Gewinnwachstum sorgt weiter für Auftrieb

In den vergangenen Jahren sind die Gewinne vieler europäischer Unternehmen nicht gewachsen. Jetzt sprudeln sie wieder. „2017 ist das erste Jahr seit Langem, in dem die Firmen wieder ordentlich verdienen. Die Gewinne haben im zweistelligen Bereich zugelegt“, sagt Berenberg-Fondsmanager Matthias Born. Wo lohnt es sich zu investieren?

In den vergangenen Jahren sind die Gewinne vieler europäischer Unternehmen nicht gewachsen. Jetzt sprudeln sie wieder. 2017 ist das erste Jahr seit Langem, in dem die Firmen wieder ordentlich verdienen. Die Gewinne haben im zweistelligen Bereich zugelegt. Da schon in den vergangenen Jahren die Aktienkurse gestiegen sind, haben sich Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis ausgeweitet. Jetzt wurde von einer bewertungsgetriebenen auf eine gewinngetriebene Aktienmarktrally umgeschaltet. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung.

Es lässt sich auch im kommenden Jahr mit einer guten Konjunktur in Europa rechnen, sodass einem weiteren starken Gewinnwachstum nichts im Wege stehen dürfte. Das Sentiment ist sehr positiv, Stimmungsindikatoren sind auf langjährigen Hochs. Zwar kann die Stimmung an den Börsen immer kurzfristig kippen, da auch die zuletzt starken Kursgewinne zu Gewinnmitnahmen führen können. Der unterliegende fundamentale Gewinntrend bleibt jedoch zunächst intakt. Potenzielle Rücksetzer sollten für Zukäufe in europäischen Aktien zu nutzen.

Katalonien und Brexit können die Aktienmärkte nicht schrecken

Als einzigen möglichen Bremsfaktor für die Gewinne kommt die Entwicklung des Euro infrage. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hat der Euro gegenüber vielen Währungen wie dem US-Dollar, dem Pfund Sterling und dem chinesischen Renminbi aufgewertet. Eine weitere Aufwertung könnte die Gewinnentwicklung belasten. Politische Brandherde hingegen, etwa die Lage in Katalonien oder die Brexit-Verhandlungen, sind weniger Bedrohung für den europäischen Aktienmarkt insgesamt. Hier können höchstens kurzfristige stimmungsbedingte Kursrückschlägen eintreten. Komplett ausbremsen könnte den Markt aber nur eine Gewinnrezession, und die sehen wir zurzeit nicht.

Die lokalen Märkte allerdings sind von den politischen Themen durchaus betroffen. Spanische Aktien dürften sich erst einmal weiter volatil entwickeln. In Großbritannien verunsichert der anstehende Brexit Unternehmen, die sich mit Investitionen zurückhalten, und dämpft das Konsumverhalten. Wir sehen in Großbritannien zurzeit relativ viele Gewinnwarnungen von Unternehmen, die lokal orientiert sind, zum Beispiel Unternehmen aus dem Konsumbereich.

Günstige Bewertung spricht für europäische Aktien

Ein weiteres Argument, das für europäische Aktien spricht, ist die Bewertung. Insbesondere im Vergleich zu US-Aktien sind europäische Werte weiterhin günstig. In diesem Jahr ist der Bewertungsabschlag auf dem gleichen Niveau geblieben. Der US-Aktienmarkt hat ein weiteres Mal eine bessere Performance erzielt als der europäische Markt. Auch in den USA läuft die Konjunktur rund, ein schwächerer Dollar hilft vielen Unternehmen.

Wir sind überzeugt, dass sich die Aktienkurse langfristig an der Gewinnentwicklung orientieren. Wir setzen daher auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum. Um dies zu erreichen, müssen sie ein robustes Geschäftsmodell mit hohen Eintrittsbarrieren aufweisen. Diese Art von Unternehmen finden sich in Europa vor allem in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz. Im Sektorbereich wird der Anleger vor allem bei Technologie, Konsum, Gesundheit und Industrie fündig. Weniger vertreten ist der von ihm bevorzugte Unternehmenstyp unter Banken, Versorgern und Telekom-Firmen. Gerade in Europa können nur sehr wenige Banken strukturell wachsen. Versorger oder Telekommunikation sind zudem sehr homogene Sektoren. Die Unternehmen unterscheiden sich kaum und haben ähnliche Treiber. Als Stockpicker bevorzugt sind Sektoren wie Industrie, Konsum und Technologie besonders interessant. Hier heben sich viele Unternehmen durch Innovationen, Marken oder besondere Geschäftsmodelle ab. Europa ist nach wie vor eine Region, in der starke globale Player und Hidden Champions zu finden sind, die durch hohe Eintrittsbarrieren ihre Gewinnentwicklung langfristig absichern können.

Lieber Luxusgüter als Autobauer und Spezialpharma als Big Pharma

Im Sektor zyklischer Konsum wird auf Automobilhersteller verzichtet und stattdessen lieber auf Luxusgüterproduzenten gesetzt. Die zunehmende Regulierung hinsichtlich CO2-Einsparungen sowie der Trend zum E-Auto erfordern von den Autobauern hohe Investitionen. Das hemmt die Gewinnentwicklung. Zudem entsteht mehr Wettbewerb, da es beim E-Auto neue Anbieter gibt. Bei Luxusgütern ist nach der Durststrecke der letzten zwei Jahre wieder der langfristige Wachstumspfad intakt, der unterliegend durch den Anstieg des globalen Wohlstands untermauert wird. Zudem schaffen es hier viele Firmen, sich ihre Position durch starke Marken langfristig zu sichern.

Auch Big Pharma ist nicht mehr der Einkaufsliste. Die großen Pharmafirmen leiden unter dem ständigen Druck auslaufender Patente und dem Preisdruck durch die Gesundheitssysteme. Spezialpharma- und Medizintechnikfirmen, die sich davon zum Teil besser abkoppeln können, scheinen hier die bessere Alternative. Den defensiven Konsumgüterkonzernen macht immer mehr lokale Konkurrenz, vor allen Dingen in den Schwellenländern, zu schaffen, deswegen sollte hier eine optimale Selektion erfolgen. Auch die disruptive Veränderung der Verkaufskanäle hin zu Online wirkt sich in der Branche negativ aus.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt