Aktuelle US-Stärke könnte den Niedergang einläuten

Seema Shah, Global Investment Strategist bei Principal Global Investors, vermutet, dass China sich hartnäckiger verhalten könne, als es Donald Trump lieb ist. In ihrem Beitrag erläutert die Autorin die Taktiken, die für die USA gefährlich werden könnten.

In der vergangenen Woche zeigten die Daten zum BIP der USA für das zweite Quartal ein annualisiertes Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeitig bewegt sich der S&P 500 Index weiterhin auf Rekordhöhen und wird dabei von Unternehmensgewinnen unterstützt, die über den Erwartungen liegen. Auch die Arbeitslosigkeit hat ihr Rekordtief erreicht. Dieser erstaunliche Verlauf könnte Präsident Trump darin bestärken, seinen protektionistischen Kurs fortzuführen.

Es steht außer Frage, dass Trumps Handelsagenda die chinesischen Aktienmärkte am stärksten getroffen habe. Seit April hat der US-Dollar um über 3 Prozent zugelegt und der S&P 500 Index sei vergleichbar gestiegen. Dagegen sei der chinesische Aktienmarkt seit Jahresbeginn um rund 17 Prozent eingebrochen, während der Renminbi seit Mitte April gegenüber dem US-Dollar um 7 Prozent nachgegeben hat. Es ist fraglich, ob Trump bei dieser Performance in Erwägung ziehen sollte, seine Außenpolitik anzupassen. Angesichts der bevorstehenden Halbzeitwahlen könnte es sogar Sinn machen, den Protektionismus noch weiter zu eskalieren.

Handelszölle sind nicht nur ein Trick, um Wähler zu gewinnen. Trump ist ein überzeugter Protektionist, eingenommen von einer handelsfeindlichen Sicht auf die Welt. Wenn es also keine Beweise dafür gibt, dass seine Handelsagenda der US-Wirtschaft schadet oder dazu führt, dass die US-Aktienmärkte schlechter performen, ist es unwahrscheinlich, dass Trump seinen Ansatz abschwächen wird. Aber das wäre kurzsichtig. Handelskriege sind weder vorteilhaft noch leicht zu gewinnen.

In einem Handelskrieg leide das globale Wachstum, und kein Land entziehe sich den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Die komplexe globale Lieferkette führt dazu, dass bei der Herstellung chinesischer Waren Einzelteile aus verschiedenen Ländern importiert werden – einschließlich der USA selbst.

Von den ersten US-Zöllen auf chinesische Importe waren Konsumgüter mit weniger als 5 Prozent betroffen. Aber nach der zweiten Tarifrunde waren über 30 Prozent damit konfrontiert, und in der neu angekündigten dritten Runde werden die Zölle wahrscheinlich noch höher sein. Infolgedessen dürften sich die Auswirkungen auf die Inflation verschärfen. Sollte die Nachfrage nach US-Agrarexporten sinken und die Stahl- und Aluminiumpreise steigen, könnten die Anhänger von Trump beginnen, ihre Unterstützung für die Handelsagenda von Trump in Frage zu stellen.

Vergessen wir nicht, dass die US-Tarife mit Sicherheit Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen werden. China hat angedeutet, dass es „energisch“ zurückschlagen würde. Zugegebenermaßen ist es unwahrscheinlich, dass die gewählte Methode der Vergeltung viel mehr als Fleischwunden verursacht. Schließlich sind die US-Produkte, auf die China Abgaben erheben will, politisch wichtiger als wirtschaftlich, denn sie zielen auf Waren ab, die sich auf aus Wahlkampfgesichtspunkten zentrale Staaten konzentrieren.

Wie wird China Vergeltung üben, wenn der Handelskrieg anhält?

China importiert einfach nicht genug, um die Ausgaben für US-Zölle im gleichen Gegenwert aufzufangen. Selbst wenn es seine Zölle für US-Unternehmen auf wirtschaftlich wichtige Waren umleite, könne die Wirkung beschränkt sein. Stattdessen werde China wahrscheinlich amerikanische Unternehmen durch bürokratische Formen der Vergeltung unter Druck setzen, wie zum Beispiel das Auferlegen von Zollverzögerungen, Steuerprüfungen, die Verlangsamung von Geschäftsgenehmigungen und die zunehmende behördliche Kontrolle.

Ein frühes Opfer dieser Form der Vergeltung war ein großes US-amerikanisches Unternehmen für Telekommunikationsausrüstung, das keine andere Wahl hatte, als sein Angebot für einen konkurrierenden Chiphersteller zu streichen, nachdem klar wurde, dass die chinesischen Regulierungsbehörden das Geschäft nicht genehmigen würde. Während alle anderen relevanten Jurisdiktionen die geplante Übernahme bereits vor Monaten genehmigt haben, stellte China seine Regulierungsmacht unter Beweis, indem es seine Zustimmung nicht erteilte. Sie diene der US-Regierung als starke Warnung vor dem, was sie erwarten könne.

Ein weiterer Hebel wäre, den Renminbi gegenüber dem US-Dollar zu schwächen, was einerseits China dazu verhelfen würde, seine Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen und andererseits zu kostspieligen Handelsunterbrechungen für die Vereinigten Staaten führen könnte. Manche Beobachter vermuten, dass sich der Handelskrieg in einen Währungskonflikt verlagere. Tatsächlich sei die Abwertung eine normale Reaktion auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten. Die Währungen der Länder, die höheren Zöllen unterlägen, sollten abschwächen. Der interessantere Punkt ist jedoch, dass China dem Renminbi erlaubt hat, so sehr zu fallen – trotz des Ziels der Zentralbank die grobe Stabilität des Wechselkurses gegenüber einem Währungskorb beizubehalten. Obwohl der Renminbi nicht so bedeutend ist wie seine Abwertung gegenüber dem US-Dollar, hat er seit Juni um 3 Prozent gegenüber diesem Korb nachgegeben. Gegen die volle Macht der chinesischen Politiker anzukämpfen, könnte ein Kampf sein, der Trump nicht gefallen werde.




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