Fünf Börsenweisheiten auf dem Prüfstand

Beliebte Anlageformen wie Sparbücher und Tagesgeldkonten sind dank der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase unattraktiv, daher halten Finanzexperten Aktieninvestments für alternativlos. Dabei begegnen ihnen immer wieder Faustregeln für die Börse. Kann man diese Börsenweisheiten ernst nehmen?

Börsenweisheiten sollen einen davor bewahren, auf dem mitunter glatten Börsenparkett auszurutschen. Aber ist das Einhalten dieser Handlungsanleitungen wirklich eine Garantie für gewinnbringende Investitionen und Trades? Der Online-Broker GKFX sieht sich fünf gängige Börsenregeln genauer an.

1. The trend is your friend

Diese Regel legt Investoren nahe, sich nicht gegen einen Trend zu stellen, sondern Gewinne laufen zu lassen. Demnach sollte man einer anhaltenden Entwicklung also möglichst lange treu bleiben. „Die große Herausforderung besteht darin zu erkennen, wann ein Trend gestartet ist und wann er sich bereits dem Ende neigt“, weiß Arkadius Materla, Chef des Online-Brokers GKFX in Deutschland. Denn wer zu spät einsteigt, profitiert womöglich kaum noch von diesem Trend. Dennoch ist diese Regel gerade für Börsenneulinge ein wichtiger Leitspruch. „Das meiste Geld verlieren Investoren an der Börse dadurch, dass Gewinne zu schnell mitgenommen und Verluste zu lange laufen gelassen werden“, so Materla.

2. Sell in May and go away…

Dieser Börsenweisheit liegt die Annahme zugrunde, dass die Wintermonate an den Börsen lukrativer sind als der Sommer. Daher würde es sich auszahlen, seine Positionen im Mai zu verkaufen und erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen. Für die Experten von GKFX greift diese Regel zu kurz. „Diese Vorgehensweise funktioniert zu etwas mehr als 50 Prozent. Es ist jedoch unmöglich zu prognostizieren, in welchen Jahren das klappt und in welchen nicht“, sagt Materla. Dass es zwei Varianten dieser Börsenweisheit gibt, ist für Investoren womöglich ein Indikator, sie nicht pauschal zu beherzigen. Während manche an „Sell in May and go away…but remember to come back in September“ glauben, sind andere der Auffassung, dass man erst im November zurückkehren sollte.

3. Buy the rumor, sell the fact

Kaufe bei Gerüchten und verkaufe bei Tatsachen, legt diese Börsenweisheit Investoren ans Herz. Dafür spricht, dass Gerüchte über bevorstehende Firmenübernahmen Kurse teils immens steigen lassen. „Diese Regel zielt auch darauf ab, dass eine Nachricht, wenn sie publik wird, eigentlich bereits schon wieder veraltet ist“, kommentiert Materla. Unangenehm wird dieses Verhalten dann, wenn sich Gerüchte unter dem Strich als falsch herausstellen.

4. Seien Sie ängstlich, wenn die Welt gierig ist und seien Sie gierig, wenn die Welt ängstlich ist

Dieses Zitat von Warren Buffet steht etwas im Widerspruch zur Regel „The trend is your friend“, rät zu mutigem Handeln und ist daher tendenziell etwas für Fortgeschrittene. „Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass wenn alle mit einem Kollabieren der Märkte rechneten, ein guter Einstiegszeitpunkt war“, stimmt Materla zu, der den 11. September samt anschließendem Irak-Krieg sowie die Finanzmarktkrise ins Treffen führt. Allerdings sind hier Geduld und die Bereitschaft gefragt, etwaige Kursverluste auszusitzen.

5. Hin und her macht Taschen leer

Diese Regel warnt vor unruhigem Handeln und überhasteten Panikkäufen und   -verkäufen, vor allem Verfechter der „Buy&Hold“-Strategie argumentieren damit. Wer zu schnell nervös wird, macht in der Tat Fehler und hat darüber hinaus höhere Handelskosten zu bezahlen. Gerade beim Daytrading ist es auch eine mentale Herausforderung, permanent zwischen long und short zu switchen, also einmal von steigenden und dann gleich wieder von fallenden Kursen auszugehen. „Das bedeutet aber nicht, dass man keine Kurskorrekturen vornehmen sollte, wenn man wirklich von einer Entwicklung überzeugt ist“, so Materla. Denn Trends zu folgen, ist prinzipiell nicht verkehrt, wie eine andere Börsenweisheit besagt.




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