Der dritte Weg des Investierens

Seit Jahren geistern Begriffe wie Factor Investing, Smart, Systematic oder Strategic Beta durch die Investmentwelt. Es gibt keine einheitliche Definition und so bleibt oft unklar, was sich dahinter verbirgt. Nur wer den Überblick hat, ist erfolgreich. Dr. Bernhard Breloer von Robeco gibt einen kurzen Einblick.

Factor Investing ist zwischen einer rein passiven Geldanlage und dem traditionellen aktiven Fondsmanagement angesiedelt. Dieser dritte Weg des Investierens hat eine wissenschaftliche Grundlage. Akademiker haben herausgefunden, dass die Auswahl der Faktorprämien häufig die Wertentwicklung eines Portfolios mitbestimmt. Factor Investing ist die regelbasierte Allokation von Aktien nach erforschten Kriterien.

Im Aktienbereich hat sich diese Anlagestrategie bewährt. Factor Investing lässt sich auch auf andere Anlageklassen wie Unternehmensanleihen übertragen, wie unter anderem Robeco-Forscher zeigen konnten.

Nur wenige robuste Faktoren im Faktor-Zoo

Auch wenn Faktorprämien in den vergangenen Jahrzehnten durch akademische Studien nachgewiesen wurden, kam es erst in den vergangenen zehn Jahren zu einem Durchbruch für den Factor-Investing-Ansatz. So ließ der größte europäische Investor, der norwegische Ölfonds, nach der Finanzkrise die Performance und Diversifikation seines milliardenschweren Portfolios von drei Akademikern (Ang, Götzman und Schäfer) untersuchen. Die Untersuchung ergab, dass einige wenige Faktoren die Performance des Ölfonds erklären konnten.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Investoren müssen einige Regeln beachten, um den Überblick zu behalten. Es gibt hunderte Faktoren, den sogenannten „Faktor-Zoo“, aber nur wenige davon sind robust. Robuste Faktoren haben einige Vorteile: Sie bringen (risikoadjustiert) einen Mehrertrag, erweisen sich als stabil über verschiedene Zeiträume hinweg und sind in verschiedenen Regionen der Welt zu finden. Zu dieser Gruppe gehören die Faktoren Low Risk, Quality, Value und Momentum. Jeder dieser Faktoren kann über dazugehörige Kriterien dargestellt werden, wie dem Buch-Marktwert-Verhältnis für den Faktor Value.

(Quelle: Global Investor/Robeco)

Strenge Regeln zum Erfolg

Factor Investing folgt strengen Regeln. Bei der Konstruktion eines einfachen Faktorportfolios werden für jede Anlageperiode (Monat, Quartal, Jahr) Aktien auf Basis eines Subkriteriums sortiert und die besten Aktien (Top zehn, 20, 30 Prozent) gekauft. Die so gebildeten Portfolios werden in bestimmten Zeitabständen neu ausgerichtet (Rebalancing).

Kombination verschiedener Strategien

In der Praxis nutzen Faktorstrategien auch die Kombination mehrerer Faktoren. In der Regel können einfache Faktorstrategien auf unterschiedliche Weisen verbessert werden. Zunächst sollten Investoren eine Diversifikation verschiedener Kriterien pro Faktor in Betracht ziehen. Der Value-Faktor kann beispielsweise neben dem Buch-Marktwert-Verhältnis auch über operative Value-Kennziffern oder die Dividendenrendite abgebildet werden. Entsprechend können verschiedene Value-Kennziffern gleichgewichtet miteinander kombiniert werden, was die Ergebnisse stabilisieren kann. Darüber hinaus sollten die Risiken einfacher Faktor-Strategien gesenkt und gegebenenfalls bessere Subkriterien gewählt werden. So weisen einfache Preis-Momentum-Strategien ein höheres Risiko auf, wenn es zu abrupten Marktwechseln kommt. Bei steigenden Kursen tendieren Momentum-Aktien dazu, ein höheres Marktrisiko (Beta) zu haben und umgekehrt. Kommt es zu einem Crash, partizipieren sie entsprechend überproportional. Gleiches gilt, wenn die Kurse nach längeren Abwärtsphasen plötzlich steigen, wie im März 2009. Das Risiko im Portfolio können Anleger jedoch reduzieren, indem Momentum-Signale um das Markt-Beta und andere Risikofaktoren bereinigt werden.




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