Begrenztes Abwärtsrisiko: Energieaktien halten

Die Vereinbarung zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und Russland zur Reduzierung der Fördermengen wird für ein weiteres Jahr Bestand haben. Ursprünglich sollte sie einen Abbau der rekordhohen Ölvorräte auf ein langfristig nachhaltiges Niveau bewirken und damit den Rohölpreis stützen. Christophe Bernard, Chefstratege von Vontobel, kommentiert.

Die Vereinbarung zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und Russland zur Reduzierung der Fördermengen wird für ein weiteres Jahr Bestand haben. Ursprünglich sollte sie einen Abbau der rekordhohen Ölvorräte auf ein langfristig nachhaltiges Niveau bewirken und damit den Rohölpreis stützen. Letztendlich dürfte sie aber auch den Druck auf die Staatshaushalte der Opec-Mitglieder lindern. Bis zu einem gewissen Grad wurde der gewünschte Effekt erreicht. Die Ölvorräte gingen zurück und der Ölpreis hat sich seit November 2016 stabilisiert.

Die Probleme des Kartells sind jedoch nicht ausgeräumt, wie die jüngste Vereinbarung zur Kürzung der Fördermengen bis Ende 2018 zeigt. Dies unterstützt unser Anlageargument eines «Opec-Puts», einer Art Mindestpreis für das schwarze Gold. Unserer Meinung nach möchte die Opec den Ölpreis über der Marke von 50 US-Dollar halten. Dies sollte das Abwärtsrisiko für den Ölpreis im Vergleich zur Situation im vergangenen Sommer begrenzen, insbesondere solange die globale Ölnachfrage relativ hoch bleibt.

Werden wir Ölpreisbewegungen auf 80 US-Dollar sehen?

Derzeit steuert der Preis für WTI-Öl auf 60 US-Dollar pro Fass zu. Wir erwarten jedoch nicht, dass er noch viel weiter steigt. Unsere konservative Einschätzung stützt sich auf die hohen Mengen an Schieferöl, die in Amerika immer noch gefördert werden. Solange der WTI-Preis über 50 US-Dollar bleibt, lohnt sich die Förderung von Schieferöl. Da die Gewinnschwellen der Produzenten derzeit deutlich unter dem Rohölpreis liegen (siehe Grafik 1), können sie neue Reserven erschließen, und die Fördermengenkürzungen der Opec ausgleichen.

Es bleibt abzuwarten, ob das US-Schieferölgeschäft weiterhin rentabel bleibt. Einerseits könnte es für die Branche zunehmend schwieriger werden, Fachkräfte anzuziehen, solange die US-Wirtschaft so schwungvoll wächst. Dies könnte die Produzenten dazu zwingen, höhere Löhne zu zahlen. Andererseits könnten innovative Fördermethoden zu niedrigeren Produktionskosten führen.

Europäische Energieaktien erscheinen trotz der Outperformance attraktiv

Nachdem sie im Juni einen Tiefstwert erreicht hatten, konnten Energieaktien dank Aufwärtsrevisionen der Gewinnprognosen durch die Analysten den Großteil der Verluste aus dem ersten Halbjahr wieder aufholen. Die Gewinnschätzungen der Energieunternehmen für 2018, waren bisher aber rechtmäßig. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sich die längerfristigen Ölpreise in diesem Jahr bisher nicht erholt haben. Ein Beispiel: Während der Kassapreis für WTI seit Jahresbeginn um 10 Prozent gestiegen ist, hat sich der Preis von WTI-Öl mit Lieferung in 36 Monaten im gleichen Zeitraum um 9 Prozent verringert. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die langfristigen Umsatz- und Gewinnaussichten der Unternehmen vom längerfristigen Ölpreis (Terminpreis) abhängen (siehe Grafik 2).

Europäische Energieaktien haben sich seit dem Sommer erheblich besser entwickelt als der Rest des Sektors – unter anderem aufgrund der attraktiveren Einstiegsbewertungen.

Dennoch scheinen sie noch immer nicht zu teuer. Darüber hinaus wird ihr Reiz unserer Meinung nach durch ihre defensiveren Geschäftsmodelle im Vergleich zu den US- Konkurrenten verstärkt. Die jüngsten Unternehmensmeldungen, wie der Zwischenbericht von Royal Dutch Shell, der eine höhere Cashflowprognose enthielt, wurden ebenfalls gut aufgenommen. Da das Unternehmen als Marktführer gilt, könnte die Ankündigung die Marktstimmung gegenüber dem gesamten Sektor verbessern. Deshalb bestätigen wir unsere Anlageempfehlung für europäische Energieaktien.

 




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