Fokus auf Innovation

Investitionen in den Biotechnologie-Sektor waren in letzter Zeit herausfordernd. Doch die Stimmung dürfte sich bald wieder bessern, meinen Thomas Heimann und Dr. Ivo Staijen (beide HBM Partners).

Die Aktien des Gesundheitsmarkts und insbesondere jene der Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen verzeichneten seit Jahresbeginn 2017 ein starkes Kursplus. Bis Mitte Juli stieg der breit gefasste Referenzindex MSCI-World-Health-Care-Index, der die weltweit größten börsengehandelten Gesundheitsunternehmen umfasst, um rund 16 Prozent (in US-Dollar). Die Aktienkurse der innovativen Medikamentenhersteller aus der Biotechnologie nahmen indessen noch stärker zu. Beim Nasdaq-Biotechnology-Index (NBI) resultiert ein Kursplus von knapp 20 Prozent (in US-Dollar) und dies, obwohl Anleger die Branche erst zögerlich (wieder-)entdecken.

Preisdebatte war populäres Thema des US-Wahlkampfes

Doch das Umfeld für Investitionen in die Biotechnologie- Branche war in jüngster Vergangenheit herausfordernd. Nachdem das Segment zwischen 2011 bis Mitte 2015 eine überdurchschnittliche Wertentwicklung gegenüber dem Weltaktienmarktindex (MSCI-World-Index) verzeichnete, reagierten Investoren im Zuge von aufkommenden Unsicherheiten mit einem schnellen Abbau ihres Engagements. Der NBI verlor in der Spitze rund 35 Prozent. Viele dieser Unsicherheiten waren jedoch losgelöst von der fundamentalen Entwicklung der Industrie oder einzelner Unternehmen. Sie sind vielmehr zurückzuführen auf weltpolitische Entwicklungen wie den Brexit und auf die Diskussion über scheinbar generell überhöhte Medikamentenpreise, vorwiegend in den USA.

Die Preisdebatte war ein populäres Thema des US-Wahlkampfes, welches von der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und später, zur Überraschung etlicher Marktauguren, auch von Donald Trump aufgegriffen wurde. Trumps Rhetorik belastete das Sentiment nachhaltig, Trump wies auf mögliche staatliche Interventionen oder gar Preisregulierungen hin. Hinzu kam, dass gewichtigere Neuigkeiten und Unternehmenskäufe ausblieben, die zuvor zusätzlich für steigende Aktienkurse gesorgt hatten. Vor einigen Wochen sickerte nun ein angeblicher Entwurf über eine geplante „Executive Order on Drug Pricing“ der Trump-Administration an die Öffentlichkeit. Es wird nun darüber spekuliert, dass die Anordnung des Präsidenten keinerlei Regulierungen fordert, sondern im Gegenteil die Industrie beispielsweise mit längerem Patentschutz und sogar mehr Freiheiten bei der Preissetzung begünstigen könnte. Die Biotechnologie-Aktien reagierten darauf äußerst positiv und die Erholungsrallye setzte sich fort, auch weil die Aktien zuvor übermäßig an Wert verloren haben.

Die Gesundheitskosten werden ein immer wichtigerer Teil der politischen Debatte sein. Und dies nicht zu Unrecht: Stetig steigende Ausgaben für die Gesundheitsversorgung vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung, insbesondere in den westlichen Industrien-Nationen, sind bis dato ein ungelöstes Problem. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, gab 2015 mehr als 18 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Gesundheitsleistungen aus, und damit weit mehr als jedes andere Land. In Deutschland oder in Europa beträgt der Anteil rund zwölf Prozent. Den Löwenanteil der Ausgaben trägt allerdings nicht der Staat, wie oftmals vermutet, sondern die privaten Haushalte. Dies im Unterschied zu anderen Industrie-Nationen: Rund 60 Prozent gehen in den USA zulasten der Privatpersonen, während es im internationalen Vergleich circa 30 Prozent sind. Das Problem, dass sich viele Amerikaner ihre Gesundheit nicht mehr leisten können, wächst.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt