Handelskonflikt macht Märkte nervös

Der Handelskonflikt spitzt sich immer weiter zu und die Gefahr eines ausgewachsenen Handelskrieges wächst. Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei La Financière de l’Echiquier (LFDE), nennt die Gründe hierfür.

Jede Woche das gleiche Lied: Der Handelskrieg zieht noch immer alle Aufmerksamkeit auf sich und die Märkte bleiben nervös. In solch einem Umfeld genügen bloße Gerüchte, um große Kursbewegungen auszulösen.

Gegenseitige Drohgebärden

Zu Beginn der vergangenen Woche sackten die Märkte abermals ab. Vorausgegangen war eine Drohung der Europäischen Union (EU), als Vergeltung für US-Maßnahmen Zölle auf US-Produkte im Wert von 294 Milliarden US-Dollar zu verhängen. Als der US-Finanzminister mit den Gerüchten aufräumte, dass Donald Trump den Rückzug der USA aus der Welthandelsorganisation plane und der US-Präsident bestätigte, dass die USA „für den Augenblick“ nichts vorhätten, beruhigten sich die Märkte jedoch wieder etwas.

Am Donnerstag erholten sich die Märkte dann deutlich: Grund dafür waren die Gerüchte, dass Donald Trump die drohenden Zölle auf europäische Autos aussetzen würde, falls die EU die Zölle auf US-Autos aufhebe. Tatsächlich betragen die Zölle auf in die USA importierte europäische Autos 2,5 Prozent, während die Zölle auf US-Autos, die nach Europa importiert werden, sich auf zehn Prozent belaufen. Gleich darauf erklärte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Verhandlungen über die Senkung der Zölle bereit. Eine Haltung, die jedoch von den anderen europäischen Ländern, insbesondere Frankreich, kaum geteilt wird. Letztlich waren dies alles jedoch nur Gerüchte und Erklärungen. Handfeste Fakten hingegen lösen merkwürdigerweise keine derartigen Reaktionen an den Märkten aus.

Nervosität an den Märkten

Jenseits des Atlantiks ging aus den veröffentlichten Protokollen der US-Notenbank Fed neben einem zur Schau gestellten Vertrauen in die Wachstumsaussichten und einem insgesamt restriktiveren Tonfall vor allem hervor, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses die Folgen des Handelskrieges diskutiert hatten. Insbesondere berichteten einige Mitglieder, dass mehrere ihrer Kontaktpersonen in den Sektoren Aluminium und Stahl bereit seien, ihre Verkaufspreise anzuheben, um die neuen Zölle auszugleichen, jedoch nicht, in Produktionskapazitäten zu investieren. Kurzum: importierte Inflation ohne Erhöhung des Wachstumspotenzials. Ein wenig verheißungsvolles Szenario.

Schließlich wurde am letzten Freitag das Inkrafttreten der US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar verkündet, was zu chinesischen Zöllen in gleichem Umfang führte. Dieses Mal waren es jedoch nicht nur Ankündigungen, sondern Amerikaner und Chinesen blieben konsequent. Donald Trump ersuchte sogar seinen Handelsbeauftragten, zusätzliche „chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar für weitere Zölle in Höhe von zehn Prozent zu identifizieren“.

Auch wenn die Entwicklungen in der durch den amerikanischen Unabhängigkeitstag verkürzten Woche schwierig zu interpretieren sind, verfestigt sich dennoch ein Eindruck von Unordnung an den Märkten, die einfach nicht mehr wissen, wie es weitergeht.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt