Ein Plädoyer für Junk-Bonds

High Yield-Anleihen mit ihren festverzinslichen und aktienähnlichen Merkmalen werden von einigen Anlegern kritisch betrachtet, doch ein genauerer Blick auf diese Anlageklasse vor dem Hintergrund des aktuellen Marktumfelds lohnt.

Es ist schnell eskaliert. 2018 war für die meisten Geldmarktanlagen ein turbulentes Jahr. Vor allem, weil das vorherrschende geldpolitische System des letzten Jahrzehnts – die quantitative Lockerung – umgestellt werden sollte, um die Entwicklung in eine „normalere“ Phase zu bringen.

Von den Schwellenländern und Aktien bis hin zu den traditionell eher stagnierenden Investment-Grade- und Staatsanleihenmärkten war 2018 für die Kapitalmärkte ein überaus schlechtes Jahr. Jüngsten Untersuchungen der Deutschen Bank zufolge verzeichneten rund 89 Prozent der Anlageklassen bis Ende Oktober negative Jahresrenditen (in US-Dollar) – der jemals höchste erfasste Anteil seit 1901.

Zur Überraschung vieler entwickelte sich der High Yield-Markt bemerkenswert gut. Dies widerspricht scheinbar der Wahrnehmung der meisten Menschen von dieser Anlageklasse. Mit ihren festverzinslichen und aktienähnlichen Merkmalen sowie einer erhöhten Marktvolatilität erscheint sie im aktuellen Umfeld wie ein Katastrophenrezept. Das bedeutete nicht, dass die Anlageklasse in diesen Turbulenzen nicht „billiger“ geworden ist; vielmehr ist die Rendite des globalen High-Yield-Index von 5,25 Prozent zu Beginn des Jahres 2018 auf rund 6,6 Prozent Ende Oktober gestiegen.

Carry-Effekt: Vorteil im Niedrigzinsumfeld

Dass High Yield in der Gewinnzone geblieben ist, liegt an dem oft übersehenen und dauerhaften Carry-Effekt. Die Bewertung einer Aktie wird durch den Nettobarwert weit auseinanderliegender (und oft theoretischer) Cashflows dominiert. High Yield hat eine sicherere Sichtweise auf aktienähnliche Renditen und setzt auf die Einlösung über hohe, vertraglich vereinbarte, halbjährliche Coupons.

Ebenso haben festverzinsliche Instrumente mit niedrigerer Rendite (auf Staats- und Investment-Grade-Märkten) ein Carry-Niveau, das die Kapitalschwankungen oft nicht ganz ausgleichen kann, die sich aus Veränderungen im zugrundeliegenden Zinsumfeld ergeben. Dank des High Yield-Carry kann sich die Anlageklasse schneller an Veränderungen im Renditeumfeld anpassen. Die relativ geringe Duration von rund vier Jahren unterstützt das zusätzlich.

High Yield gilt oft als Mittelweg in Bezug auf das traditionelle Anleihen- und Aktienrisiko. Dabei werden die negativen Aspekte jedes einzelnen oft betont. Ein unsicherer Zinsausblick, niedrige Zahlungsausfällen und eine moderat steigende Inflation prägen das derzeitige Anlageumfeld. Hier bietet sie den Anlegern ein wenig das Beste von beidem. Sie sollten also einen genaueren Blick auf diese Anlageklasse werfen.




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