Handelskonflikt spitzt sich weiter zu

In den USA bleibt die Konjunktur robust, wohingegen in China die handelspolitischen Reibungen mit den USA die ersten Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zeigen. Darauf verweisen Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments, und sein Team in der jüngsten Ausgabe ihrer monatlichen „Investment-Highlights‘.

Die Handelskonflikte zwischen den USA und China bleiben das beherrschende Thema des wirtschaftlichen Geschehens. In den USA ist das Wachstum kaum davon betroffen: Dank der kräftigen Unternehmensinvestitionen und der haushaltspolitischen Anreize bleibt die Konjunktur robust. „Obwohl sich die Ausgaben der Privathaushalte nicht beschleunigen, nähern sich die Indizes für das Verbrauchervertrauen wieder ihren Rekordwerten aus dem Jahr 2000“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments. In China hingegen zeigen die handelspolitischen Reibungen mit den USA die ersten Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. „Daher will Peking mit geld- und steuerpolitischen Stützungsmaßnahmen die Wirtschaftstätigkeit wieder ankurbeln.“

In mehreren Schwellenländern werden die Zinserhöhungen das konjunkturelle Wachstum belasten

In Europa normalisieren sich die hohen Wachstumsraten von Ende des vergangenen Jahres gerade wieder, deuten jedoch nicht auf eine größere Konjunkturverlangsamung hin. In mehreren Schwellenländern, beispielsweise der Türkei, Argentinien, Russland oder Indonesien, werden die Zinserhöhungen – die der Stabilisierung ihrer jeweiligen Wechselkurse dienen sollen – in den kommenden Monaten das konjunkturelle Wachstum belasten.

An den Rentenmärkten bleibt die Lage problematisch

Die positiven Wirtschaftsstatistiken in den USA trieben die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries über die Drei-Prozent-Marke. Infolgedessen stieg auch die Rendite der deutschen zehnjährigen Bundesanleihe. Die Befürchtungen entgleitender öffentlicher Finanzen durch die neue italienische Regierung halten die Rentenmärkte Südeuropas unter Spannung. So blieb die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen in Italien weiter über drei Prozent. „An den Rentenmärkten bleibt die Lage problematisch“, meint der luxemburgische Ökonom. „Für einen europäischen Anleger wird die Zinsdifferenz zwischen den US-amerikanischen und europäischen Anleihen durch eventuelle Absicherungskosten des Währungsrisikos des US-Dollars zunichtegemacht.“ Es bleiben also die Anleihen der Eurozone, deren Renditen – abgesehen von Griechenland oder Italien – nach wie vor grotesk niedrig sind.

Technologie, Gesundheitswesen und Ölindustrie mit der besten Wertentwicklung seit Jahresanfang

Im September waren die Aktienmärkte relativ stabil. Geografisch betrachtet legten die japanischen Aktien überdurchschnittlich zu. Der US-amerikanische S&P 500 und der europäische Stoxx 600 stiegen jeweils leicht, während der MSCI Emerging Markets etwas zurückging. Guy Wagner: „Aufgeschlüsselt nach Sektoren fuhren Technologie und Gesundheitswesen – die etliche sogenannte Wachstumsunternehmen umfassen – sowie die Ölindustrie, nach dem Anstieg der Ölpreise, die besten Wertentwicklungen seit Anfang des Jahres ein.“ Da die realen US-Zinsen infolge der schrittweisen zinspolitischen Straffung der Federal Reserve wieder in den positiven Bereich zurückgekommen sind, werden Geldmarkt- und Rentenanlagen in US-Dollar – zumindest für einen US-amerikanischen Anleger – wieder eine Alternative zu Aktien, ohne dass eine sofortige Aushöhlung der Kaufkraft droht.




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