10 Jahre nach Lehman-Pleite: Wo ist das Vertrauen?

Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, kam es zur folgenschweren Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers. Während die danach folgenden Rückschläge an den Kapitalmärkten jedoch längst wieder wettgemacht sind, sind viele Anleger nach wie vor von Investments abgeschreckt, wie eine Analyse der Hamburger Sutor Bank zeigt.

Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, kam es zur folgenschweren Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers. Im Zuge dessen kam es zu größeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten weltweit. Während die Rückschläge an den Kapitalmärkten jedoch längst wieder wettgemacht sind und zwischenzeitlich neue DAX-Höchststände erzielt wurden, sind viele Anleger nach wie vor von Investments jenseits von Sparbuch und Tagesgeldkonto abgeschreckt. Vielmehr steigt das Vermögen der Deutschen in Form von Bargeld und Sichteinlagen seit Jahren kontinuierlich an und beträgt mittlerweile mehr als 2,3 Billionen Euro – zum Vergleich: 2008 waren es rund 1,7 Billionen Euro (Quelle: Deutsche Bundesbank).

DAX-Performance: Nach zwei Jahren wieder auf Vor-Krisen-Niveau

Eine Analyse der Hamburger Sutor Bank zeigt: Wer vor 10 Jahren – Ende August 2008 und damit unmittelbar vor der Finanzkrise – in den deutschen Aktienindex DAX investiert war und sein Investment bis heute gehalten hat, kann sich annähernd über eine Verdopplung des Kapitals freuen. Zwischen Ende August 2008 (DAX-Schlusskurs 29.8.2008: 6.422,30) und Ende August 2018 (DAX-Schlusskurs 31.8.2018: 12.364,10) liegen fast 6.000 Punkte oder 92,5 Prozent Wertzuwachs. Den unmittelbaren Vor-Krisen-Stand erreichte der DAX etwas über zwei Jahre später im November 2010 wieder, und nahm im Dezember 2010 erneut die 7.000-Punkte-Schwelle. Nach einem weiteren Einbruch im August 2011 begann der DAX ab September 2011 mit seiner Rally bis auf zwischenzeitlich über 13.500 Punkte.

Anlegervertrauen: Erst nach zehn Jahren wieder auf Vor-Krisen-Niveau

Gegenüber der DAX-Performance hat es deutlich länger gedauert, bis das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt wieder auf dem Vor-Krisen-Niveau war. Nimmt man die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer in Deutschland als Indikator für das Vertrauen in die Aktienanlage, dann wurde 2017 erstmals wieder seit dem Jahr 2007 die Zahl von 10 Millionen Besitzern überschritten. Zwischenzeitlich lag die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer etwa im Jahr 2010 bei nur noch knapp 8,4 Millionen (Quelle: Deutsches Aktieninstitut). Die damalige Flucht aus Aktien hin zu weniger volatilen Anlagen zeigt auch die Entwicklung der Renditen 10-jähriger deutscher Staatsanleihen: Lag die Rendite einer Bundesanleihe am 1.8.2008 noch bei 4,17 Prozent, betrug diese am 31.12.2008 nur noch 2,95 Prozent.

„Der schnelle Renditeeinbruch bei deutschen Staatsanleihen Ende 2008 zeigt, dass Anleger im letzten Quartal 2008 massiv deutsche Staatsanleihen gekauft haben, um auf der vermeintlich sicheren Seite zu sein.“, sagt Dirk Wittich, Kapitalmarktexperte bei der Sutor Bank. „Viele Sparer, die sich vor einem Investment am Aktienmarkt scheuen, verwechseln jedoch Schwankungen mit Risiko. Solange man langfristig ohne festen Auszahlungstermin denkt, sind Schwankungen für den Sparer kein Risiko. Sie gehören zum Kapitalmarkt dazu und sind vollkommen normal. Es gilt diese einfach auszusitzen“, erklärt Wittich. Erst wenn man auf dieses Kapital zugreifen wollte, sollte man sich rechtzeitig vorher und ohne Zeitdruck mit den Kursen beschäftigen.

Anleger am Geldmarkt: Kein Grund zu längerer Freude

2008 waren, wie auch heute noch, geldmarktnahe Instrumente wie das Sparbuch oder Tages- und Festgeldkonten bei den Deutschen besonders beliebt. Wer im August 2008 ausschließlich auf den Geldmarkt setzte, stand zwar in den ersten Monaten nach der Lehman-Pleite besser als ein Aktienanleger da, doch das Ergebnis änderte sich rasch zugunsten der Aktienanlage. Betrug die Rendite am Geldmarkt (Basis: Interbankenzinssatz Eonia) im August 2008 noch 4,3 Prozent, so sank diese in den folgenden Monaten kontinuierlich und lag bereits im April 2009 bei unter 1,0 Prozent. Seit November 2014 liegt der Eonia-Zinssatz sogar im negativen Bereich und wird mittlerweile auch von einigen Banken an Kunden weitergegeben. Auf Sicht von zehn Jahren (August 2008 bis August 2018) liegt die Rendite am Geldmarkt demnach faktisch bei durchschnittlich 0 Prozent pro Jahr.

Im Vergleich dazu wird die Überlegenheit der Aktienanlage auf lange Sicht deutlich: Über einen Zeitraum von zehn Jahren (August 2008 bis August 2018) liegt die DAX-Rendite bei 6,77 Prozent pro Jahr. Dazwischen war die DAX-Rendite gleichwohl stark im Minus-Bereich, im ersten Krisenjahr von August 2008 bis August 2009 war es beispielsweise ein Minus von 14,9 Prozent.

„Sparer, die sich mehr oder weniger ausschließlich am Geldmarkt in Form von Sparbuch oder Tagesgeldkonto engagieren, betreiben kontinuierliche Kapitalvernichtung. Viele Sparer sehen im Prinzip nur den Nominalbetrag auf ihrem Sparkonto. Dass ihr Geld durch die Inflation de facto immer weniger wird, da die Kaufkraft kontinuierlich sinkt, wird gern ausgeblendet“, sagt Dirk Wittich. „Das heißt nicht, sein gesamtes Vermögen in Aktien anzulegen, sondern eine Streuung über verschiedene Anlageklassen vorzunehmen, die möglichst alle Eventualitäten und Planungen des Anlegers berücksichtigt.“

Wie hoch ist die benötigte Liquidität?

Viele Sparer sind unsicher, wie hoch die benötigte Liquidität ist – also das, was etwa auf dem Tagesgeldkonto deponiert werden sollte – und welcher Anteil längerfristig zurückgelegt werden kann. „Die meisten Sparer schätzen die tatsächlich benötigte Liquidität, ob kurz- oder mittelfristig, falsch ein und parken viel zu viel Geld auf zinslosen, aber sofort verfügbaren Konten und Sparbüchern“, erklärt Dirk Wittich.

In der Regel sollten Sparer nach Ansicht von Dirk Wittich den Geldbedarf für drei Monate zur Seite legen; von dem Geld, was darüber hinaus vorhanden ist, reichen 20 Prozent als kurzfristige Liquiditätsreserve vollkommen aus, sofern nicht bestimmte größere Ausgaben geplant sind. Dadurch fiele die aktuell negative Rendite – nach Abzug der Inflationsrate – im geldmarktnahen Segment nicht allzu schwer ins Gewicht. Würden weitere 30 Prozent mittelfristig angelegt, stünde die Hälfte des Vermögens für eine langfristige Anlage zur Verfügung. „Damit ließ sich in der Vergangenheit problemlos eine Rendite von sechs bis acht Prozent bei einer Anlage von mindestens zehn Jahren erwirtschaften. Neben dem Ausgleich der Inflation wird auf diese Weise noch ein ordentliches Plus gemacht“, sagt Wittich.




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