Innovative Biotech-Unternehmen als Anlagechance

Die langfristigen Trends im Gesundheitswesen bleiben – alternde Bevölkerung, Nachfrage aus den Schwellenländern und der Ausbau der Krankengrundversicherung. Dennoch sollten Anleger ihren Fokus auf innovative, mittelgroße Biotech-, Medizinaltechnik- und gesundheitsorientierte IT-Unternehmen richten.

Der globale Gesundheitsmarkt wächst aufgrund der alternden Bevölkerung, der Nachfrage aus den Schwellenländern und des Ausbaus der Krankengrundversicherung weiterhin rasant. Dies dürfte die Nachfrage nach erstklassigen und hocheffizienten Behandlungsmöglichkeiten weiter beflügeln: Es wird geschätzt, dass die weltweiten Gesundheitsausgaben von 2017 bis 2021 um jährlich 4,1 Prozent steigen werden, gegenüber lediglich 1,3 Prozent für 2012 bis 2016. Die Gesundheitsausgaben der wichtigsten Regionen der Welt dürften bis 2020 insgesamt 8,7 Billionen US-Dollar erreichen, gegenüber 7 Billionen US-Dollar 2015.

Preiserhöhungen machen Großteil des Umsatzwachstums aus

Branchenberichten zufolge sind mehr als 60 Prozent des über 20 prozentigen Umsatzwachstums der 45 wichtigsten pharmazeutischen Produkte in den USA in den letzten drei Jahren auf durchschnittliche Preiserhöhungen zurückzuführen. Diese Preisanhebungen und ihre positiven Auswirkungen für den Sektor dürften weiter nachlassen, da die Nachfrage nach diesen Produkten fortan langsamer steigt. Dies liegt auch daran, dass sich viele Pharmaunternehmen als Reaktion auf politischen Druck aus den USA dazu bereit erklärt haben, die Medikamentenpreise 2018 nicht zu erhöhen.

Ohne diese Preissteigerungen, die das Wachstum antreiben, müssen die Anleger ihren Fokus auf Innovation als wichtigste Renditequelle verlagern. Vor allem therapeutische und technologische Innovationen, die das Potenzial haben, den bestehenden biopharmazeutischen Markt mit seinem Jahresumsatz von 1 Billion US-Dollar umzuwälzen, stellen eine wichtige Chance dar: Die Zahl der Zulassungen für neue Medikamente ist deutlich gestiegen, und die Budgets für Forschung und Entwicklung, die sich auf Bereiche mit ungedecktem Bedarf konzentrieren, steigen. Wir haben sechs Wachstumsbereiche im derzeitigen Innovationszyklus identifiziert: Immunonkologie, Gentherapie, seltene Krankheiten, Fettleibigkeit, neurologische Erkrankungen und Gesundheits-IT.

Pharmakonzerne verlieren Bedeutung in Anlagestrategie

Für Anleger ist es keine zukunftsfähige Strategie mehr, sich nur auf die weltweit größten Pharmaunternehmen zu konzentrieren, um an diesen Wachstumstrends zu partizipieren. Bernstein Research hebt hervor, dass fast 50 Prozent der Blockbuster-Medikamente – mit Spitzenumsätzen von über einer Milliarde US-Dollar – inzwischen von kleineren und mittleren Biotech- und Medtech-Unternehmen stammen. Diese brauchen wiederum Investoren, um ihren Schwerpunkt zu verändern.

Darüber hinaus eröffnet die hohe Ineffizienz im globalen Gesundheitsmarkt unseres Erachtens eine Chance im Bereich Gesundheits-IT. Der Consultingkonzern Gartner schätzt, dass Gesundheitsdienstleister in den USA 2017 rund 42 Milliarden US-Dollar für IT-Dienstleistungen ausgegeben haben. Das entspricht etwas mehr als einem Prozent der inländischen Gesundheitsausgaben der USA. Würden die durchschnittlichen Ausgaben für IT-Dienstleistungen bei Gesundheitsunternehmen 3,3 Prozent erreichen (vergleichbar mit Nicht-Gesundheitsunternehmen in den USA), so könnte das Anbietern von Gesundheits- IT zusätzliche Einnahmequellen von über 70 Milliarden US-Dollar erschließen.

Obwohl im Gesundheitssektor weiterhin einige der langfristigen Wachstumstreiber aus vergangenen Jahrzehnten wirken dürften, muss sich der Schwerpunkt verlagern; von sicheren, dividendenzahlenden Titeln hin zu einer Kombination aus mehreren, sich schnell verändernden Faktoren. Nur so können Anleger weiter am Innovationsprozess und einer immer effizienteren Gesundheitsversorgung teilhaben.




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