Die Risiken des Klimawandels

Nachhaltigeres Investieren trifft zunehmend auf Befürworter und verursacht eine deutliche Zunahme von Assets in nachhaltigen Strategien. Beeinflusst wird dieser Trend durch die Entscheidung institutioneller Investoren eine nachhaltige Strategie zu verfolgen sowie neuer Gesetzesvorhaben.

 

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Ausrichtung der Wirtschaft wächst auch in der Finanzbranche. So sind in den letzten Jahren die Assets in nachhaltigen Strategien kontinuierlich angestiegen. Besonders die Entscheidungen institutioneller Investoren für eine nachhaltige Anlagestrategie verschieben das Gewicht in Richtung nachhaltiger Kriterien der Investmentbranche. Auch formell wurden wichtige Weichen dafür gestellt.

Gesetzlicher Rahmen

Der von der EU-Kommission am 8.März 2018 vorgelegte „Aktionsplan für nachhaltige Finanzierungen“ stellt zehn Maßnahmen, die teils legislativer, teils nicht-legislativer Natur sind, für eine nachhaltige Umwandlung der Finanzwirtschaft vor, darunter eine EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzprodukte und Einrichtung einer 30-köpfigen Arbeitsgruppe, die Vorschläge für die Umsetzung erarbeiten sollen. Das von der EU forcierte Klassifikationssystem soll unter anderem zukünftig die Basis für EU-Labels für „grüne“ Finanzprodukte bilden.  Die Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) des Finanzstabilitätsrats, die in Folge der UN-Klimakonferenz von Paris gegründet wurde, hat 2017 endgültige Empfehlungen an Unternehmen zu wirksamen Angaben klimabezogener Finanzrisiken veröffentlicht. So hat die TCFD vier Bereiche festgelegt, zu denen Unternehmen gegenüber wichtigen Stakeholdern wie Investoren, Gläubigern oder Versicherern regelmäßig Auskunft geben sollen: Governance, d.h. Angaben dazu, inwiefern die Unternehmensführung auf klimabezogene Risiken und Chancen eingeht; Strategie, d.h. Angaben zu tatsächlichen und möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Unternehmensstrategie; Risikomanagement, d.h. Offenlegung darüber wie das Unternehmen klimabezogene Risiken identifiziert, beurteilt und steuert sowie Maßzahlen und Ziele, die das Unternehmen verwendet, um klimabezogene Risiken und Chancen einzuschätzen und zu managen.

Das Klimarisikomodell

Insight Investment hat die TCFD-Richtlinien zum Anlass genommen, systematisch die Klimabilanz von Anleihen-Emittenten auszuwerten. Das neu geschaffene Klimarisikomodell ist unseres Erachtens das erste umfassende Ranking der Asset-Management-Industrie, das zeigt, wie Emittenten von festverzinslichen Unternehmensanleihen ihre mit dem Klimawandel verbundenen Chancen und Risiken managen, und wie sie sich für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft positionieren. Es richtet sich vor allem an institutionelle Anleger, die Risiken und Chancen in ihren Investmentportfolios im Zusammenhang mit dem Klimawandel bewerten möchten. Für das Klimarisikomodell wurden die Daten von rund 1.900 Unternehmen anhand von 35 Kriterien entlang der vom TCFD definierten Bereiche Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Metriken und Ziele ausgewertet. Darüber hinaus wurden die Sektoren der Anleiheemittenten einer von drei Risikogruppen zugeteilt, um die spezifischen Risiken der Sektoren durch den Klimawandel miteinzubeziehen. Die Unternehmensdaten wurden aus unabhängigen Quellen, wie dem Carbon Disclosure Project, MSCI und Bloomberg bezogen.

Wichtige Erkenntnisse

Aus der aktuell erfolgten umfassenden Analyse anhand des Klimarisikomodells konnten wir erste wichtige Erkenntnisse ziehen:

  1. Die Ergebnisse der Emittenten sind breit gestreut – was darauf hindeutet, dass es bei der Herangehensweise an klimabezogene Themen erhebliche Divergenzen gibt. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede in der Einstufung, die die Managementpraktiken, Prozesse und Leistungen führender Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern widerspiegeln. Folglich zahlt sich eine detaillierte Emittentenanalyse aus, wenn es darum geht, klimabedingte Risiken zu identifizieren.
  2. Investment-Grade-Emittenten scheinen Klimarisiken besser zu managen als Unternehmen aus dem High-Yield-Segment. Detaillierte Analysen sind für High-Yield-Emittenten im Vergleich zu ihren Investment-Grade-Peers umso wichtiger. Die Performance von Investment-Grade- und High Yield-Emittenten weicht deutlich voneinander ab. Die schlechteren Ergebnisse für High Yield-Emittenten sind auch darauf zurückzuführen, dass in diesem Segment Unternehmen aus dem Energiesektor, einer Hochrisikobranche bezüglich des Klimawandels, überdurschnittlich häufig vertreten sind. Eine detaillierte Analyse für High Yield-Emittenten lohnt sich also.
  3. Die Offenlegungspflichten von Anleiheemittenten zum Klimawandel sind nach wie vor sehr dürftig. Zwar gibt es Ausnahmen, aber die meisten Unternehmen liefern einfach nicht genügend Informationen, damit die Anleger die Risiken und Chancen, die mit den Auswirkungen des Klimarisikos verbunden sind, richtig einschätzen können.

Wir hoffen, dass sich das mangelhafte Berichtswesen zu Klimarisiken mit der Aufnahme der TCFD-Empfehlungen verbessern wird, wenn die Regierungen die Einführung formaler Offenlegungspflichten für Unternehmen zum Klimawandel umsetzen und wenn zusätzlich Investoren beginnen, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, ihre klimabezogenen Risiken offenzulegen.

 




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