Investitionstätigkeit als treibender Faktor

Ein stabiles Europa und ein China, das langsamer aber dennoch solide Performance aufweist. Nikolaj Schmidt, Chief International Economist bei T. Rowe Price, sieht Potenzial an den Märkten. Ein Kommentar.

Die Wirtschaft hat sich 2017 in allen großen Volkswirtschaften deutlich positiv entwickelt. Damit hält der globale Aufschwung bereits seit einem Jahrzehnt an. Der Boom zeigt sich im vergangenen Jahr besonders in rohstoffexportierenden Ländern wie Brasilien, Mexiko und Russland. Auch wenn wir für 2018 ein moderateres Wachstum erwarten, gehen wir davon aus, dass der Schwung aus 2017 mit ins neue Jahr genommen wird. Einen großen Anteil am globalen Aufschwung konnte die zunächst überraschende starke Wirtschaft in China verzeichnen. Hinzu kommen hohe Investitionen, insbesondere im Energie- und Metallsektor – nicht nur in den Schwellenländern, sondern auch in den USA und in Deutschland sowie in anderen wichtigen Industriestaaten. Der Welthandel hat ebenso wie die Investitionen an Fahrt aufgenommen, was darauf hindeutet, dass das globale Wachstum auf einem breiten Fundament steht.

Besonders ermutigend ist der Aufschwung in Europa, das stabiler und weniger anfällig für Ungleichgewichte geworden ist. Im Zuge sinkender Arbeitslosigkeit und steigendem Einkommen sei es den europäischen Konsumenten möglich, ihren Nachholbedarf zu stillen. In Japan gibt es aufgrund der fortschrittlichen Wirtschaftspolitik des Regierungschefs Shinzō Abe („Abenomics“) weiterhin positive Wachstumsimpulse. Die Arbeitslosenquote des Landes ist auf den niedrigsten Stand seit 23 Jahren geschrumpft. Zwar fielen die Lohnerhöhungen immer noch bescheiden aus. Jedoch wechselten Beschäftigte in besser bezahlte Positionen.

Für China erwarten wir 2018 eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Zugleich sind wir optimistisch, dass Peking das Niveau aufrecht erhält, so dass Handelspartner nicht in Bedrängnis geraten. Darüber hinaus haben es die Verantwortlichen im Reich der Mitte verstanden, die Regulierung im Finanzsektor zu verschärfen, ohne das Kreditwachstum in der Realwirtschaft abzuwürgen.

Straffung der Geldpolitik gefährdet nicht den Aufschwung

Der Trendwechsel internationaler Notenbanken von der lockeren zur strafferen Geldpolitik könnte für die Finanzmärkte 2018 eine wichtige Bewährungsprobe sein. Bisher haben zwar erst die US-Notenbank, die Bank of England und die Bank of Canada den Leitzins erhöht. Doch deutet einiges darauf hin, dass bald auch andere Institute ihre expansive Geldpolitik eindämmen. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten wir, dass sie ihre Anleihekäufe bis Ende 2018 reduziert. Zinserhöhungen dürften ab 2019 erfolgen. Bei der Bank of Japan ist dies hingegen nicht so leicht erkennbar. Jedoch erwartet man auch dort Jahr eine moderate Reduzierung der expansiven Geldpolitik. Die Verringerung der derzeit aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken dürfte den globalen Wachstumsschwung 2018 nicht stoppen. Die Straffung der Geldpolitik könne jedoch das Tempo mindern. Weiter hätten sich die haushaltspolitischen Bedingungen in den Peripherieländern der Eurozone ebenso verbessert wie die Leistungsbilanzen in den Schwellenländern.

In den USA scheint die Wirtschaft nach kleineren Schwankungen in der ersten Jahreshälfte 2017 wieder auf moderatem Wachstumskurs zu sein. „Für Anfang 2018 erwarten wir eine Wachstumsrate zwischen 2 und 2,25 Prozent“, sagt Alan Levenson, Chief US-Economist bei T. Rowe Price. Dies werde durch einen leichten Anstieg der Nominallöhne und die jüngste Zunahme der Investitionen unterstützt. Zugleich sei die Inflationsrate bei rund zwei Prozent ins Stocken geraten. Daher dürfte die US-Notenbank (Fed) seiner Ansicht nach an einer schrittweisen Anhebung des Leitzinses festhalten. „Selbst wenn die Inflation in den USA nicht anzieht, glauben wir, dass die Fed ihren Kurs beibehält. Dies ist wichtig, um die finanzielle Stabilität des Landes zu erhalten.“ Einen weiteren Hinweis darauf, dass sich die US-Zinspolitik in nächster Zeit nicht ändere, sieht Levenson darin, dass der designierte Chef der US-Notenbank, Jerome Powell signalisiert habe, den bisherigen Kurs seiner Vorgängerin Janet Yellen fortzusetzen.




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