Diese fünf Megatrends bestimmen die globalen Märkte

Makroökonomische Entwicklungen sind oftmals entscheidend, um die Veränderungen auf den Finanzmärkten zu verstehen und zu nutzen. UBS Asset Management (UBS-AM) sieht fünf Megatrends in den Bereichen Wirtschaftswachstum, Volatilität, Inflation und Anleiherenditen, Geopolitik und Protektionismus sowie Geldpolitik, die Einfluss auf die Finanzmärkte nehmen werden. Diese fünf Trends können Investoren nutzen; denn sie eröffnen interessante Anlagemöglichkeiten – vorausgesetzt, bestehende Handelskonflikte weiten sich nicht unkontrolliert aus.

Trend 1: Keine Rezession in Sicht – Globales Wachstum stabilisiert sich

«Wir sehen kaum strukturelle Ungleichgewichte, die einen scharfen Rückgang des Nachfragewachstums ankündigen könnten. Unsere eigenen Rechenmodelle zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten 18 Monaten gering ist. Angesichts einer insgesamt weiterhin expansiven Geldpolitik betrachten wir die jüngste Dämpfung nicht als Vorboten eines bedeutsamen Nachfragerückgangs», so Erin Browne, Head of Asset Allocation bei UBS-AM zur zukünftigen Wachstumsentwicklung.

Mögliche Risiken für das globale Wachstum

«Ein Risiko besteht im Handelskonflikt zwischen den USA und China – und zwar genau dann, wenn vor dem Hintergrund politischer Unsicherheiten im Euroraum und in ausgewählten Schwellenländern der Konflikt über die jüngsten Ankündigungen hinaus deutlich eskaliert», so die Investmentexpertin von UBS-AM.
Ein weiteres Risiko birgt China. In dem Augenblick, wenn die US-Sanktionen greifen, muss es dem Land gelingen, seine Wirtschaft komplett neu auszurichten sowie die Verschuldung und die Risiken im Finanzsektor deutlich zu reduzieren.
Eine dritte negative Bewegung erzeugt ein unerwartet schneller Anstieg von Inflation und Zinsen in den USA, was zu erschwerten Finanzierungsbedingungen führen und der Konjunktur schaden könnte.

Positiver Ausblick

Keines dieser Szenarien entspricht der Basisannahme von UBS Asset Management. «Wir erwarten, dass sich das globale Wachstum zumindest teilweise wieder synchronisiert, wenn sich die Nachfrage außerhalb der USA vom aktuell niedrigen Niveau erholt und die jüngsten Konjunkturmaßnahmen in China Wirkung zeigen», sagt Erin Browne.

Trend 2: Höhere Volatilität

Die aktuelle US-Wachstumsperiode ist bereits die zweitlängste der Nachkriegszeit. Mit dem Voranschreiten des Zyklus vergrößert sich die Spannweite möglicher Wachstums-, Inflations- und Zinsentwicklungen, nachdem Investoren seit der Finanzkrise meist nur sehr enge Zielkorridore gewohnt waren. Auf einem sehr einfachen Niveau sollte diese Unsicherheit, auch wenn sie nur moderat zunimmt, zu einem generellen Anstieg der Volatilität bei allen US-Anlageklassen führen.

Quantitative Lockerung der Fed

Auch wenn die globale Notenbankliquidität aufgrund der anhaltenden quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan weiter zunimmt – und Zinsanhebungen in beiden Regionen wohl noch auf sich warten lassen –, spielt das Handeln der US-Notenbank (Fed) eine besonders große Rolle für Investoren. «Wir sind davon überzeugt, dass die Fed die US-Geldpolitik nur schrittweise normalisieren wird, und nur dann, wenn die Datenlage solche Schritte erfordert», so Browne.
Gleichwohl entwickelt sich die US-Geldpolitik – trotz realer Zinssätze um den Nullpunkt – allmählich weniger expansiv. Und da die Absicht und das Ergebnis der quantitativen Lockerung darin bestanden, risikofreudiges Verhalten zu fördern und die Volatilität der Anlageklassen zu dämpfen, weist ihre teilweise Rücknahme darauf hin, dass der Risikoappetit der Investoren insgesamt moderat abnehmen und die Volatilität zunehmen dürfte.

Historisch führt der Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA mit einem zeitlichen Abstand von rund zweieinhalb Jahren zu erhöhter Aktienmarktvolatilität. Der Zusammenhang scheint sich auch in diesem Zyklus zu bestätigen. Die Sorgen der Anleger über die Folgen eines stärkeren US-Dollars mit entsprechend höheren Finanzierungskosten für die Schwellenländer sind seit Mitte des Jahres deutlich gestiegen, also zweieinhalb Jahre nachdem der US-Leitzins erstmals in diesem Zyklus im Dezember 2015 angehoben wurde.

