Durch den IPO-Dschungel europäischer Small Caps finden

„Allein der Blick auf einige sehr erfolgreiche Entwicklungen im Technologiesektor genügt, um einen Eindruck von dem Gewinnpotential zu gewinnen, das ein frühzeitiges Investment haben kann“, sagt Ben Griffiths, Portfoliomanager bei T. Rowe Price. Ein Kommentar zu Risiken und Chancen bei neuen IPOs.

Ein verbessertes politisches und ökonomisches Umfeld in Europa sorgte zuletzt zusammen mit höheren Bewertungen wieder für mehr Börsengänge (Initial Public Offering, IPO) – mit einem trendmäßigen Schwerpunkt bei kleineren Unternehmen. Ein Investment in IPOs ist für Anleger attraktiv, da ein solches ihnen frühzeitig Zugang zu jungen Unternehmen und somit zu den potentiellen Branchenführern von Morgen verschafft. Allein der Blick auf einige sehr erfolgreiche Entwicklungen im Technologiesektor genügt, um einen Eindruck von dem Gewinnpotential zu gewinnen, das ein frühzeitiges Investment haben kann. Doch auf jedes erfolgreiche IPO-Unternehmen kommen viele mehr, deren Weg nicht durch Erfolg gekennzeichnet ist. Unserer Erfahrung nach zeigt sich die beste lang- und mittelfristige Wertentwicklung eher bei IPO-Investments in Unternehmen, die etabliert sind und nachhaltig wachsen, denn bei ‚heißen‘ Aktien oder Unternehmen geringerer Qualität.

Viele IPO-Investoren verfolgten einen kurzfristig orientierten Ansatz in der Hoffnung, schnelle Gewinne zu realisieren. Wir sind jedoch von mittel- und langfristigen Engagements überzeugt. Sobald wir ein Qualitätsunternehmen mit einem guten Wachstumspotenzial identifiziert haben und dieses unserer Ansicht nach vernünftig bewertet ist, bauen wir darauf, dieses Unternehmen zu unterstützen, um so langfristige Wachstumschancen vollumfänglich zu nutzen. Zwar gingen mit IPOs viele Risiken einher, aber mit Erfahrung und dem Willen, den notwendigen Rechercheaufwand zu betreiben, sei es möglich, qualitative Jungunternehmen zu finden und dadurch langfristiges Wachstumspotential bereits auf einer frühen Stufe aufzugreifen. Das Risikopotential stamme dabei insbesondere aus drei Quellen:

1. Der Verkäufer bestimmt den Ausstiegszeitpunkt

Die Person oder die Personen, die das Unternehmen verkaufen, sind auch diejenigen, die entscheiden, wann sie aussteigen und das Unternehmen an die Börse bringen. Mit einem IPO wollen die Besitzer eines Unternehmens, seien es die Gründer, private Investoren oder Venture Capitalists, entweder neues Kapital generieren, um das Geschäftswachstum anzukurbeln, oder aber sie wollen ihr eigenes Investment vergolden. Unabhängig des Motivs geht es letztlich darum, den bestmöglichen Preis zu erzielen. Um erfolgreich zu sein, muss ein IPO vernünftig bepreist werden. Von einem zu hoch angesetzten IPO, der zu einem scharfen Fall des Aktienkurses führen könne, erholt sich ein Unternehmen häufig nur unter großer Anstrengung. Ein vernünftigerer Ausgabepreis ist daher die beste Grundlage für eine konstante, positive Entwicklung. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die Verkäufer Investoren im Unternehmen blieben und Folgeplatzierungen beachten müssten.

2. Häufig ist nur kurzfristiges Interesse vorhanden

Die Entscheidung, ein Unternehmen an die Börse zu bringen, wird oft Jahre vor der eigentlichen Ankündigung eines IPOs getroffen. Gelegentlich könnte das dazu führen, dass die Geschäfte mit einem kurzfristigen Fokus verwaltet würden, und mit der reinen Absicht, vor einem IPO eine positive Fassade aufzubauen und einen möglichst hohen Wert zu erzielen. Die guten Verkäufer sind diejenigen, die sich weiterhin auf langfristiges Wachstum fokussieren, statt nur die kurzfristigen Ergebnisse im Blick zu haben. Die Analyse der vergangenen Jahrzehnte zeigt einen klaren Zyklus. Unserer Erfahrung nach ist es besser, IPOs in gemäßigteren Zeiten und nicht zu Höchstständen zu kaufen, selbst wenn es dann immer noch eine sehr breite Streuung der Erträge gibt. Hier sind Erfahrung und Recherchekapazitäten der Schlüssel. Sie helfen dabei, die Marktgeräusche zu filtern und auf die Qualität des Geschäfts sowie dessen langfristiges Wachstumsprofil fokussiert zu bleiben.

3. Informationsgefälle zum Nachteil der Investoren

Darüber hinaus ist es schwierig genug, die fundamentale Qualität eines etablierten Unternehmens abzuschätzen. Bei einem Privatunternehmen ist dies ungleich problematischer, da hier klassischerweise nur sehr wenige Informationen oder historische Datensätze verfügbar sind. Investoren haben bei einem IPO einen klaren Informationsnachteil. Als alleinige wirkliche Informationsquelle bleibe der Emissionsprospekt. Doch sogar hierbei variiert die Menge und Qualität der Informationen von einem Unternehmens-IPO zum nächsten. Aber auch wenn es zutreffen sollte, dass wenige IPOs attraktive Investmentgelegenheiten sind, können wir – auf Basis unserer Bewertung des Wachstumsprofils des Unternehmens und unseres langfristigen Investment-Horizonts – noch immer einige Titel ausfindig machen, die eine vernünftige Bewertung aufweisen.

Viele Investoren sind immer noch der Ansicht, dass Investitionen in IPOs günstigen Zugang zu aufstrebenden und wachstumsstarken Unternehmen bieten. Tatsächlich zeigt jedoch die Empirie, dass ein großer Prozentsatz dieser Unternehmen vergleichsweise schlechter abschneide als ihre Mitbewerber und der breitere Markt, hauptsächlich weil sie beim Börsengang überteuert sind. Die mit IPOs verbundenen Risiken und die kurzfristige Einstellung vieler Anleger bedeuten ein nennenswertes Verlust-Potential. Gleichwohl können IPO-Investments auch gute und sogar sehr gute Wachstumschancen bieten. Um solche zu entdecken, ist eine intensive Recherche und Analyse der Unternehmen und ihrer Vorzüge sowie eine entsprechende Bewertung nötig. Diese Faktoren in Verbindung mit einem längerfristigen Anlagehorizont sind die Grundlage, um mit Investitionen in hochqualitative Unternehmen und ihren IPO außergewöhnliche Erträge zu erwirtschaften.




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