Guter Zeitpunkt für Schwellenländeranleihen

Die Märkte für Schwellenländeranleihen bergen nach wie vor attraktive Anlagechancen, schreibt Karine Jesiolowski von UBP in ihrem Gastbeitrag.

Nach einem volatilen Jahr 2018 und einer deutlichen Erholung Anfang 2019, bei der wieder vermehrt Kapital in Schwellenländeranleihen floss, ist die Frage durchaus berechtigt, ob der Zeitpunkt für eine Anlage in diese Märkte noch günstig ist.

Man muss die Frage wohl bejahen. In den ersten Monaten des neuen Jahres konnten Anleger eine Spreadeinengung beobachten. Das ändert jedoch nichts daran, dass Schwellenländeranleihen mit Blick auf Carry und intrinsische Faktoren weiterhin ein vielversprechendes Instrument für Anleger darstellen. In ihrem Anleiheportfolio setzen sie auf Diversifizierung und ein nach wie vor vergleichsweise hohes Renditepotenzial.

US-Konjunktur kühlt ab

Welche Faktoren werden in den kommenden Monaten aller Wahrscheinlichkeit nach für Auftrieb bei Schwellenländeranleihen sorgen? Vor allem spricht einiges dafür, dass die US-Notenbank (Fed) nicht weiter an der Zinsschraube drehen wird. Die Konjunkturabkühlung hinterlässt bereits erste Spuren in der US-Wirtschaft, und die Fed hat selbst deutlich gemacht, dass nun Geduld gefragt ist. Nach vier Zinsschritten 2018 und insgesamt neun Zinserhöhungen seit dem Umschwenken auf eine Normalisierung der Geldpolitik rechnen wir daher für 2019 – wenn überhaupt – nur noch mit einer weiteren Zinsanhebung.

Auch der langfristigen Renditeentwicklung dürften Grenzen gesetzt sein. Die US-Inflation ist inzwischen fast auf das von der Fed vorgegebene Ziel von zwei Prozent gestiegen. Die Konjunkturverlangsamung verhindert jedoch eine deutliche Zunahme der langfristigen Renditen. Vor diesem Hintergrund dürfte der Dollar wieder an Stärke verlieren, was wiederum gut für Emittenten von Schwellenländeranleihen ist, macht dies ihre auf US-Dollar lautenden Papiere doch günstiger.

Von Vorteil ist für Schwellenländeranleihen außerdem, dass das Wachstumsgefälle zwischen Industrie- und Schwellenländern immer größer wird. Schwellenländer werden also immer attraktiver für Anleger. Während sich Europa und die USA mit einer Konjunkturabkühlung konfrontiert sehen, haben die Schwellenländer im Vergleich gute Chancen auf ungebrochen stabiles Wachstum. Die regere Wirtschaftsaktivität in Lateinamerika und Afrika dürfte ein Gegengewicht zu der in China erwarteten Verlangsamung bieten. Dabei kann man davon ausgehen, dass Peking diese mit den bereits ergriffenen fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen in Grenzen halten wird.

China und USA steuern auf Einigung zu

China und die USA steuern in ihrem Handelsstreit auf die Unterzeichnung eines vergleichsweise pragmatischen Handelsabkommens zu. Dadurch würde das Risiko eines massiven Rückgangs im Welthandel ausgeräumt, was wiederum den Schwellenländern zugutekäme.

Diese Rahmenbedingungen verheißen auch Gutes für die Rohstoffmärkte. Die Preise für Öl und Basismetalle dürften sich nach dem deutlichen Anstieg Anfang 2019 auf aktuellen Niveaus stabilisieren. Bis Ende des Jahres könnten sie sogar noch leicht zulegen. Wegen der hohen Abhängigkeit vieler Schwellenländer von diesen Rohstoffen verspricht auch dies positive Impulse für Schwellenländeranleihen.

Seite zwei – Hoffnung nach unsicherem Jahr 2018




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