ETFs auf dem Siegeszug

Global Investor hat mit James Butterfil, Head of Strategy & Investment von ETF Securities, und Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions at ETF Securities, über die Zukunft des aktiven Managements gesprochen. Braucht es aktive Manager überhaupt noch?

Warum sollten institutionelle Investoren in ETFs investieren und nicht in aktiv verwaltete Fonds?

Es gibt Zeiten, in denen Anleger in aktiv verwaltete Fonds investieren sollten. Das bezieht sich vor allem auf Nischenmärkte und auf bestimmte Zyklusphasen, da aktiv verwaltete Fonds selten über einen ganzen Zyklus gut performen.

Passive Fonds werden über kurz oder lang die Fonds ersetzen, die zwar scheinbar aktiv gemanagt werden und auch die Gebühren dementsprechend berechnen, aber eigentlich nur den Index nachbilden. Sie klammern sich geradezu an ihren jeweiligen Benchmark-Index. In Studien haben wir herausgefunden, dass aktive Fonds in den USA, Europa und den Emerging Markets langfristig nicht in der Lage sind, besser zu performen als ihre passiven Pendants. Investoren werden solche Fonds in absehbarer Zeit gegen passive Produkte eintauschen, weil sie gleichwertige Ergebnisse zu einem günstigeren Preis anbieten. ETFs werden tatsächlich immer beliebter. Mittlerweile sind etwa 17 Prozent aller Fonds passiv.

Es gibt jedoch sehr gute aktive Fonds. Sie zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie langfristige Ansätze verfolgen und sich auf eher wenige Unternehmen beschränken, in die sie investieren. Das Geschäft wird sich also polarisieren: Einige wenige überdurchschnittlich erfolgreiche und aktiv verwaltete Fonds auf der einen Seite, zahlreiche ETFs auf der anderen. Die mittelmäßigen aktiven Fonds werden verschwinden.

ETFs sind auch bei den technikaffinen Millenials beliebt. Inwiefern investieren diese anders als Baby Boomer?

Das größte Problem ist, dass sie zu wenig investieren. Das hat viele Gründe, wie zunehmende Ungleichheit oder steigende Immobilienpreise. Sie sparen eher und geben weniger aus als ihre Eltern. Das könnte sich als Hindernis für das Wirtschaftswachstum erweisen. Wir denken jedoch, dass diese Entwicklung vor allem den politischen Schwierigkeiten weltweit geschuldet ist. Sie werden mehr Geld ausgeben, wenn sie älter werden. Letztendlich werden die Immobilienpreise korrigieren, oder zumindest die Löhne werden so weit ansteigen, dass Eigentumswohnungen und Grundstücke wieder erschwinglicher werden. Wenn das nicht geschieht, enden wir in einer ähnlichen Situation wie Japan. Dort sind Wohnräume so teuer, dass jeder seine Wohnung nur noch mietet. Dass diese Situation in der westlichen Welt eintritt, ist nicht unwahrscheinlich.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die höhere Konzentration von Millenials in Emerging Markets. Die Industrienationen altern. Das unterscheidet Schwellenländer von Industrienationen.

Investieren Millenials demnach eher in ETFs, als in aktiv verwaltete Produkte?

Wir glauben, dass die Millenials in Industrienationen anders investieren werden, als ihre Vorgänger. Wenn sie den Investitionsmarkt für sich entdecken, werden sie viel mehr Robo-Advisor und anwendungsbasierte Methoden nutzen. Damit sparen die technikaffinen Millenials Geld und teurere Face-to-Face-Interaktionen werden dann seltener. Schon jetzt nutzen mehr und mehr Anleger Robo-Advisor und anwendungsbasierte Anlagestrategien. Millenials werden sich eher auf passive Produkte wie ETFs konzentrieren, weil sie dann keine Provisionen an Berater zahlen müssen.

Dazu gibt es Entwicklungen wie in Großbritannien, wo mit der sogenannten Retail Distribution Review (RDR) mehr Transparenz für den Anleger geschaffen wurde. Die RDR offenbart, wofür Berater bezahlt werden und ob sie unabhängig agieren können. Regelungen wie diese werden sich in Europa weiter verbreiten und auch in Deutschland durchsetzen. Einige Berater werden sich im Zuge dessen neu positionieren müssen und der ETF-Markt wird davon profitieren.

Zur Zeit haben Robo-Advisor aber noch zu kämpfen, da viele ihrer Kunden Millenials sind, die nicht über viel Geld verfügen. Langfristig werden sie aber von ihrem Kundenstamm profitieren, da die Millenials mit ihnen wachsen und weiter investieren werden.




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