Trend 3: Moderat höhere Inflation und Anleiherenditen

Im Nachgang zur Finanzkrise hat das „Lower for longer“-Narrativ niedriger Inflation und niedriger Zinssätze, getrieben von strukturellen Faktoren wie Globalisierung, reichlich vorhandener Notenbankliquidität, Demografie und Technologie, das Umfeld für Investitionen lange Zeit beherrscht. Dieses weithin akzeptierte Narrativ führte zu anhaltendem Abwärtsdruck auf die nominalen Anleiherenditen und zu sehr niedrigen Volatilitätsniveaus in allen globalen Anlageklassen. Seit der zweiten Jahreshälfte 2016 wird dieses Narrativ jedoch zunehmend hinterfragt und angezweifelt. Die Renditen zehnjähriger nominaler Staatsanleihen aus wichtigen entwickelten Volkswirtschaften tendieren allgemein höher.

«Unserer Ansicht nach werden sowohl die globale Inflation als auch die Anleiherenditen im langfristigen historischen Vergleich niedrig bleiben. Sie dürften weiter ansteigen, wenn sich die Produktionslücken schließen, die Löhne aufgrund der sehr angespannten Arbeitsmärkte in den Industrienationen weiter steigen und die Notenbankliquidität nach Vorbild der USA schrittweise abgezogen wird», sagt Erin Browne.

Trends 4: Geopolitik und Protektionismus

«Egal ob die vergangene Finanzkrise den Katalysator oder nur einen Meilenstein in einem langfristigen Trend darstellt, die Ablehnung der Globalisierungsvorteile und des orthodoxen politischen Mainstreams ist in den Industrienationen in den vergangenen Jahren immer offensichtlicher geworden», so Browne. Die wachsende Unterstützung für Außenseiterkandidaten und -parteien zeigte sich im britischen Brexit-Votum, in der US-Präsidentenwahl und in einer Anzahl europäischer Wahlen in jüngster Zeit.

Trend 5: Geldpolitik – USA, Europa, Japan driften auseinander

Wenn synchronisiertes Wachstum das bestimmende Merkmal der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2017 und Anfang 2018 war, zeigen jüngere Daten eine scharfe Trendwende. Die US-Wirtschaft zeigt sich durch signifikante fiskalpolitische Anreize beflügelt. In Zeiten annähernder Vollbeschäftigung hat sich der Kontrast zwischen der anhaltenden Wirtschaftskraft und den Preissteigerungen in den USA und der wesentlich schwächeren Wachstums- und Inflationsdynamik in anderen wichtigen Volkswirtschaften verstärkt.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die US-Notenbank eine Normalisierung ihrer Politik und hebt die Zinsen an, während ihre europäischen und japanischen Pendants auf weitere überzeugende Belege für eine nachhaltig anziehende Kerninflation warten. «Wir gehen davon aus, dass, angesichts der relativ schwachen Daten aus den Industrieländern, außerhalb der USA die Geldpolitik sowohl im Euroraum als auch in Japan noch längere Zeit locker bleiben dürfte», sagt Erin Browne.

Bank of Japan

Die Bank of Japan (BoJ) hat vor Kurzem ihre offizielle Politik der Zinskurvenkontrolle angepasst, indem sie die oberen und unteren Zinsgrenzen ausweitete, in denen sie weiterhin zehnjährige Staatsanleihen aufkauft, um die Volkswirtschaft zu unterstützen. Jede Interpretation dieses Schrittes als geldpolitische Straffung muss jedoch auch die Senkung der BoJ-Inflationserwartungen und die Einführung zukunftsgerichteter Hinweise mit dem Versprechen, die Renditen für längere Zeit niedrig zu halten, berücksichtigen. Die BoJ hat außerdem angedeutet, dass eine Anhebung der offiziellen kurzfristigen Leitzinsen vor der für 2019 geplanten Mehrwertsteuererhöhung in Japan unwahrscheinlich ist.

Europäische Zentralbank

Die jüngste Rhetorik der Europäischen Zentralbank (EZB) war ähnlich zurückhaltend. Während sie das endgültige Auslaufen ihres Programms der quantitativen Lockerung zum Jahresende 2018 ankündigte, versicherte die EZB den Investoren zugleich, dass Zinssteigerungen nicht vor Sommer 2019 erfolgen werden. Inzwischen setzt die EZB die Wiederanlage der signifikanten Erlöse aus fälligen Anleihepositionen fort.
In vielen anderen Volkswirtschaften der G10 wird eine Zinsanhebung der lokalen Notenbanken durch die hohe Schuldenbelastung der Privathaushalte erschwert. Insbesondere üben Sorgen über das hohe Niveau der Verbraucherverschuldung weiterhin Druck auf G10-Währungen wie den australischen Dollar und den Neuseeland-Dollar gegenüber dem US-Dollar aus.




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