Lokale Geldmarktinstrumente besser als Anleihen

Aufgrund des vorteilhaften gesamtwirtschaftlichen Umfelds steigt das Interesse an Schwellenländeranleihen. Die Allokation in lokale Geldmarktinstrumente aus Schwellenländern war in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zu lokalen Anleihen gering. Doch das wird sich ändern. Im aktuellen, steigenden Zinsumfeld sind Anleger in Geldmarktinstrumenten in Lokalwährung deutlich unterpositioniert.

Die Duration wird wichtiger für Anleger, da die Inflation langsam Fahrt aufnimmt. Das Ende der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken ist absehbar. In diesem Umfeld sind lokale Geldmarktinstrumente mit ihrer kurzen Duration interessant. Ihre Diversifizierungsvorteile und die Unterbewertung der Schwellenländerwährungen sind weitere Faktoren, die für diese Anlageklasse sprechen.
Im Wesentlichen haben lokale Geldmarktinstrumente aus Schwellenländern im aktuellen Marktumfeld drei große Vorteile gegenüber lokalen Schwellenländeranleihen. Sie sind unempfindlicher gegenüber steigenden Zinsen, die Indexzusammensetzung ist vorteilhafte und ihre Diversifizierungseigenschaften sind besser.

Weniger anfällig für steigende Zinsen

Lokale Geldmarktinstrumente sind gegenüber lokalen Schwellenländeranleihen auf kurze bis mittlere Sicht weniger anfällig für steigende Zinsen. Der Index für Geldmarktinstrumente in Lokalwährung, der JP Morgan Emerging Local Markets Index Plus (ELMI+), hat eine durchschnittliche Laufzeit von gerade einmal zwei Monaten im Vergleich zu einer Laufzeit von über fünf Jahren bei lokalen Anleihen, die durch den JP Morgan Global Bond Index – EM Global Diversified (GBI-EM GD) repräsentiert werden. Geldmarktinstrumente in Lokalwährung bieten einen Zins von fast vier Prozent im Vergleich zu sechs Prozent bei lokalen Anleihen. Diese zusätzlichen zwei Prozent dürften Anleger für das Durationsrisiko in einem steigenden Zinsumfeld kaum entschädigen. Bis Ende 2019 dürfte die Inflation in über der Hälfte der Länder im Local Bond Index steigen. Darüber hinaus dürften zehn Zentralbanken dieser Länder in diesem Zeitraum allmählich die Leitzinsen erhöhen, wohingegen nur vier Notenbanken die Zinsen senken dürften. Höhere Leitzinsen sollten Geldmarktinstrumenten in Lokalwährung zugutekommen, da die Zinsunterschiede im Verhältnis zu den entwickelten Märkten so zunehmen.

Vorteilhafte Zusammensetzung des Indizes

Die Indexzusammensetzung bei Geldmarktinstrumenten in Lokalwährung ist vorteilhafter. Erstens gibt es mehr Länder mit einem grundsätzlichen Bilanzüberschuss im Local Currency Index. Diese Länder erfreuen sich eines natürlichen Aufwärtsdrucks auf ihre Währung und sind weniger anfällig für potenzielle Währungsschwankungen aufgrund einer global abnehmenden Risikobereitschaft von Investoren. Zweitens hat der Lokalanleihe-Index eine viel höhere Gewichtung in Ländern mit Zwillingsdefiziten. Diese erzielen zwar höhere Renditen, sind aber auch anfällig für die Abwertung ihrer Währungen aufgrund von Kapitalabflüssen. Zudem ist der Index für lokale Geldmarktinstrumente repräsentativer für thematische Faktoren der Schwellenländer, da 17 Prozent des Index in China und Indien allokiert sind. Aufgrund der Restriktionen, die in diesen beiden Märkten für den Handel mit Lokalanleihen gelten, hat der Local Bond Index eine Gewichtung von null Prozent.

Geldmarktinstrumente in Lokalwährung besser diversifiziert

Geldmarktinstrumente in Lokalwährung bieten eine bessere Diversifizierung. Das ist besonders in einem Umfeld von Bedeutung, in dem viele Anleger die Belastung durch angespannte Bewertungen fühlen, aber dennoch nicht aus dem Markt aussteigen möchten, wenn die globalen Fundamentaldaten so robust sind. Obwohl die Sharpe Ratios für lokale Anleihen im Vergleich zu Geldmarktinstrumenten in Lokalwährung von Januar 2003 bis Dezember 2017 etwas positiver ausfielen, kehren sich diese Sharpe Ratios in Phasen grundsätzlich steigender Leitzinsen markant um. Die Korrelationen zwischen Geldmarktinstrumenten in Lokalwährung und Spread-Produkten weltweit waren zwischen Januar 2003 und Dezember 2017 ebenfalls deutlich niedriger als bei lokalen Anleihen und fielen gegenüber US-Hochzinsanleihen sogar negativ aus. Zudem schneiden Geldmarktinstrumente in Lokalwährung in turbulenten Marktphasen tendenziell besser ab und haben in der Vergangenheit geringere Verluste als lokale Anleihen erlebt.
Im aktuellen Umfeld sind Anleger in Geldmarktinstrumente in Lokalwährung unterpositioniert. Die Anlageklasse bietet die Vorteile minimaler Durationsrisiken und einer geringen Korrelation mit Spread-Produkten weltweit, wovon Anleger in einem Umfeld mit global steigenden Zinsen und zunehmenden Sorgen vor einer weltweit höheren Inflation profitieren dürften. Da die Geldpolitik allmählich gestrafft wird und die Inflationsprognosen im gesamten Schwellenländeruniversum steigen, sollten Geldmarktinstrumente in Lokalwährung unserer Meinung nach die bevorzugte Wahl für Anleger sein, die in den kommenden zwei Jahren – und darüber hinaus – eine Ausrichtung auf Schuldtitel aus den Schwellenländern haben möchten.




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