„Märkte lernen die Sprache Trumps“

Die Märkte scheinen langsam zu realisieren, was manche Beobachter schon sehr früh erkannt hatten, meint Olivier de Berranger, Chief Investment Officer (CIO) bei La Financière de l’Echiquier: „Auch wenn die Methoden Donald Trumps so heftig wie ungewöhnlich sind, bleiben sie doch nichts anderes als Verhandlungsmethoden.“

Nach einem mauen Beginn schlossen die Aktienmärkte in den ersten April-Tagen im Plus. Und das obwohl diese Tage erneut durch die Ankündigungen und protektionistischen Äußerungen Donald Trumps geprägt waren.

Die US-Regierung veröffentlichte die Liste der von den neuen Zöllen in Höhe von 25 % betroffenen chinesischen Produkte, die rund 50 Milliarden Dollar an Importen ausmachen. Aufgelistet sind dort circa 1.300 Produkte aus verschiedenen Sektoren wie Luftfahrt, Kommunikation oder auch Robotik. Die chinesischen Behörden reagierten rasch und veröffentlichten ihrerseits eine Liste mit US-Produkten, die dem gleichen Importvolumen entsprechen und von Peking mit Zöllen belegt werden könnten. Die letzte Episode ereignete sich schließlich am vergangenen Donnerstag, als Donald Trump, nur wenig um den Abbau der Spannungen bemüht, vom US-Handelsministerium verlangte, weitere 100 Milliarden Dollar an Zöllen auf chinesische Importe zu bestimmen. Er wollte „den Einsatz verdoppeln“ und zugleich die „ungerechten Repressalien“ Chinas anprangern.

Nachdem die Märkte aufgrund der raschen Antwort Chinas in Schieflage geraten waren, erholten sie sich und waren in der Lage, dieses neue Kapitel des „Handelskrieges“ besser zu verdauen. Zugegebenermaßen steht in den USA die Berichtssaison an, und einige Beobachter könnten versucht sein, eher auf die Lage der Unternehmen als auf den US-Präsidenten und seine Äußerungen zu achten, doch ist dies nicht der einzige Grund.

Mehrere Aspekte geben Veranlassung, diesem vermeintlichen „Handelskrieg“ nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. Zum einen ist die von der US-Regierung veröffentlichte Liste vorläufig. Sie schließt zahlreiche elektronische Massenprodukte wie z. B. Smartphones aus und wird zu einer Konsultation der großen US-Exportunternehmen führen. Zum anderen fiel der Gegenschlag Chinas moderat aus. Überdies erinnerten der wichtigste Wirtschaftsberater des Weißen Hauses und der US-Handelsminister, Wilbur Ross, an die Notwendigkeit von Verhandlungen. Ferner erklärte Donald Trump, dass die USA für einen Dialog mit China weiterhin offen seien.

Schritt um Schritt scheinen die Märkte das zu verarbeiten, was manche Beobachter sehr früh erkannt hatten: Auch wenn die Methoden Donald Trumps so heftig wie ungewöhnlich sind, bleiben sie doch nichts anderes als Verhandlungsmethoden. Der US-Präsident ist darin kein Anfänger. 2017 hatte er die Provokationen gegenüber Nordkorea verstärkt und dem Land mit „totaler Zerstörung“ gedroht. Anfang März gaben die Führer der beiden Länder bekannt, einem Treffen im Grundsatz zuzustimmen.
Die aktuelle Situation ist damit zwar nicht vergleichbar, erinnert jedoch daran. Die Aussagen des US-Präsidenten dürfen niemals im engen Wortsinne gedeutet werden, und China, das bestrebt ist, sein Wirtschaftsmodell zu ändern und sich mehr dem Weltmarkt zu öffnen, hat keinerlei Interesse, das Rad zu überdrehen.




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