Hält die europäische Stärke an?

Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategy, sieht zwar robuste Fundamentaldaten bei europäischen Hochzinsanleihen – dennoch sollten Anleger die Bewertungen kritischen betrachten.

Drei Faktoren dürften für die Aussichten europäischer High Yields für den Rest des Jahres 2017 zentral sein: technische Faktoren, Fundamentaldaten und das Bewertungsniveau. Die technischen Daten zeigen sich robust, die Ausfallrate ist gering und seit Jahresbeginn hat es Zuflüsse in die Asset-Klasse gegeben. Auch auf der Angebotsseite gibt es neue Anleiheemissionen. Laut J. P. Morgan seien im ersten Halbjahr 2017 über 48 Milliarden Euro emittiert worden, was im Vergleich zu den vorjährigen Neuemissionen mehr als 80 Prozent ausmache.

Vermutlich haben wir in diesem Jahr mehr übernahmebedingte Anleihedeals gesehen, die zu einem kürzlichen Aufwärtstrend bei fremdkapitalfinanzierten Übernahme in Europa geführt haben. Ein Beispiel liefert das Buyout des deutschen Arzneimittelhersteller Stada von Cinven und Bain’s Capital. Wie üblich ist der Zeitpunkt für neue Deals von zentraler Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, einem möglichen wirtschaftlichen Rückgang in China und einem sich abzeichnenden Ende der akkommodierenden Geldpolitik. Diese könnten in den kommenden Wochen und Monaten volatile Bewegungen auslösen.

Auch die Fundamentaldaten scheinen solide und werden einen durchschnittlichen Verschuldungsrückgang von Unternehmen sowie einen zunehmenden Zinsdeckungsgrad aufweisen. Zudem verbesserten sich die Unternehmensgewinne. Unterstützend wirkt dabei die akkommodierende Haltung der Europäischen Zentralbank. Bedingt durch wirtschaftliche Verbesserungen in der Eurozone könnte sich die Zentralbank Ende des Jahres kämpferischer zeigen und ein weiteres Tapering des Anleihekaufprogramms im nächsten Jahr ankündigen.

Die Performance europäischer High Yields verlief zuletzt stark.

Die Erträge haben sich verdichtet und die Spreads bewegen sich auf das niedrige Niveau nach der Finanzkrise zu. Dieser Zustand führt bei Investoren zu der Frage, wie lange dieses Niveau noch anhalten werde. Auch wenn wir die Bedenken der Investoren und die Möglichkeit der Spread-Ausweitung in der Asset-Klasse wahrnehmen, wird es schwierig, den Katalysator für eine mögliche Veränderung zu erkennen und vorherzusagen, wann genau sie eintreffen wird.

Betrachtet man alle diese Faktoren erscheint es möglich, dass sich die Spreads wieder verengen, da die technischen Faktoren und Fundamentaldaten weiterhin unterstützend wirken. Dennoch sollten Investoren die Bewertungen vorsichtig beobachten.




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