Dürre treibt Weizenpreis

Zu der aktuellen Situation der Dürreperiode beim Weizen bezogen auf die weltweite Ernte anbei ein Kommentar von Aneeka Gupta, Associate Director – Equity & Commodities Strategist bei WisdomTree.

Weizen war in diesem Jahr mit einem Plus von 32,8 % bis zum 9. August 2018 das bislang erfolgreichste Rohstoffprodukt. Der Aufwärtstrend wurde durch ungünstige Witterungsbedingungen in bedeutenden Weizenanbaugebieten unterstützt. In den USA, Europa und Australien herrschen in den letzten Monaten immer trockenere und wärmere Bedingungen für die Weizenernte. Nach der Einstufung als Absatzmarkt mit ausreichendem Angebot haben sich die Aussichten für die Weizenmärkte in diesem Jahr dramatisch gewandelt. Die weltweite Weizenproduktion wird voraussichtlich zum ersten Mal seit sechs Jahren zurückgehen. Was im Jahr 2018 als Sorge um die US-Winterweizenproduktion begann, entwickelte sich aufgrund der außergewöhnlich warmen Witterung zu einer tieferen Sorge um die Produktion aus der EU, Russland und Australien. In den jüngsten Monatsprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums vom 10. August 2018 wurden die weltweiten Weizenlieferungen in diesem Monat um 7,1 Mio. Tonnen reduziert, was vor allem auf die geringere EU-Produktion zurückzuführen ist.

Source: USDA, Bloomberg, WisdomTree

Die anhaltende Dürre in Deutschland hat die Deutsche Landwirtschaftsgenossenschaft DRV veranlasst, ihre Prognose für die deutsche Getreideernte auf 36,3 Mio. Tonnen nach unten zu korrigieren und damit den niedrigsten Stand seit 1994 zu erreichen. Laut DRV soll die Ernte um 20 % unter dem Vorjahreswert und damit um fast 25 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Binnennachfrage zum ersten Mal seit langem nicht mehr gedeckt wird. Auf der anderen Seite wird die russische Weizenproduktion laut US-Wirtschaftsministerium voraussichtlich um 1 Mio. Tonnen steigen, da die Bedingungen für Frühjahrsweizen weiterhin günstig sind. Es wird erwartet, dass Russland das zweite Jahr in Folge der weltweit führende Weizenexporteur bleibt. Das US-Außenministerium geht davon aus, dass der Welthandel 2018/19 vor allem aufgrund der geringeren EU-Ausfuhren, die um 4,5 Mio. Tonnen zurückgegangen sind und damit den niedrigsten Stand seit sechs Jahren erreichen, niedriger ausfallen wird.

Die Aussichten für 2018/19 von US-Weizen von der USDA für diesen Monat sind dagegen auf niedrigere Lieferungen, einen höheren Verbrauch und geringere Lagerbestände beschränkt. Aufgrund der Reduzierung der Winterweizen- und Hartweizenproduktion, wie im Augustbericht der NASS angegeben, wird die Weizenproduktion in den USA voraussichtlich um 4 Mio. Bushel auf 1,87 Mrd. abnehmen. Der prognostizierte Nahrungsmittelverbrauch wurde um 5 Mio. Bushel auf 970 Mio. erhöht, der höchste Wert seit Beginn der Berichtsperiode. Australien hat den wärmsten Winter seit mehr als 100 Jahren erlebt, ganz zu schweigen vom trockensten. Der östliche Teil Australiens leidet unter anhaltenden Dürren, die den Getreideanbau beeinträchtigt haben. Die Erwartungen für die nächste Weizenernte sind düster, mit Prognosen von bis zu 13 Mio. Tonnen, die weit unter der enttäuschenden letzten Ernte von 21,2 Mio. Tonnen liegen. Dies dürfte die globale Produktion in der Saison 2018/19, die bereits von USDA herabgestuft wurde, weiter dämpfen.

Kanada ist eine Ausnahme unter den Ländern, die eine geringere Weizenproduktion voraussagen, da es für 2018/19 einen zunehmend engeren globalen Weizenmarkt erwartet. Hinzu kommt, dass das USDA einen Anstieg der kanadischen Weizenproduktion um 7% auf 31,15 Mio. Tonnen prognostiziert. Außerdem wird aufgrund der anhaltenden diplomatischen Konflikte zwischen Kanada und Saudi-Arabien in der Frage der Menschenrechte ein wichtiger Verbraucher wahrscheinlich nicht in den Genuss kanadischer Weizenausfuhren kommen. Dies wurde bestätigt, nachdem die saudische Getreideorganisation (SAGO) den Exporteuren mitgeteilt hatte, dass Saudi-Arabien Kanada bei der Ausschreibung von Weizen- und Gerstenlieferungen nicht mehr berücksichtigen wird. Dies könnte anderen Anbietern wie den USA, der EU und Russland in Form einer höheren Nachfrage aus Saudi-Arabien zugutekommen und damit ihre Preise erhöhen. Im vergangenen Jahr waren Litauen, Lettland und Deutschland die drei wichtigsten Weizen exportierenden Länder in Saudi-Arabien.

Market share of global exporting suppliers to Saudi Arabia

Source: Global Trade Atlas, Foreign Agricultural Service, WisdomTree, data available as of close 09 August 2018

 




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