Anleger müssen vorsichtig sein

Aktuelle Geschehnisse trüben die Stimmung an den Aktienmärkten. Noch zeichnet sich keine Rezession ab, aber die Lage wird ungemütlicher.

Die Türkei-Krise und anhaltende Handelskonflikte haben die Stimmung an den Kapitalmärkten zuletzt getrübt, doch der Aufschwung an den Aktienmärkten ist ungebrochen, obwohl der Blick auf die Konjunktur für so viel Zuversicht wenig Anlass gibt. Nachdem die Eurozone und viele Emerging Markets bereits im ersten Halbjahr  überoptimistische Wachstumserwartungen korrigieren mussten, trifft es jetzt auch die USA und China. Die Stimmung in der amerikanischen Industrie bei den Dienstleistungen trübte sich im Juli überraschend deutlich ein. In China sank das Stimmungsbarometer der Industrie auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten.

Handelskonflikt belastet Märkte

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt droht, die Abwärtsdynamik zu verstärken. Zwar beziffert der Internationale Währungsfonds in einer Studie die negativen Wachstumsbeiträge der aktuell angekündigten Maßnahmen auf nur 0,4 Prozent, die indirekten Auswirkungen dürften jedoch weitaus höher sein. Neue Zollschranken gefährden die dezentralen Geschäftsmodelle vieler Unternehmen. Bei zunehmender Unsicherheit droht dem weltweit gerade gestarteten Investitionszyklus ein schnelles Ende. Noch ist es aber nicht so weit. Ein Abrutschen in die Rezession bleibt zumindest 2018 unwahrscheinlich. Zumal China mit neuem Geld und fiskalpolitischen Maßnahmen stimuliert und sich die Steuersenkungen in den USA noch bis 2019 positiv auswirken werden. Das zu Jahresbeginn weltweit synchrone Wachstum ist nun weniger synchron und weniger dynamisch. Der wichtigste Treiber der Aktienbewegung, gute Unternehmensgewinne, droht ebenfalls auszulaufen.

Die aktuelle Berichtssaison verlief insbesondere in den USA überragend. Gut 80 Prozent der Firmen übertrafen die Erwartungen. Neben der schwächeren Konjunktur dürfte die Entwicklung der Margen die Gewinne belasten. Weltweit enge Arbeitsmärkte, höhere Rohstoffpreise und ausgelastete Kapazitäten geben dem aktuellen Rekordniveau vor allem in den USA wenig neuen Spielraum. Zum Gegenwind von der Konjunktur- und Gewinnseite kommt nachlassender Rückenwind der Geldpolitik. Zwar hat die Bank of Japan gerade erst verkündet, ihre unkonventionelle Festlegung des Zehn-Jahres-Zinses „um die null Prozent“ fortzusetzen und China hat die Geldpolitik sogar gelockert. In den übrigen Ländern erzwingen höhere Inflationsraten jedoch den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. In den USA sind dieses Jahr noch zwei Zinserhöhungen zu erwarten, die Europäische Zentralbank halbiert ab Oktober ihr Anleihenkaufprogramm.

Noch keine Trendwende bei Aktien

Das Liquiditätsumfeld wird für die Kapitalmärkte langsam ungemütlicher. Immerhin sind die Bewertungsrelationen vor allem in Europa und Asien im Vergleich zu Zinsanlagen weiter attraktiv. Für eine generelle Trendwende an den Aktienmärkten erscheint es daher noch zu früh. Anleger sollten den gestiegenen Kursen aber nicht mehr hinterherlaufen und die neutrale Aktiengewichtung beibehalten. Erst eine schnellere Verschlechterung der fundamentalen Lage rechtfertigt einen weiteren Abbau von Positionen.




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