Goldilocks Economy

Goldlöckchen ist ein anspruchsvoller Gast: Ihr Brei soll weder zu heiß noch zu kalt – also gerade richtig – sein. Erik L. Knutzen, CIO für den Bereich Multi Asset bei Neuman Berger, zufolge ist das aktuelle Investmentumfeld ähnlich temperiert wie das Mahl der Märchenfigur.

Der Optimismus des Reflation-Trade, der das Bild Ende 2016 prägte, ist mittlerweile einem Szenario gewichen, das wir bereits aus den Jahren nach der Finanzkrise kennen: niedrige Wachstumsraten, niedrige Zinsen und niedrige Volatilität. Damals haben Risikoanlagen insgesamt davon profitiert. Auch seit dem Jahresbeginn 2017 haben sich, mit Ausnahme der Rohstoffe, alle großen Aktien- und Anleihenmärkte gut entwickelt. Da die jüngsten Kursgewinne aber weiter mit bescheidenen Wachstums- und Inflationsprognosen einhergehen und die quantitative Lockerung allmählich abgebaut wird, hat sich das Risikoprofil inzwischen verschoben.

Das Umfeld ist fragiler. Trotz der sehr geringen Volatilität kann es wegen ausgereizter Bewertungen und der restriktiveren Zentralbankpolitik zu stärkeren Ausschläge am linken, negativen Rand der Ertragskurve kommen. Durch den Konsens, der „Trump-Trade“ sei passé, ist aber auch der optimistische Randbereich mit Risiken verbunden. Es stellt sich also die Frage, welche Märkte bei einer solch großen Bandbreite möglicher Ergebnisse eine gute Performance erzielen können. Dazu hier die Einschätzung der einzelnen Anlageklassen im Überblick.

Nach einer kurzen Reflationsrallye preist der Markt ein Umfeld ein, das bereits aus den Jahren der quantitativen Lockerung bekannt ist. Solch ein „Goldlöckchen“-Umfeld (nicht zu heiß, nicht zu kalt) bietet Potenzial für positive Renditen, aber das Ertragspotenzial ist eher gering. Es ist mit mäßiger Risikobereitschaft und weiterhin niedriger Volatilität zu rechnen. Wenn das Wirtschaftswachstum und die Renditen generell knapper ausfallen, sind defensive Wachstumsaktien in der Regel beliebter als Zykliker. Regionen mit relativ guten Wachstums- und Renditemerkmalen schneiden ebenfalls besser ab als Märkte, die stagnieren oder sehr hohe Bewertungen aufweisen.

Das ist der Hauptgrund, warum Neuberger Berman den Ausblick für Aktien und Anleihen der Emerging Markets nach oben korrigiert hat. Die Wirtschaften der Schwellenländer wachsen weiter, während sich die Bewertungen noch vom Bärenmarkt der Jahre 2011 bis 2015 erholen. Problematisch werden könnte es bei einem falschen Schritt Chinas in Richtung Wachstumsverlangsamung und Kreditexpansion oder wenn das globale Wachstum einbricht. Aber solange das „Goldlöckchen“-Szenario anhält, können die Schwellenländer eine Outperformance erzielen. Darüber hinaus bleibt es bei der Empfehlung, Aktien der Industrieländer weltweit (ohne die USA) überzugewichten; US-amerikanische Large Caps stuft Neuberger Berman niedriger ein.




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