.A. Der Experte teilt die Ansicht des ASPOMA-Teams, und sieht kein ausgewachsenes Krisenszenario für China.

„Wir erwarten keinen Einbruch der chinesischen Wirtschaft, stattdessen sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Behörden in der Lage sind, ein gutes Wachstumslevel aufrecht zu erhalten. Jedoch können wir die Bedenken der Märkte nicht komplett ausräumen“, sagt Melman.

Es geht um geopolitische und geo-ökonomische Fragen

Zunächst die gute Nachricht: Der Konflikt habe wohl nur marginale Auswirkungen auf die Stabilität der chinesischen Wirtschaft, da sich die Nettoexporte Chinas auf lediglich drei Prozent des Bruttosozialprodukts belaufen.

Außerdem diversifiziert China seine Handelspartnerschaften: Die Anteil des Exports in die USA sinkt kontinuierlich. Die ASPOMA-Experte verweisen auf den Umstand, dass „das Exportvolumen mit dem benachtbarten asiatischen Raum mehr als zweimal so groß wie mit den USA [ist]“.

Abbildung 2: Chinas Wirtschaft wird dank riesigen Binnenmarkt nicht vom Export dominiert
Quelle: CLSA

Konkret lägen die negativsten Schätzungen von Ökonomen bei 0,5 Prozent Wachstumsrückgang, wobei das reale Wirtschaftswachstum Chinas auf etwa 6,5 Prozent bewertet sei, schreiben die ASPOMA-Experten in ihrer Marktanalyse.

Als deutlich problematischer betrachtet das Team des österreichischen Asset Managers die Tatsache, dass es offensichtlich nicht allein um Handelsfragen ginge. Vielmehr spielen geopolitische Machtverhältnisse eine Rolle, weshalb es nach Meinung der Experten besonders schwierig werden könne, eine Einigung zu erreichen. Investoren sollten daher auch ein mögliches Worst-Case-Szenario im Auge behalten.

Die chinesische Regierung reagiert

Um negative Auswirkungen zu kontern, forciert die chinesische Regierungen seit April unterschiedliche Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Steuersenkungen, die Versorgung des Marktes mit Liquidität sowie Anreize für die Kreditvergabe von Banken.

China verzichte dabei auf das bloße Gelddrucken, so die Experten. Vielmehr zeige sich, dass die Regierung Investitionsanreize für Unternehmen schaffe, um beispielsweise die Automatisierung zu fördern.

Die bereits erwähnte Abwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar von etwa 5 Prozent durch die chinesische Regierung hat Kalkül. Denn diese Maßnahme können die Zölle ‚‚zu einem wesentlichen Teil“ kompensieren.

‚‚Marktreaktion ist im historischen Vergleich atypisch“

Dr. Harald Staudinger, Managing Director bei ASPOMA Asset Management GmbH, bemerkt eine atypische Marktreaktion: ‚‚Verglichen damit, dass der Aktienmarkt in der Regel auf monetäre und fiskalische Lockerungen deutlich positiv reagiert hatte, ist die Entwicklung der letzten Monate sehr ungewöhnlich.“

Die Situation der chinesischen Unternehmen sei positiv zu bewerten, so Staudinger. ‚‚Im ersten Halbjahr 2018 sind die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 23% gewachsen; für die Jahre 2019 und 2020 wird für den MSCI China ein Gewinnwachstum von 16% bzw. 14% erwartet“, sagt der Experte. Das sind beeindruckende Zahlen, die sich allerdings nicht angemessen in den Marktreaktionen abbilden.

Wer auf den chinesischen Binnenmarkt setzt, der profitiert trotz Handelsstreit

Der Investmentexperte für die chinesischen und japanischen Kapitalmärkte, Dr. Staudinger, sieht die Marktentwicklung stabil. Er und sein Team setzen daher auf Werte, die von der positiven Binnenkonjunktur profitieren und Güter sowie Dienstleistungen an den chinesischen Konsumenten bringen.




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