Aufwärtspotenzial für Risikoanlagen

Hat der Aufschwung Bestand? Der Chefökonom von Invesco, John Greenwood, kommentiert die Märkte mit Hinblick auf die treibenden Märkte USA, Großbritannien, Japan und China.

Die durch den Trump-Sieg ausgelöste „Reflation-Rallye“ dauert zwar an, hat aber inzwischen weniger mit etwaigen Trump-Effekten, als mit dem zugrundeliegenden Konjunkturaufschwung in den USA zu tun. Ich halte es für denkbar, dass der Aufschwung in den USA noch mehrere Jahre andauert. Das wäre eine gute Grundlage für weitere Kursgewinne von Aktien, Immobilien und sonstigen Risikoanlagen, da sich das höhere BIP bzw. die höheren Gesamtausgaben auch in höheren Unternehmensgewinnen und Haushaltseinkommen niederschlagen werden. An den Rohstoffmärkten lässst sich für den Rest des Jahres 2017 nur begrenztes Aufwärtspotenzial erkennen, da die starke Ausweitung der Schieferölproduktion in den USA den Ölpreis belaste und es bislang nicht danach aussehe, dass US-Präsident Trumps geplantes Infrastrukturinvestitionsprogramm in absehbarer Zeit umgesetzt wird.

Als größten einzelnen Risikofaktor, der dem Szenario eines andauernden Aufschwungs in den USA mit positiven Folgen für Risikoanlagen entgegenstehen könnte, kann eine zu starke Straffung der Finanzkonditionen durch die US-amerikanische Notenbank (Fed) – nicht durch Zinserhöhungen, sondern durch eine Eindämmung des Kreditwachstums im privaten Sektor ausgemacht werden. Dazu könne es kommen, wenn die Fed ihre Bilanz wieder verkürzt. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch einmal anheben und im Oktober oder November mit der Rückführung ihrer Bilanz beginnen wird. Verkäufe von 50 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Schuldtiteln pro Monat könnten zu höheren langfristigen Zinsen und restriktiveren Finanzkonditionen führen und das Bankkredit- und Geldwachstum dämpfen. Daher wird die Fed vorsichtig vorgehen müssen.

USA: Starke Wachstumsimpulse notwendig

Der US-Wirtschaft stellt er für dieses Jahr ein reales BIP-Wachstum von 2,1% gegenüber dem Vorjahr in Aussicht, gefolgt von 2,4% im Jahr 2018. Um das von Präsident Trump avisierte reale BIP-Wachstum von „mindestens 3,5% und bis zu 4%“ zu erreichen, bräuchte es aber außergewöhnliche Impulse durch deutlich stärkere harte Indikatoren wie die Unternehmensgewinne und -umsätze oder die Industrieproduktion, die zuletzt schwach ausfielen. Zu den Maßnahmen, von denen mögliche Impulse ausgehen könnten, gehören die von Trump geplante Abschaffung des Dodd-Frank Act, um die Bankenregulierung zurückzudrehen, sowie seine Infrastrukturpläne. Falls diese Veränderungen nebenbei auch zu einem schnelleren Geld- und Kreditwachstum führen sollten, wäre durchaus denkbar, dass nominale Indikatoren wie das um Lageränderungen bereinigte BIP, das nominale BIP und die Unternehmensgewinne stärker anziehen. Bislang ist davon aber wenig zu sehen. Zudem werde ein anhaltender Rückgang des Ölpreises im weiteren Jahresverlauf vermutlich zu schwächeren Investitionsausgaben führen.




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