Chefökonom: Globaler Aufschwung bleibt bestehen

Invesco-Chefökonom John Greenwood bleibt zuversichtlich für das nächste Jahr. Ein Kommentar.

Es besteht einige Zuversicht, dass die führenden Volkswirtschaften der Welt ihren robusten Aufschwung auch im Jahr 2018 und darüber hinaus fortsetzen werden. An der Spitze der globalen Erholung dürfte die USA stehen, während der Aufschwung in der Eurozone an Dynamik gewinnt und sich der Welthandel wiederbelebt. Von der positiven Wachstumsdynamik in den Industrieländern sollten auch die exportorientierten Volkswirtschaften Ostasiens sowie andere rohstoffproduzierende Schwellenländer profitieren.

Es ist daher denkbar, dass der aktuelle Aufschwung in den USA noch längst nicht zu Ende geht und sogar der längste in der US-amerikanischen Finanzgeschichte werden könnte – länger als der 120 Monate dauernde Aufschwung, der im März 1991 startete und im März 2001 seinen Höhepunkt erreichte. Gefährden könnten diesen Ausblick eigentlich nur die Fed oder andere Notenbanken durch Fehlentscheidungen wie eine zu starke Straffung im Zuge der Normalisierung der Geldpolitik. Wenn sie die Zügel zu schnell anziehen, könnte der Wirtschaft 2018-2019 bereits wieder die Puste ausgehen und die Inflationsraten in vielen großen Volkswirtschaften könnten weiter hinter dem Zielwert zurückbleiben. Das sei zwar das Basisszenario, aber eine Möglichkeit, die Investoren im Blick haben sollten.

Unterdessen nimmt das Wirtschaftswachstum in der Eurozone Fahrt auf, könnte aber stärkeren Gegenwind zu spüren bekommen, falls das Kreditwachstum nachlassen sollte. Dass die Wirtschaft der Eurozone endlich mit einer nahe am Potenzialwachstum liegenden Rate wächst, lässt sich vor allem auf das im März 2015 gestartete Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) und die dadurch bewirkte Beschleunigung des Geldmengenwachstums (M3) zurückführen.

Damit die Wachstumsdynamik anhält, müssen die Geschäftsbanken die Kreditvergabe stärker ausweiten als es bisher der Fall ist. Ansonsten könnte das Kreditwachstum deutlich nachgeben, wenn die EZB mit der Rückführung ihrer Anleihenkäufe beginnt. Die Basis für ein nachhaltiges M3-Wachstum von 5% oder mehr in der Eurozone hält er für fragil. Dabei sei das die Voraussetzung für ein reales Wachstum und eine Inflationsrate von jeweils 2%, wenn man einen jährlichen Rückgang der Einkommensumlaufgeschwindigkeit um 1% berücksichtigt. Daher bestünde ein Risiko, dass die Rückführung der Anleihenkäufe das M3-Wachstum erneut bremsen könnte, mit entsprechend negativen Folgen. Dadurch könnte die Inflationsrate noch weiter hinter dem EZB-Zielwert von unter, aber nahe an 2%“ zurückbleiben.

Die britische Wirtschaft wird sich aus zwei Gründen robust zeigen. Der erste ist die sehr stimulierende Geldpolitik, der zweite das schwächere Pfund, das dem Exportsektor ein deutlich kräftigeres Wachstum als erwartet beschert hat. In den nächsten zwölf Monaten sollten die hohen Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen die britische Wirtschaft stützen. Auch die Lage am britischen Arbeitsmarkt sei positiv. Trotz der jüngsten Zinserhöhung der Bank of England – der ersten seit 2007 – besteht allerdings die Gefahr, dass das schnellere Geld- und Kreditwachstum in Großbritannien die durch die höheren Importpreise bereits gestiegene Inflation noch weiter anheizen könnte. Es ist daher damit zu rechnen damit, dass die britische Wirtschaft mit einer Rate von rund 1,5% wachsen wird, bis sich die mit den Brexit-Verhandlungen verbundenen Ungewissheiten aufgelöst haben.

Die japanische Wirtschaft wächst inzwischen seit sechs Quartalen in Folge und erlebt damit die längste positive Wachstumsphase seit mehr als zehn Jahren. Ich prognostiziere für 2018 ein stabiles Wachstum, das aber mit rund 1,2% hinter den Wachstumsraten der USA und Eurozone zurückbleiben wird. Trotz der massiven qualitativen und quantitativen Lockerungsmaßnahmen der Bank of Japan werde die Inflation zwar schwach, aber immerhin positiv bleiben.

Sowohl China als auch die asiatischen Schwellenländer werden von der leichten Belebung des Welthandels profitieren. Das werde die Rohstoffpreise stützen, vermutlich aber nicht für einen Rohstoffboom in nächsten Jahr reichen. China ist das bei weitem größte Schwellenland und der größte Rohstoffkäufer auf dem Weltmarkt. Daher würde sich der Ausblick für die rohstoffexportierenden Industrie- und Schwellenländer deutlich verbessern, wenn es China gelänge, in den nächsten ein bis zwei Jahren eine beständige binnenwirtschaftliche Erholung anzustoßen. Angesichts des weiterhin nur moderaten Wachstumstempos in den Industrieländern könnte der Aufschwung in China nicht ausreichen, um in allen rohstoffproduzierenden Volkswirtschaften eine Erholung anzustoßen.




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