Europäische Anleihen verkraften Zinsanstieg

Die europäischen Kreditmärkte entwickelten sich letztes Jahr enttäuschend, besonders im Vergleich zu anderen Risikomärkten wie etwa Schwellenmärkte, schreiben Jonathan Pitkanen und David Oliphant von Columbia Threadneedle Investments.

In den zwölf Monaten bis Ende Januar 2019 weiteten sich die Spreads um etwa 90 Prozent, da viele Anleger angesichts von Anzeichen für eine stärkere Kreditnachfrage und aktionärsfreundliche Maßnahmen einen Kurswechsel der Zentralbank befürchteten. Sollte man sich daher mehr Sorgen über diesen Markt machen oder die Chancen nutzen, die diese attraktiveren Bewertungen (oder Spreads) bieten?

Kurswechsel und Neuverschuldung

In den meisten Industrieländern profitieren Unternehmen seit Jahren von extrem niedrigen Finanzierungskosten (in der Eurozone mitunter sogar von Minuszinsen). Geldinstitute wurden durch die geldpolitische Reaktion auf die globale Finanzkrise belohnt, als die Zinsen drastisch gesenkt und Vermögenswerte, unter anderem auch die eigenen Unternehmensanleihen, von der Europäischen Zentralbank gekauft wurden. Diese Maßnahmen haben außerdem dazu beigetragen, dass die Renditen von Staatsanleihen auf ein jahrzehntelang nicht erreichtes Niveau gesunken sind. Da sich die Preise von Unternehmensanleihen an diesen Niveaus orientieren, waren die Kreditbedingungen zehn Jahre lang extrem günstig.

Für viele Unternehmen war das angebotene „billige“ Geld wie nicht anders zu erwarten zu verlockend, sodass sie mehr fremdfinanzierte Fusionen und Übernahmen tätigten und sich aktionärsfreundlicher verhielten, unter anderem mit Aktienrückkäufen. Einige Akteure haben dabei enorme Schulden angehäuft. Diese sind angesichts der extrem niedrigen Renditen oder Zinsen zwar relativ leicht zu finanzieren, könnten aber zum Problem werden, sollten die Finanzierungskosten wesentlich steigen oder sich normalisieren. Der europäische Investment-Grade-Markt ist vor diesem Hintergrund von rund 800 Milliarden Euro Anfang 2005 auf über 2,1 Billionen Euro Ende Januar 2019 etwa um das Zweieinhalbfache gewachsen.

Schlechter bewertete BBB-Anleihen auf dem Vormarsch

Die Ratingagenturen haben mit ihren Maßnahmen einen so genannten „BBB-Rating-Überhang“ in Europa und den USA herbeigeführt. Den Daten der ICE Bank of America Merrill Lynch zufolge ist der Anteil dieses unteren IG- Ratingsegments am europäischen Index von etwa 20 Prozent 2005 auf über 45 Prozent Anfang dieses Jahres gestiegen.

Auf Rating-Basis ist der europäische Markt nun ähnlich zusammengesetzt wie sein US-Pendant, obgleich die Gesamtduration des Marktes selbstverständlich um rund zwei Jahre kürzer ist. Einige Experten befürchten, dass eine weitere Herabstufung eines Teils dieser Unternehmen in die Kategorie High Yield, eventuell aufgrund steigender Finanzierungskosten, dem deutlich kleineren europäischen Markt für Hochzinsanleihen Schwierigkeiten bereiten könnte, ein solches zusätzliches Anleihevolumen zu verkraften.

Uns bereitet dies keine allzu großen Sorgen. Die stärkere BBB-Präsenz geht zu einem großen Teil auf die Zunahme von Neuemissionen regulierter Versorger zurück, die sich vor der globalen Finanzkrise noch über Banken finanziert haben, und daneben natürlich auf den Bankensektor. In den Jahren vor der globalen Finanzkrise waren die meisten Bankanleihen höher bewertet, zum Beispiel mit A oder AA. In der späteren Herabstufung spiegelt sich wider, dass die Banken 2005 fehlbewertet waren.




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